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Schulfenster stürzte auf 14-Jährigen

Der Vorfall geschah schon im März. Der Junge blieb unverletzt. Die Stadt hielt den Unfall geheim.

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Von Denni Klein

In der neunten Mittelschule am Elbepark ist ein Fenster auf einen Schüler gestürzt. Der 14-Jährige saß am 28. Februar dieses Jahres neben dem angekippten Fenster als sich eine Halterung löste und ihn am Kopf traf. Die Schulverwaltung hielt diesen Unfall bislang bewusst geheim. In einer Akte heißt es: „Weitergabe dieses Schriftsatzes an Dritte ist nicht gestattet.“

SPD-Fraktionschef Peter Lames hatte den Fall bei einer Akteneinsicht zum Zustand von Schulen zufällig entdeckt und anonymisiert bekannt gemacht. SZ-Recherchen führten an die 9. Mittelschule. In der Akte wird der Schulleiter Lothar Güttel zitiert, dass es ein Wunder sei, dass der Junge unverletzt blieb. Das Glas sei am Kopf des Kindes zersprungen. „Zum Glück hat das Glas nicht den Hals des Kindes zerschnitten“, sagte Lames. Er nannte das Geheimhalten untragbar.

Verordnete Geheimhaltung?

Die SZ konfrontierte Schulbürgermeister Winfried Lehmann (CDU) mit dem Fall. Er war am 3. März zur wegen Einsturzgefahr geschlossenen 39. Grundschule in Plauen nach weitern gefährlichen Fällen in anderen Schulen gefragt worden und hatte diesen Unfall nicht erwähnt. „Es ist überhaupt nicht mein Stil, Dinge unter dem Deckel zu halten. Geheimniskrämerei dazu wäre ja auch Schwachsinn. Ich stelle mich jeder Diskussion zum Zustand von Schulen“, sagte Lehmann. „So ein Geheimaktenvermerk ist unglücklich und unnötig“. Wer ihn gemacht habe, wisse er nicht. Da der Junge unverletzt geblieben sei, habe er als Bürgermeister erst nach Abschluss der Untersuchungen des Vorfalls durch die Unfallkasse vom Leiter des Schulverwaltungsamts, Falk Schmidtgen davon Kenntnis erhalten und habe im Stadtrat daher keine anderen Angaben machen können. Die Kasse habe nicht klären können, ob das Fenster bereits defekt war oder falsch angekippt worden sei.

Die Fenster seien überprüft und verschraubt worden, sagte der Bürgermeister. Die Unfallkasse habe den Austausch der Fenster gefordert. Dieser werde ab den Sommerferien erfolgen. Das kostet 500.000 Euro für über 100 Fenster. Probleme mit Fenstern habe es auch an anderen Schulen, unter anderem der Grundschule Johanna in der Johannstadt, gegeben. Derzeit würden die Fenster aller älteren städtischen Gebäude überprüft. Die SPD fordert unabhängige Gutachter für den Zustand der Schulen.