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Schlechter Ruf – gute Bildung

Nach öffentlicher Kritik präsentiert der Leiter der Löbauer Pestalozzi-Oberschule sein Haus – und ein neues Image.

© Matthias Weber

Von Markus van Appeldorn

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Löbau. Das größtmögliche Lob bekam Hans-Jürgen Gerk vor ein paar Monaten von Ortsfremden für seine Schule. Zum Tag der Sachsen hatte der Schulleiter der Löbauer Pestalozzi-Oberschule rund 700 Übernachtungsgäste in der Turnhalle – überwiegend Kinder. „Als die am Sonntag abgereist sind, haben ganz viele Kinder gesagt: ,Sie haben aber ein tolle Schule hier. So eine hätten wir auch gerne‘“, erinnert sich Hans-Jürgen Gerk. Und dieses Lob war Balsam für ihn. Denn in der öffentlichen Wahrnehmung Löbaus kommt die Pestalozzi-Oberschule nicht immer schmeichelhaft davon.

Aus der alten Turnhalle wurden eine vielseitige Aula und ein Speisesaal. © Matthias Weber
Hans-Jürgen Gerk ist seit 1990 Schulleiter der Pestalozzi-Schule in Löbau. © Matthias Weber

Jetzt in den Tagen der Anmeldung für die neuen Fünftklässler lud Hans-Jürgen Gerk die SZ zu einem Rundgang durch seine Schule ein. Dabei zeigte er ein Haus, das in seinen 120 Jahre alten denkmalgeschützten Mauern auf dem neuesten Stand digitaler Bildungstechnologie ist und seinen Schülern in allen Fächern eine Ausstattung bietet, die ihresgleichen sucht.

Auf dem Flur begrüßt er einen Schüler und seine Eltern. Die haben ihren Sohn soeben für das nächste Schuljahr angemeldet. „Ich freu mich auf Dich“, sagt der Schulleiter zu dem Jungen. Der lacht freundlich zurück und antwortet: „Ich mich auch.“ Hans-Jürgen Gerk weist auf eine Digital-Antenne an der Wand im Flur. „Wir haben an der ganzen Schule W-Lan“, sagt er und führt den Reporter in einen Klassenraum. Neben der Kreidetafel steht auch ein Flachbildfernseher. So einen hat neben einem W-Lan-Anschluss jedes Klassenzimmer. „Ab der achten Klasse dürfen Schüler in Absprache mit dem Fachlehrer ihre Smartphones als Recherchemittel nutzen“, erklärt Gerk die digitalen Bildungsansätze. Wie ein Gruß aus vergangener Zeit steht noch ein rund 70 Jahre alter hölzerner Kartenständer im Raum. „Da haben wir noch einige davon. Warum sollten wir die nicht nutzen, der funktioniert ja noch tadellos“, sagt der Schulleiter – auch wenn der TÜV Jahr für Jahr ein strengeres Auge auf solche Relikte werfe.

Im Kunstraum hängt eines der neuesten technischen Ausstattungsmerkmale der Pestalozzi-Oberschule – eine interaktive Tafel. „Die gibt’s längst noch nicht an jeder Schule. Wir haben mittlerweile sechs Stück“, sagt Schulleiter Gerk. Der Vorteil der rund 5000 Euro teuren Tafeln: Man kann sie einerseits nutzen wie einen überdimensionalen Computerbildschirm. „Der Lehrer lädt seine Unterrichtsvorbereitung einfach auf einen Stick und steckt den in den dazugehörigen Laptop“, sagt Gerk. Andererseits könne man die großen weißen Tafeln aber auch mit abwischbaren Stiften beschreiben und so nutzen wie eine herkömmliche Kreidetafel.

Der ganze digitale Stolz der Pestalozzi-Oberschule sind vier Computer-Kabinette, drei davon mit 16 Plätzen, einer gar mit 28 für eine ganze Klasse. An den Wänden eines der kleineren Kabinette hängen die Säulenheiligen der Digital-Geschichte. Computer-Erfinder Konrad Zuse etwa oder der Brite Alan Turing, der einst dem berühmten Enigma-Code knackte und damit entscheidend dazu beitrug, den Krieg gegen Hitler-Deutschland zu gewinnen. Ab der fünften Klasse steht das Fach Technik/Computer auf dem Stundenplan. Fachlehrer Mario Köhler gibt gerade ein Ganztagesangebot (GTA) „Fördern und Fordern Informatik“ – nur eines von über 20 GTA der Schule. „Letzte Woche haben wir hier den Landeswettbewerb der Informatik-Olympiade ausgetragen“, sagt Köhler. Urkunden an den Wänden zeugen von den Leistungen von Pestalozzi-Schülern in dieser Disziplin. Wie der Unterricht an Bildschirm-Arbeitsplätzen für die Schüler fächerübergreifend funktioniert, zeigt Schulleiter Gerk im großen Computer-Kabinett. Hier bekommt eine neunten Klasse gerade Ethik-Unterricht – mit einem hochaktuellen Unterrichtsthema: „Wie sich Lügen im Netz verbreiten“ steht auf den Bildschirmen. „Die Schüler werden sich nun unter Anleitung der Lehrerin an den Rechnern damit beschäftigen, wie das geht“, erklärt Schulleiter Hans-Jürgen Gerk.

Im Jahr 2010 bekam die Pestalozzi-Oberschule einen modernen Anbau und eine neue Turnhalle. Die alte Turnhalle wurde aber nicht abgerissen. „Hier habe ich 1980 angefangen, Sport zu unterrichten“, sagt Gerk und steht dabei mitten in der heutigen Aula mit Bühne, die außerdem noch als Speisesaal für Schüler fungiert. In der neuen Sporthalle ist sogar eine Kletterwand angebracht. „Das war ein bisschen mein Wunsch“, sagt Gerk, „dafür mussten wir anderswo einsparen. Um die 10000 Euro hat die gekostet. Daran können sich die Schüler optimal auf die Sporttage vorbereiten, die in jeder siebten Klasse stattfinden. Dann fahren alle Schüler des Jahrgangs zu einem Abenteuercamp ins Zittauer Gebirge zum Klettern und Kanufahren. Alternativ gibt’s jedes Jahr ein Skicamp am bayerischen Spitzingsee oder ein Aktivcamp am Rabenberg im Erzgebirge.

Als Sportlehrer bedauert Hans-Jürgen Gerk die von der Staatsregierung vorgesehene Reduzierung von Sport-Unterrichtsstunden, um dem Lehrermangel zu begegnen. „Die sportlichen Leistungen der Schüler sind in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen“, sagt er. Allerdings: Auch ihm fehlen im Kollegium vier Lehrer.