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Schlemmen wie zu Hause

Im einstigen Schlecker-Laden im Kurort Hartha wird jetzt Hausgemachtes gekocht.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Verena Schulenburg

Kurort Hartha. Lange blieb sie verschlossen. Nun steht sie endlich wieder offen, die Tür zu dem Haus auf der Talmühlenstraße 9a im Kurort Hartha. Yvonne Stutzriemer empfängt seit Kurzem in dem Tharandter Ortsteil Gäste. Und die meisten von ihnen bringen reichlich Hunger mit ins Schlemmerstübl.

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Ob gebrutzelte Schnitzel, klassische Nudeln mit Tomatensoße oder die Suppe des Tages auf dem Mittagstisch stehen, die 41-Jährige bekommt mit Hausgemachtem alle satt, die Punkt zwölf über die Türschwelle treten. Nicht nur das Mittagessen, das Stutzriemer jeden Tag frisch gemeinsam mit einer Kollegin zubereitet, sorgt für besetzte Stühle. Auch die selbst gebackenen Kuchen kommen gut an. „Beliebt ist vor allem der Kalte Hund“, erzählt sie. Eine Süßspeise aus Keks und reichlich Schokolade. Auch dies kommt frisch in die Theke des Schlemmerstübels.

Neben all den hungrigen Gästen, die Yvonne Stutzriemer von montags bis freitags beköstigt, bietet sie auch Catering und einen mobilen Essensservice an. Letzteren nutzen vor allem Firmen und ältere Leute gern, denen der Weg zum Imbiss zu weit sei. Sogar für eine kleine Ecke mit Lebensmitteln und Drogerieprodukten hat sie in dem etwa 125 Quadratmeter großen Geschäft Platz gefunden, à la Tante Emma. Auch wenn die gebürtige Freitalerin noch nicht allzu lange zum Schlemmen nach Kurort Hartha einlädt, laufe das Geschäft bereits gut. „Vielleicht liegt es daran, dass ich hier nicht ganz unbekannt bin“, erzählt die gelernte Bürokauffrau, die sich das Kochen abguckte und schließlich selbst beibrachte. Nachdem Yvonne Stutzriemer ihre Arbeit bei einem Possendorfer Essenanbieter beendete, schloss sie schon einmal die Tür zu genau diesem Haus auf der Talmühlenstraße auf, als Schlecker-Mitarbeiterin. Knapp drei Jahre arbeitete sie in den Räumen, bevor die Kündigung kam. „Die Insolvenz traf uns Angestellte damals hart“, erinnert sich Stutzriemer. Nie hätten sie damit gerechnet.

Eine Chance, weiterhin Geld zu verdienen, fand die junge Frau schräg gegenüber bei einem Bäcker, bevor sie schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Im Rabenauer Ortsteil Oelsa eröffnete die Freitalerin ihr Schlemmerstübel, musste dort aber zum Ende vorigen Jahres raus. Den Weg zurück nach Kurort Hartha fand sie per Zufall. „Einer meiner Kunden erzählte mir von dem Leerstand hier“, sagt sie. Da habe sie nicht lange gezögert. Es sei zwar zunächst ein merkwürdiges Gefühl gewesen, wieder in den alt bekannten Räumen zu sein, sie fühle sich hier aber sehr wohl. Freunde, die Menschen im Ort und ihre Kundschaft würden ihr dies ermöglichen. „Mich haben auch schon viele Leute angesprochen, die sich an mich erinnern konnten“, erzählt die 41-Jährige und hofft, dass ihr Konzept aufgeht.

Nachdem Schlecker 2012 aus Insolvenzgründen schloss und auch der anschließende Versuch des Harthe-Markt-Betreibers, in den Räumen einen kleinen Supermarkt zu führen, nach nur einem Jahr scheiterte, stand der Laden viele Jahr leer, bevor er nun mit dem Schlemmerstübl wieder Leben erfährt. Yvonne Stutzriemer hält ihr Schlemmerstübl im Kurort Hartha sogar zwei Stunden länger geöffnet als zuvor in Oelsa. Von 8 bis 17 Uhr steht sie jeden Tag in der Küche, hinter der Theke oder wuselt durch den Speiseraum. Nachdem sie zu zweit den ganzen Vormittag gekocht, gebacken und den Mittagsansturm hungriger Gäste überstanden haben, sei auch mal Zeit, um den eigenen Hunger zu stillen. „Die Arbeit macht Spaß. Aber abends spürt man es in den Knochen“, erzählt sie und lacht. Das Abendbrot bei der Familie daheim werde daher eher einfach gehalten. „Dann koche ich nichts mehr.“