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Schiffsverkehr

Ein Boot für den Berzdorfer See ist am Donnerstagabend durch Löbau nach Bernstadt gefahren. Das hat kaum jemand bemerkt.

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© Gabriel Wandt

Von Gabriel Wandt

Löbau/Bernstadt. Es wurde kurz nass in Löbau, als das Fahrgastschiff für den Berzdorfer See durch die Stadt gefahren wurde. Doch der Regenschauer störte die Techniker nicht: Jeder Handgriff saß, die Männer wussten genau, was zu tun war. Als der Schwerlasttransport gegen 22.45 Uhr aus Richtung Kittlitz nach Löbau rollte, war die Hubbühne schon hochgefahren. Die Arbeiter lockerten die Schrauben an der Ampelanlage und bogen den Ausleger ein Stück zu Seite, damit das Schiff daran vorbeifahren konnte. Die Ampel wollte sich zunächst nicht gleich bewegen, aber das hat dann doch noch geklappt. An der Anlage gleich daneben, auf der B 6, war schon mehr zu tun: Da musste der Ausleger komplett zur Seite geschwenkt werden, um den Transport passieren zu lassen. Das alles war keine Hürde: Es dauerte keine halbe Stunde, da waren die Ampeln hin und hergebogen, der Transport hindurchgefahren und zügig Richtung Bernstadt weitergerollt.

...vom Rasthof Oberlausitz bis nach Tauchritz.
...vom Rasthof Oberlausitz bis nach Tauchritz. © Gabriel Wandt

Nur wenige Löbauer verfolgten das Schauspiel. Es war ja auch lediglich bekannt, dass das Schiff von seinem letzten Zwischenstopp auf dem Rastplatz Oberlausitz im Laufe der Nacht durch Löbau kommen sollte. Wer zufällig an der Kreuzung vorbeikam, blieb mit dem Auto dennoch kurz stehen und sah zu: Sei es, weil die Straße ganz einfach gesperrt war, sei es, um doch auszusteigen und den Vorgang zu verfolgen.

Knapp zwei Stunden hatte der Transport von seinem Start an der A4 über Bautzen-West, den Flugplatz sowie die nördliche B 178 gebraucht. Bis dahin war alles glatt gelaufen. Und auch der Rest der Nacht verlief komplikationslos, sagt Andreas Rinke von der Dresdner Firma Heinrich Schwertransport. Gegen 2.30 Uhr hat das Schiff seinen Standort erreicht. Bis es soweit war, wurde es aber in Bernstadt noch einmal spannend: Die Kurve auf dem Marktplatz war da noch das kleinere Problem, aber die Brücke vor dem Abzweig nach Altbernsdorf war schon knifflig. Zweimal musste der rund 50 Meter lange Transport ansetzen, um die Engstelle zu passieren, dann hat es geklappt. Für diese Manöver hatte der Transport sowohl ein Zug- als auch ein Schubfahrzeug, die das Rangieren und die Kurvenfahrten meistern. Zudem hat das Schiff unterwegs zweimal die Fahrtrichtung geändert, erzählt Rinke: Sonst wäre manche enge Kurve nicht zu meistern gewesen. Dies sei aber alles eingeplant gewesen. Rinke profitiert dabei von Erfahrungen beim Transport von Kondensatoren aus Görlitz. Und so sei der reibungslose Schiffstransport eindeutig dem eingespielten Team zu verdanken.

Das Boot liegt nun sozusagen im Trockendock. Dort wird der Eigentümer, der Bernstädter Bauingenieur Stefan Gläsel, das Oberdeck wieder anbauen lassen. Das musste für den Transport runter. Zudem ist laut Rinke geplant, das Schiff für sein neues Einsatzgebiet auf dem Berzdorfer See flottzumachen. Wann das Schiff vom Hafen in Tauchritz tatsächlich auslaufen darf, ist vorerst noch ungewiss: Dieses Jahr gibt es dafür keine Genehmigung, und geeignete Anlegestellen am Berzdorfer See fehlen ebenfalls noch.

Videos zum Transport gibt‘s bei Facebook