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Freital

Seit 50 Jahren keine ruhige Kugel

Die Tharandter bauten sich ihre Kegelbahn selbst – und ließen sie sich auch vom Hochwasser nicht nehmen.

Der Kegelverein Tharandt feiert am Wochenende den 50. Jahrestag der Einweihung seiner Kegelbahn. Mit dabei ist der Vorstand des Vereins (von links): Vorsitzender Heinz Wagner, Vize Michael Gläser und Kassenwart Regina Keil sowie Daniel Ulbricht, einer der
Der Kegelverein Tharandt feiert am Wochenende den 50. Jahrestag der Einweihung seiner Kegelbahn. Mit dabei ist der Vorstand des Vereins (von links): Vorsitzender Heinz Wagner, Vize Michael Gläser und Kassenwart Regina Keil sowie Daniel Ulbricht, einer der © Karl-Ludwig Oberthür

Daniel Ulbrich federt kurz in den Knien und fixiert sein Ziel mit den Augen. Dann beugt er seinen Oberkörper nach vorn, läuft drei Schritte und schiebt die Kugel über die neunzehn Meter lange blaue Kunststoffbahn. Sekunden später knallt sie rechts neben der Mitte gegen einen der weißen Kegel, der nach links schleudert, aber nur einen weiteren Kegel zu Fall bringt. Ulbrich verzieht das Gesicht.

„Diese Zwei, die liebe ich“, kommentiert Regina Keil schmunzelnd das Pech ihres Vereinskollegen. Ja, ganz so einfach wie es aussieht, ist die Kegelei nicht. Für „Alle Neune“ braucht es viel Übung, aber auch ein Quäntchen Glück. Am Können mangelt es Ulbrich wahrlich nicht. Der 43-Jährige kegelt seit siebzehn Jahren aktiv im Tharandter Kegelverein und kämpft mit seiner Mannschaft derzeit in der Kreismeisterliga um Punkte. Am Sonnabend ist der erste Spieltag der neuen Saison, da spielt Tharandt gegen Lohmen – zu Hause, auf der heimischen Bahn im Badetal.

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Da will Daniel Ulbrich zeigen, was er kann. Immerhin rechnet der Verein, der um die 50 Mitglieder hat, an diesem Tag mit deutlich mehr Zuschauern als sonst: Die Tharandter feiern am Wochenende den 50. Geburtstag ihrer Kegelbahn. Wer will, kann selbst probieren, wie es ist, „eine ruhige Kugel“ im Sinne des Wortes zu schieben. Für die Besten, sagt Vereinsvorsitzender Heinz Wagner, soll es einen Pokal geben. Die Aktiven kämpfen zudem am Sonntag mit drei geladenen Mannschaften um den Pokal des Bürgermeisters.

Wagner, der 1969 nach Tharandt kam und ein paar Jahre später mit dem Kegeln begann, hält seit 1992 die Fäden der Kegler in der Hand. Erst in der Abteilung Kegeln im Tharandter Sportverein, dann im eigenen Kegelverein, der sich 2003 gründete, als die Bahn nach der verheerenden Flut der Wilden Weißeritz im Sommer 2002 zum zweiten Mal eröffnet wurde.

Die erste Einweihung und Abnahme als Wettkampfbahn war am 5. Juli 1969. In nur elf Monaten hatten sich die Kegler gegenüber der Kuppelhalle auf einem städtischen Grundstück als Ersatz für die baufälligen Bahnen im Schützenhaus und im Burgkeller eine neue Kegelbahn gebaut, mit einer zu jener Zeit hochmodernen automatischen Zweibahnenanlage, einer Außenbahn sowie Umkleide- und Duschräumen für die Fußballer im Keller. Damals hatte Tharandt noch einen Sportplatz.

1969 eröffnet, 2002 im Hochwasser untergegangen und danach aufwendig saniert: Die Tharandter Kegelbahn gegenüber der Kuppelhalle.
1969 eröffnet, 2002 im Hochwasser untergegangen und danach aufwendig saniert: Die Tharandter Kegelbahn gegenüber der Kuppelhalle. © Karl-Ludwig Oberthür

Die Chronik weiß von 19 500 Aufbaustunden, die 32 Sportfreunde leisteten, darunter waren zwölf, die es jeweils auf mehr als 500 brachten. Nur zwei davon leben noch, Heinz Seebeck und Horst Thomas, beide sind zum Jubiläum eingeladen. Die Kosten von 125 000 Mark übernahm die Stadt, die noch heute Eigentümerin der Kegelbahn ist. Der Name allerdings hat sich geändert: Aus dem propagandistischem „20. Jahrestag der DDR“ ist ein heimatverbundenes „Weißeritztal“ geworden.

Die Tharandter waren fleißige Kegler, weiß Heinz Wagner. 1972 zählte die Sektion Kegeln 131 Mitglieder, die in mehreren Mannschaften sogar auf Bezirksebene Erfolge verbuchten. Ganze Familien, wie die Militzers mit ihren vier Söhnen, verhalfen dem Kegelsport in Tharandt zu einem Namen. Aber auch viele Freizeitsportler und Gästegruppen nutzten die Anlage gern, die allerdings so langsam in die Jahre kam.

„Wir mussten dringend etwas tun“, erinnert sich Heinz Wagner an die Wendezeit. Und sie taten etwas. Aktive Kegler organisierten eine abgebaute Kegelaufstellanlage von Stahl Freital, die Stadt ließ die Heizung erneuern, 1992 schließlich übernahmen die Sportler die Verwaltung der Sportstätte, die bisher in der Stadtverwaltung erfolgte, in die eigenen Hände. 1995 startete der Punkspielbetrieb wieder, der zwischenzeitlich mangels Aktiver gänzlich zum Erliegen gekommen war.

Im August 2002, als die Weißeritz über die Ufer trat, schien das Ende der Kegelbahn gekommen. „Wir hatten einen Totalschaden“, sagt Wagner. „Außer den Paneelen an der Decke konnten wir nichts retten.“ Aber die Tharandter Kegler ließen sich nicht unterkriegen. Der Wiederaufbau, für den sie 4500 freiwillige Stunden leisteten, dauerte genauso lange wie der Neubau 1968/69 und kostete ähnlich viel – diesmal allerdings in Euro, finanziert vor allem durch Spenden.

So kommt es, dass die Kegelbahn, die auch eine moderne Küche hat, im besten Zustand ihren fünfzigsten Geburtstag feiern kann. Noch immer wird sie rege genutzt, wie von Regina Keil, die im Verein die Finanzen verwaltet und schon seit 1969 kegelt. Kegeln sei noch immer beliebt, sagt Heinz Wagner, allerdings mehr als Freizeitvergnügen denn als Wettkampfsport. „Es fehlt einfach an Nachwuchs“, sagt er. Vielleicht kommen manche am Wochenende auf den Geschmack, wenn die Tharandter Mannschaft mit einem kräftigen „Gut Holz!“ gegen Lohmen antritt.

50 Jahre Kegelbahn Tharandt, 24. August, 11 Uhr, Punktspiel; ab 14 Uhr Kegeln für jedermann, 25. August, 10 Uhr, Wettkampf; für das leibliche Wohl wird gesorgt.

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