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Schießübung im Herzen Europas

Der Truppenübungsplatzin der Oberlausitz dürfte von Kürzungen bei der Bundeswehr verschont bleiben. Dafür ähnelt er Afghanistan zu sehr.

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Von Jörg Schurig

Weißkeißel. Oberstleutnant Lutz Pauketat preist den Truppenübungsplatz Oberlausitz wie eine Sehenswürdigkeit. „Es ist der schönste in Sachsen, der modernste Deutschlands im Herzen Europas“, sagt der Kommandant. Dabei wird in dem Gelände für gewöhnlich scharf geschossen. Warnschilder sollen Pilzsammler und Hobby-Biologen abhalten. Immerhin lebt ein Wolfsrudel hier. Und auch andere seltene Tier- und Pflanzenarten wurden in den vergangenen Jahrzehnten heimisch. Im Wappen des Standortes nahe Weißkeißel thront ein Seeadler. „Der Seeadler ist unser Wappentier, er war vor dem Wolf da“, begründet Pauketat die Hackordnung.

Mercedes-Benz testet

Im Oktober soll darüber entschieden werden, welche der 400 Standorte als Folge der Bundeswehrverkleinerung geschlossen werden. Der Kampf um jede einzelne Kaserne ist derzeit voll im Gange.

Der sächsische Übungsplatz liegt knapp 100 Kilometer östlich von Dresden und ist etwa 16 300 Hektar groß. Mehrere Schießbahnen mit computergesteuerten Zielen und ein Bahnanschluss machen das Terrain zum idealen Testgelände. Pauketat sieht landschaftliche Ähnlichkeiten zu Afghanistan, auch wenn die Hügel hier maximal 145 Meter hoch sind. Aber trockene Sommer, kalte Winter und viel Sand lassen Vergleiche mit dem Land am Hindukusch zu. Hubschrauberpiloten der Bundeswehr üben hier „Staublandungen“, bei denen der Pilot nur eingeschränkte Sicht hat. Und auch Firmen wie Mercedes-Benz testen auf unebenem und sandigem Boden Spezialfahrzeuge wie den Geländelaster Zetros.

„Ich mache mir keine Sorgen“

Kommandant Pauketat hält sein Territorium für die anstehende Bundeswehrreform gut gerüstet. „Ich mache mir keine Sorgen. Das Üben auf den Übungsplätzen wird es immer geben.“ Dennoch sind die Zahlen momentan rückläufig. Der Offizier spricht von einer permanenten Sinuskurve, mit dem Wegfall der Wehrpflicht sei sie etwas stärker nach unten gegangen. „Wir schießen weniger und fliegen mehr“, erzählt der 55-Jährige, der schon in Bosnien-Herzegowina und Afghanistan diente.

Pauketat geht davon aus, dass die Reform ein neues Konzept für Übungsplätze bringt. Ob es künftig mehr „zivile“ Nutzung durch Private wie Mercedes geben wird, vermag der Oberstleutnant nicht zu sagen. (dpa)