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Schreibend die Welt begreifen

Am Sonnabend wurden in Bautzen die Preise an die Gewinner des Literaturwettbewerbs „Arrive“ vergeben.

Anna Smolinski (l.) und Judith Katona (r.) gewannen beim Literaturwettbewerb „Arrive“ die Jury-Preise. Annika Zimmermann bekam den Publikumspreis. © Carmen Schumann

Bautzen. Wörter können sehr vieldeutig sein. Das Wort „Ankommen“ ist so eines. Für junge Menschen ist es sehr wichtig, bei Gleichaltrigen anzukommen. Ankommen bedeutet also angenommen werden. Doch Jugendliche machen sich auch Gedanken über das endgültige Ankommen, also den Tod. Die „Nächtliche Gedankenkrake“ veranlasste Judith Katona, einen Essay zu verfassen, der ebenso vielschichtig daherkommt, wie das Wort Ankommen.

Die Schülerin der zehnten Klasse des Bautzener Philipp-Melanchthon-Gymnasiums setzt sich auch mit dem Leben ihrer Vorfahren auseinander, die aus Ungarn nach Siebenbürgen gegangen waren und irgendwann in Deutschland „angekommen“ sind. 

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Anlass, sich mit ihren Wurzeln zu beschäftigen, sei ein Aufsatz gewesen, den die Gymnasiastin im Englisch-Unterricht schreiben sollte, worauf sie ihren Vater zu den Vorfahren befragte. Sich schreibend mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen, damit begann die Schülerin schon früh, nämlich in der zweiten Klasse.

 Inzwischen nahm sie auch schon zweimal am Poetry Slam in ihrer Schule teil. Dennoch war sie sehr überrascht, dass ihr die Jury des vom Verein „Lauter-Leise“ ausgelobten Literaturwettbewerbs einen der beiden Jury-Preise zuerkannte. „Ich konnte es gar nicht fassen, dass ich überhaupt zu den Nominierten gehörte, und nun das“, sagte sie am Sonnabend im Anschluss an die Auszeichnungsveranstaltung, die im Bautzener Steinhaus stattfand.

Lesungen und Workshops

Bis zu der Preisverleihung war es ein langer Weg gewesen. Von März bis September hatten sächsische Autoren in insgesamt sieben Schulen des Landkreises gelesen und waren mit den Schülern ins Gespräch gekommen: In Bautzen, Radibor, Hochkirch, Weißenberg und Schwepnitz. Im Juni und September fanden in der Bautzener Stadtbibliothek Schreibworkshops statt. Bis Ende Oktober konnten dann Schüler ihre eigenen Arbeiten einreichen.

Die Jury hatte die schwere Aufgabe, unter 20 Einsendungen die acht besten Arbeiten auszuwählen und die Preisträger zu küren. Ihr gehörten der Leipziger Schriftsteller Thomas Podhostnik, der Leiter der Lokalredaktion Bautzen der Sächsischen Zeitung, Ulli Schönbach, die ehemalige Leiterin der Bautzener Kinder- und Jugendbibliothek, Gabriele Bürger, sowie die Leiterin der Bautzener Stadtbibliothek Sabine Kempe an. 

Sehr persönlich gefärbte Geschichte

Die Juroren vergaben zwei Geldpreise in Höhe von je 200 Euro an Judith Katona und an Anna Smolinski. Letztere hatte eine ebenfalls sehr persönlich gefärbte Geschichte mit dem Titel „Brasilianischer Boden“ geschrieben, die bei der Jury sehr gut ankam. Anna Smolinski besucht die 9. Klasse des Schiller-Gymnasiums und begann auch schon sehr früh mit dem Schreiben. Erste literarische Versuche startete sie schon in der ersten Klasse, und in der sechsten Klasse schrieb sie ihre erste richtige Geschichte. 

Den dritten Geldpreis, der von der Firma Edding gestiftet wurde, heimste Annika M. Zimmermann ein. Mit ihrem Gedicht „Du“ und ihrem überzeugenden Auftreten konnte sie das Publikum für sich gewinnen. Von den eingegangenen 42 Stimmkarten entfielen 13 auf sie. Die Elftklässlerin des Schiller-Gymnasiums hatte bereits im Juni den Talentewettbewerb der Kreissparkasse in der Kategorie „Mund & Wort“ gewonnen.

Anna Kaleri vom Verein „Lauter-Leise“ ermutigte die Teilnehmer, weiter zu schreiben. Denn: „Schreibend die Welt begreifen, heißt, den Blick zu weiten.“