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Saxonia-Eigentümer wehrt sich gegen Kritik

Paul Kugler bietet sein Haus als Asylquartier an. Ein Hotel wird es wohl nie wieder werden.

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© Lutz Weidler

Von Stefan Lehmann

Riesa. Die vergangenen zwölf Monate waren anstrengend für Paul Kugler, das gibt er unumwunden zu. Regelmäßig war der 65-Jährige zwischen seinem Wohnort Moers in Nordrhein-Westfalen und Riesa unterwegs, mehr als 500 Kilometer pro Fahrt. Das alles wegen einer Immobilie, die ihm schon seit Jahren Ärger einbringt.

Seit 2005 ist Paul Kugler Eigentümer des Hotel Saxonia in der Riesaer Bahnhofstraße. Das Haus sorgte im vergangenen Jahr für Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass es zum Asylbewerberheim unfunktioniert werden soll. Dabei hatte sich erst Anfang 2015 ein neuer Betreiber für das Hotel gefunden. Dass er den für ein lukrativeres Geschäft herausgeschmissen habe, bestreitet Kugler. „Ich bin kein Miethai!“

Schon mit den Vormietern habe es immer wieder Probleme gegeben, was die Mietzahlungen anging. Sieben Monate lang habe er damals auf die Miete verzichtet, dann schritt letztlich das Finanzamt ein – die Betreiber des Lokals mussten Insolvenz anmelden. Als sich Anfang 2015 ein Nachmieter fand, habe er sich abgesichert, erzählt Kugler. „Auch ich habe ja finanzielle Verpflichtungen, denen ich nachkommen muss.“ Im Mietvertrag sei deshalb eine sogenannte Räumungs- und Verfügungsunterwerfung eingebaut gewesen. Die habe ihn dazu berechtigt, dem Mieter fristlos zu kündigen, nachdem die ersten zwei Monatsmieten ausgeblieben waren. Letztlich habe er sich mit dem damaligen Betreiber sogar noch geeinigt, er könne das Hotel noch eine Zeit lang weiterführen, bis mit dem Landkreis Meißen ein neuer Mieter feststünde.

Der gebürtige Schwabe besitzt noch weitere Immobilien. Das Saxonia ist allerdings das erste Gebäude, das er für Asylbewerber zur Verfügung stellt. „Ich hatte die ganze Problematik natürlich auch verfolgt, dass nach Unterbringungsmöglichkeiten gesucht wird.“

Landkreis lehnte erst ab

Erstmals sei er im Frühjahr 2015 auf den Landkreis zugegangen. „Der lehnte zunächst ab.“ Zu teuer sei dem Kreis sein erstes Angebot gewesen. Der Landkreis habe 4,50 Euro geboten – und später noch weiter heruntergehandelt, weil an dem zuletzt 1992 kernsanierten Gebäude noch eine Reihe von Umbaumaßnahmen zu bewältigen seien. Das Landratsamt bestätigt auf SZ-Anfrage, zwischen 250 000 und 300 000 Euro für Umbauten vorgesehen zu haben. Diese Kosten würden „aus gegenwärtiger Sicht nicht überschritten“, sagt der zuständige Dezernent Manfred Engelhard.

Zu Vertragsverhandlungen äußere man sich prinzipiell nicht. Mittlerweile sei der Mietvertrag unterzeichnet worden, sagt Kugler. Laufzeit: drei Jahre, bei einer monatlichen Kaltmiete von 8 400 Euro. Umgerechnet wären das etwa 3,30 Euro pro Person und Tag. Aus Sicht des Landratsamtes kein schlechter Preis. „Die Höhe der Miete mit 5,87 Euro pro Quadratmeter bewegt sich im vertretbaren Rahmen“, sagt Manfred Engelhard. Bezugsfertig soll das neue Asylquartier im April sein. Für die soziale Betreuung soll die Diakonie zuständig sein, wer die Heimleitung vor Ort übernimmt, steht noch nicht fest.

Vom Landkreis bekomme er tatsächlich etwas mehr Miete, als mit den Vormietern vereinbart war, sagt Paul Kugler. Den Eindruck, er wolle sich an der Asylpolitik eine goldene Nase verdienen, weist er dennoch entschieden zurück. „Wer mir da Vorwürfe macht, dem sage ich immer: Nimm du mal Leute für 3,30 Euro am Tag zu dir nach Hause!“ Ohnehin fließe ein guter Teil der Miete in Form von Steuern zurück an den Staat.

Nachdem sich zuletzt die Nachrichten von brennenden Asylbewerberheimen häufen, hat der 65-Jährige nun noch eine Sorge mehr. „Gott sei Dank ist bisher nichts passiert“, sagt er. Wobei diese Aussage nicht ganz stimmt, schlugen doch Unbekannte vor nicht einmal zwei Wochen eine Scheibe des Gebäudes ein. Laut Landratsamt sorgt derzeit aber ein Wachschutz für Sicherheit vor dem Gebäude.

Dass er das Gebäude in drei Jahren noch einmal als Hotel nutzen kann, glaubt Paul Kugler nicht. Zu umfangreich seien die Bauarbeiten, die der Landkreis jetzt vornehmen lasse. „Aber die ganzen Jahre haben mich so frustriert ... Ich bin froh, wenn ich jetzt drei Jahre lang meine Miete bekomme.“ Dann will er weitersehen.