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Schandfleck Mafa

Nach Razzia und schockierenden Funden werden Fragen nach der Zukunft der Industriebrache in Heidenau laut. Bisher gibt’s nur eine Antwort.

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© Daniel Förster

Von Heike Sabel

Heidenau. Die Stadt hat einen schweren Herzfehler: das Gelände der ehemaligen Maschinenfabrik. Im Zentrum der Stadt gelegen, ist es gestalterisch ein Schandfleck und auch sonst nicht gerade ein Vorzeigeobjekt. Am Mittwoch gab es hier eine Großrazzia der Polizei. Die Liste der Funde ist lang. Gestohlene Fahrrad- und Motorradrahmen, ein unterschlagener VW Caddy, ein Motorrad, hochwertiges Werkzeug, 30 scharfe Panzerbrandgranaten. Insgesamt 50 Gegenstände wurden beschlagnahmt. Gegen fünf Beschuldigte wird ermittelt. Derzeit sind alle auf freiem Fuß.

Einer, der froh über den massiven Einsatz der Polizei ist, ist Heidenaus Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU). Auch einige aus den privaten Hobby-Schrauberwerkstätten auf dem Areal begrüßen die Präsenz der Polizei, die seit einiger Zeit regelmäßig das Gelände durchstreift. Den meisten ist klar, dass hier nicht alle so unschuldig sind, wie sie tun.

Neues Gutachten in Arbeit

Der Einsatz der Polizei am Mittwoch und die Funde werfen ein weiteres Mal die Frage nach der Zukunft des riesigen Geländes auf. Derzeit wird ein neues Wertgutachten erarbeitet. Das vorherige stammt von 2003 und gab den Wert der Immobilie mit 3,6 Millionen Euro an.

Doch eine neue Expertise ist noch keine Lösung. Diese sieht der Bürgermeister in mittlerer Zukunft. Was das konkret heißt, bleibt offen. Zunächst sind Fragen um das Grundstück, einst Arbeitsplatz von 750 Leuten, zu klären. Dabei geht es nicht nur um Kauf oder Zwangsversteigerung, sondern vor allem darum, was an Sanierung notwendig ist. Bisher gibt es keine verlässlichen Aussagen zu möglichen Belastungen. Klar ist deshalb lediglich, aus Sicht der Stadtentwicklung ist das, was derzeit auf dem Mafa-Gelände passiert, unbefriedigend. Doch es habe derzeit wenig Sinn zu spekulieren, sagt Opitz. „Es läuft jetzt alles.“

Für die Hobby- und Profi-Schrauber, in deren Werkstätten kein Diebesgut lagert – und das sind die meisten – wollen einfach nur ihre Ruhe. Und sie wollen nicht mit denen in einen Topf geworfen werden, die Mist machen. Sich ein anderes Domizil zu suchen, ist für viele keine Alternative. Schlichtweg wegen des günstigen Pacht- bzw. Mietzinses.

Die Uhr am alten Eingang zur Maschinenfabrik ist bei 8.12 Uhr stehengeblieben. Nicht erst seit dem Einsatz am Mittwoch. Inzwischen wäre vor fünf vor zwölf passender. Der Patient Mafa ringt mit dem Tod.