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Schwere Verluste am deutschen Aktienmarkt - Panik im Finanzsektor

Sorgen über die Situation der europäischen Finanzbranche haben den deutschen Aktienmarkt zum Wochenauftakt erneut auf Talfahrt geschickt.

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Frankfurt/Main - Gleich mehrere Banken in Europa müssen durch milliardenschwere Rettungsaktionen vor Zusammenbrüchen bewahrt werden, wodurch das viel diskutierte Rettungspaket der US-Regierung für den amerikanischen Finanzsektor in den Hintergrund rückte. Der Leitindex DAX verlor am Montag mehr als 250 Punkte oder 4,23 Prozent auf 5807,08 Zähler. Damit schloss er auf dem tiefsten Stand seit etwas mehr als zwei Jahren. Der MDAX büßte sogar über 460 Punkte oder 6,37 Prozent auf 6820,42 Zähler ein. Der TecDAX fiel um fast 50 Punkte oder 6,86 Prozent auf 675,48 Zähler.

Neben der Hypo Real Estate (HRE) benötigt auch der schwer angeschlagene belgisch-niederländische Finanzkonzern Fortis zum Überleben Hilfe von außen und wird teilweise verstaatlicht - das gleiche gilt für die britische Hypothekenbank Bradford &Bingley. „An der Börse hat sich Panik breitgemacht“, sagte Marktstratege Heino Ruland von FrankfurtFinanz Partner. Die Investoren bekämen es nun richtig mit der Angst zu tun, nachdem sich in der vergangenen Woche noch vereinzelt Zuversicht gezeigt habe.

Die HRE-Aktien brachen um 73,91 Prozent auf 3,52 Euro ein. Um den Kollaps des Immobilien- und Staatsfinanzierers zu verhindern, musste dieser von einem Bankenkonsortium finanziell aufgefangen werden. Außerdem erklärte sich die Bundesregierung bereit, das Engagement der Banken mit einer Staatsgarantie abzusichern. Vorausgegangen waren Spekulationen über einen Zusammenbruch wegen massiver Liquiditätsprobleme. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sprach von einer „geordneten Abwicklung“ des Instituts als Unternehmen und wies zugleich Forderungen nach einer Verstaatlichung entschieden zurück. Zudem gab es inzwischen personelle Konsequenzen: Vorstandsmitglied Bo Heide-Ottosen legte seine Mandate mit sofortiger Wirkung nieder und auch der Chef der Tochter DEPFA, Paul Leatherdale, trat zurück.

Bankenwerte regelrecht ausverkauft

Andere Bankenwerte wurden ebenfalls regelrecht ausverkauft: Die Commerzbank-Titel rutschten im Sog der Negativschlagzeilen um 24,01 Prozent auf 10,950 Euro ab. Die Postbank-Titel büßten 23,88 Prozent auf 26,94 Euro ein. Die im MDAX notierten Titel der Aareal Bank brachen um 42,53 Prozent auf 7,27 Euro ein. „Niemand schenkt den Aussagen einer Bank derzeit Glauben - hier wird die ganze Branche gnadenlos abgestraft“, sagte ein Händler.

Die Aktien von Arcandor verloren nach einer Berg- und Talfahrt vergleichsweise moderate 2,09 Prozent auf 1,87 Euro. Die am Morgen bekanntgegebene Kapitalerhöhung und das Festhalten an der Tochter Thomas Cook wurden am Markt überwiegend positiv gesehen, zumal im Tagesverlauf bekannt gegeben wurde, dass die Privatbank Sal. Oppenheim die 23 Millionen neuen Aktien gezeichnet hat. An der DAX- Spitze gewannen hingegen die VW-Titel 7,30 Prozent auf 276,62 Euro.Die Lage an den europäischen Börsen sah kaum besser als in Deutschland aus. Der EuroSTOXX 50 büßte 4,69 Prozent auf 3008,19 Punkte ein. In Paris und London wurden ebenfalls kräftige Verluste verzeichnet. Sehr schwach zeigten sich zum europäischen Handelsschluss auch die Börsen in den USA: Der Leitindex Dow Jones gab um mehr als zwei Prozent nach und der NASDAQ Composite verlor mehr als 4 Prozent.

Am Rentenmarkt sank die durchschnittliche Umlaufrendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 4,08 (Freitag: 4,24) Prozent. Der Rentenindex REX stieg unterdessen um 1,19 Prozent auf 117,97 Punkte. Der Bund Future gewann 1,55 Prozent auf 115,49 Zähler. Der Kurs des Euro fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,4349 (Freitag: 1,4640) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,6969 (0,6831) Euro. (dpa)