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Schönes Zuhause auf Zeit

Familie Neumann schafft in Neusalza-Spremberg Feriendomizile im Umgebindehaus. Am Sonntag gibt es Einblicke.

© Matthias Weber

Von Gabriela Lachnit

Neusalza-Spremberg. Langweilig ist es Ulrike und Ulrich Neumann nicht. Beide stehen mit beiden Beinen und festem Stand als Landschaftsarchitektin und Betriebswirt in einem erfolgreichen Berufsleben. Zwei Kinder sowie Haus und Grundstück in Oppach benötigen viel Zeit. Und trotzdem nehmen sie es jetzt auf sich, in Neusalza-Spremberg ein Umgebindehaus aus- und umzubauen. „Seit einigen Jahren steht das Gebäude am Niedermarkt leer“, berichtet Ulrich Neumann. Der 45-Jährige ist gebürtiger Neusalza-Spremberger. Er kennt das Haus. Es gehörte berühmten Leuten aus Neusalza-Spremberg. Es ist das Geburts- und Sterbehaus des Neusalzaer Ehrenbürgers Traugott Leberecht Hünlich (1814 -1882). Durch Fleiß, Sparsamkeit und Weitsicht arbeitete sich Hünlich vom Kind einer einfachen Weberfamilie über einen Faktoristen empor und beschäftigte schließlich bis zu 60 Hausweber, betrieb einen gut gehenden Garnhandel und schuf die Voraussetzungen für die spätere Gründung der Aktiengesellschaft „Hünlich-AG“. Der Betrieb wurde 1953 verstaatlicht, hieß ab 1955 VEB Oberlausitzer Baumwollspinnerei Neusalza-Spremberg und wurde 1989 stillgelegt. Bis Ende 1995 wurden alle Gebäude abgerissen. Das Umgebindehaus, ein sogenanntes Doppelstubenhaus, überdauerte. Letzter Besitzer war der katholische Pfarrer Werner Dango, der das Gebäude der Kirche hinterließ. Von der erwarb es Familie Neumann.

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Mithilfe der Stiftung Umgebindehaus hat Familie Neumann das Alter des Gebäudes bestimmen lassen. „Das hat ergeben, dass es 1758 erbaut worden ist“, berichtet Ulrike Neumann. Die 43-Jährige ist wie ihr Mann der festen Überzeugung, dass ein Umgebindehaus nur durch Nutzung erhalten werden kann. „Leerstand zerstört das Gebäude“, sind sich beide einig. Etwa ein Jahr lang haben sie überlegt, ob sie das Haus kaufen sollten. Eine Nutzungsidee hatten sie schon länger: In dem Gebäude werden drei unterschiedlich große Ferienwohnungen entstehen. Eine davon für Familien mit mindestens drei Kindern.

Die Neumanns freuen sich auf den Um- und Ausbau des Umgebindehauses, auch wenn „das sicher ganz schön anstrengend wird“, weiß Frau Neumann. Auch die beiden Kinder sind schon sehr gespannt und haben den Eltern ihre Hilfe im Rahmen ihrer Möglichkeiten fest zugesagt. Die Eltern haben sie bereits beim Wort genommen, als es jetzt in Vorbereitung des Tages des offenen Umgebindehauses darum ging, das Gebäude an diesem Sonntag für Besucher zu öffnen. „Da war doch noch einiges aufzuräumen und zu kehren“, sagt Ulrike Neumann. Von 10 bis 16 Uhr erwarten Neumanns am Sonntag Gäste. „Bevor die Umbauarbeiten beginnen, ist das die Chance, das Haus in seinem aktuellen Zustand zu entdecken“, so Ulrich Neumann. Besucher können etwas zur Geschichte der ehemaligen Hausbewohner erfahren und einen Blick auf die Pläne für die Nutzung werfen. Bei schönem Wetter ist eine Runde durch den großen, naturnahen Garten mit seinen beiden Gartenhäuschen ein unerwartetes Erlebnis mitten in der Stadt.

Das ist los zum Tag des offenen Umgebindehauses

Berthelsdorf:

In der oberen Dorfstraße 10/12 öffnet das Schwenckfeldhaus. Es ist das weltweit einzige erhaltene Versammlungshaus der Schwenckfelder aus der Zeit vor 1730. Der Verein Schwenckfeldhaus Berthelsdorf hat es vor dem Verfall gerettet und stellt es der Öffentlichkeit vor.

Ebersbach:

Im Oberen Kirchweg 25 wird der Grünsteinhof vorgestellt, ein Umgebindehaus von 1780. Es gibt Hausführungen und Handwerkervorführungen sowie einen kleinen Trödelmarkt mit historischem Baumaterial. Bauernhoftiere sind zu sehen, es gibt Schafscheren, untermalt von Musik.

Eibau:

In der August-Bebel-Straße 1 wird ein typisch eingeschossiges Weberhaus aus der Zeit von 1760 seit Jahren zimmermannstechnisch instand gesetzt und modern ausgestattet. Das Gebäude kann erstmals besichtigt werden.

Großschönau:

In der Oberen Mühlwiese 6 kann ein Umgebindehaus von etwa 1720 mit Führung durch das Haus besichtigt werden. Dabei gibt es einen Erfahrungsaustausch zur Sanierung mit Informationen zu ökologischen Baustoffen, Heizleistung, Ziegelplatten, Fenster und Türen.

Neugersdorf:

In der Ernst-Thälman-Straße 38 und 42 findet an der Geschäftsstelle der Stiftung Umgebindehaus 10 Uhr die zentrale Eröffnung des Tages des offenen Umgebindehauses statt. Das Stammhaus von 1809 mit Art Déco Ausstattung sowie die Ausstellung zur Geschichte der Textil Firma C.G. Hoffmann können besucht werden. Außerdem wird die Oberlausitzer Umgebindehausstraße als Bestandteil der Deutschen Fachwerkstraße vorgestellt.

Neundorf bei Herrnhut:

Im Haus Viebig 7 gibt es Führungen durch das ökologisch sanierte Umgebindehaus aus der Zeit von 1750. Die Eigentümer stellen das Gebäude erstmals beim Tag des offenen Umgebindehauses vor.

Obercunnersdorf:

An der Aue 14 kann ein Umgebindehaus von 1780 besichtigt werden. Es wird derzeit saniert und ist erstmals öffentlich zugänglich.

Oppach, Ortsteil Eichen:

In der Straße der Freundschaft 26 ist ein seltenes Fachwerkhaus zu besichtigen. Es wurde vermutlich nach 1850 als Umgebindehaus geplant, aber bei der Bauausführung bekam es anstatt der Blockwand eine Ziegelwand. Bei der derzeit laufenden Sanierung wurde auf einen Rückbau verzichtet. So bleibt es als seltenes Beispiel der Übergangszeit vom Holz- zum Massivbau erhalten.

Insgesamt öffnen mehr als 100 Besitzer ihre Häuser am 27. Mai. Ein ausführliches Programm gibt es im Internet.

Infos unter www.stiftung-umgebindehaus.de

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Gerade das werde den Flair des Ferienhauses ausmachen, ist Familie Neumann überzeugt. Mitten in der Stadt schafft sie ein Zuhause auf Zeit und eine Oase der Ruhe und Erholung für Gäste aus aller Welt. Die können sogar mit der Bahn oder dem Fahrrad anreisen und vom Niedermarkt 5 aus das Oberland erkunden. Der Spreeradweg führt direkt am Haus vorbei. Neumanns streben mit den Ferienwohnungen eine hochwertige Klassifizierung an. Nicht nur, dass sie das Umgebindehaus in alter Pracht nach den Prämissen des Denkmalschutzes wieder erstehen lassen, sondern sie verbinden das mit modernem Komfort von heute. WLAN, Frühstücksservice und vor allem die Kooperation mit Gewerbetreibenden in Neusalza-Spremberg wie Bäcker, Fleischer, Friseur, Fahrradladen und anderen Unternehmen vor Ort sehen Ulrike und Ulrich Neumann als Garant dafür, dass Touristen ihr Geld in der Stadt ausgeben. „Wir wollen zeigen, dass wir auch modernen Tourismus können“, so die beiden Bauherren.

Den Bauantrag haben Neumanns bereits bei der Stadt abgegeben. Jetzt warten sie auf die Baugenehmigung. Bis zum nächsten Winter sollen der Dachstuhl und das Dach fertig sein. „Fantastisch wäre es, wenn im Sommer 2019 die ersten Gäste kommen könnten“, sagt Frau Neumann. Allerdings weiß sie auch, dass es derzeit schwierig ist, Handwerker mit freien Kapazitäten zu finden. Die Sanierung des Umgebindehauses gestaltet Familie Neumann übrigens sehr transparent: Über den Baufortschritt berichtet ein Bautagebuch, das jedermann im Internet einsehen kann.

www.marktquartier5.de

Öffnungszeit des Hauses Niedermarkt 5 in Neusalza-Spremberg zum Tag des offenen Umgebindehauses am 27. Mai von 10 bis 16 Uhr.