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Schmeckt riesig

Der Franzose Julien Cotrelle arbeitet in Bannewitz als Mietkoch. Er fällt nicht nur durch seine Körpergröße auf.

© Andreas Weihs

Dorit Oehme

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Am 26. Mai weht ein Hauch von WM-Flair über den Rasen im Rudolf-Harbig-Stadion. Der Tag gehört den C-Jugend-Kickern und ihren Familien.

Zwölf Eigelb hat er am Anfang mit Zucker schaumig gerührt. Jetzt zieht Julien Cotrelle den Eischnee unter den fast fertigen Teig. Dabei dreht der 31-Jährige die Schüssel stückchenweise mit. „Den gehaltvollen Schokoladenkuchen habe ich schon als Kind gebacken. Gelernt habe ich es von meiner Tante, die Bäuerin war“, sagt Julien Cotrelle, der aus der nordfranzösischen Stadt Albért kommt. „Später gehörte der ‚Gâteau au chocolat‘, wie wir ihn nennen, zu jedem Freitag: Wenn ich aus der Schule kam, habe ich ihn mit meiner Mutter zubereitet. Inzwischen habe ich die Reihenfolge aber ein bisschen verändert. Ein Freund gab mir einen guten Tipp.“

Julien Cotrelle füllt die Backform. Dann richtet er sich auf und trägt sie zum Herd. Seine Größe fällt auf: Er ist 2,06 Meter. Unter dem Namen „Le géant“, zu Deutsch: der Riese, hat er sich im Januar 2015 selbstständig gemacht. Cotrelles Küche liegt im ländlichen Bannewitzer Ortsteil Rosentitz. Von hier aus bietet der Koch Catering mit französischen, belgischen und anderen Spezialitäten an. Private Gastgeber können ihn auch als Mietkoch buchen. „Früher konnten sich das meist nur Wohlhabende leisten. Heute ist das anders. Das Besondere ist: Die Gäste können dabei den Duft in ihrer Küche erleben. Sie können zuschauen, auf Wunsch mitmachen und ein bisschen dazulernen. Ich rede gerne mit ihnen“, sagt Julien Cotrelle.

Er reinigt die Arbeitsfläche. Dann püriert er Beeren für ein Coulis, eine Fruchtsoße, die er mit dem Schokokuchen als Dessert reichen wird. Für ein Catering liegen schon kleine goldgelbe Brötchen auf einem Blech. Julien Cotrelle holt einen traditionellen französischen Aufstrich aus dem Kühlschrank. „Es heißt Rillettes de porc. Das ist sehr lange im eigenen Saft gekochtes und gebackenes Schweinefleisch.“

Cotrelle hat nach dem Fachabitur in Amiens in der Nähe seiner Heimatstadt eine dreijährige Gastronomieausbildung zum Koch absolviert. „Kellnern und Management gehörten auch dazu.“ Für eine Hotelkette arbeitete er danach am Rand von Paris, bis es ihn mit 27 Jahren als Au-pair nach Bannewitz verschlug. „Hier habe ich zwei Jahre lang vier Kinder betreut und für die Familie gekocht. Nebenbei habe ich Deutsch gelernt, auch bei einer Privatlehrerin.“ Zu seinem neuen Wortschatz gehörten bald Küchenbegriffe. „Ich habe bei den Begegnungen aber auch eine zweite Familie und gute Freunde gewonnen.“

Wenn er im Urlaub in der Heimat ist, lassen sich seine Eltern, die drei älteren Brüder und die jüngere Schwester gern von ihm verwöhnen. Regionales fließt ein: Cotrelle stammt aus dem Gebiet der Picardie. „Meine Großeltern mütterlicherseits waren flämischer Herkunft. Deshalb mag ich auch diese Küche.“

Jetzt breitet sich das Aroma des Schokoladenkuchens verführerisch in Julien Cotrelles Küchenreich aus. „Le geant“ beugt sich zur Herdtür und zieht die Backformen heraus. Er schaut auf die Uhr. Er wird noch den ganzen Nachmittag für ein Catering in der Küche arbeiten. „Ich habe keine festen Menüs. Mein Angebot richtet sich nach der Nachfrage. Ich probiere gern auch mal etwas Neues, passend zur Saison und so oft wie möglich frisch.“ Seinen Kochkoffer aus der Ausbildungszeit und einige französische Zutaten nutzt Julien Cotrelle dazu. „In den Schokokuchen-Teig gebe ich ein wenig Zichorie. Die leicht bittere Note hebt das Süße etwas auf“, verrät er. Dann holt er die Fruchtsoße aus dem Kühlschrank und schneidet den lauwarmen Kuchen an.

„Le géant“ bietet seinen Service bis zu etwa 30 Kilometer rings um Bannewitz an. Kontakt: www.legeant-catering.de, 0174 6599049