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Seltenes Geschenk fürs Museum

Ein Sammler hat der Stadt einen 260 Jahre alten Postschein überlassen. Auch andere Objekte sind interessant.

© André Braun

Von Jens Hoyer

Döbeln. Das 260 Jahre alte vergilbte Papier ist für das Döbelner Stadtmuseum so etwas wie ein Fünfer im Lotto. Ein Rudolf Richter vom „Churfürstlich Sächsischen Post-Amt“ in Döbeln quittiert den Empfang von 221 Talern zwecks Weiterleitung an einen unbekannten Empfänger. Es war eine stattliche Summe, die am 15. Januar 1759 wahrscheinlich per Postkutsche auf Reisen nach Meißen ging. Schon der Umstand, dass eine Postquittung fast 260 Jahre erhalten bliebt, ist ein ungeheurer Glücksfall. Noch mehr, dass dieses historisch wertvolle Stück Papier den Weg zurück nach Döbeln gefunden hat.

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Diese gut erhaltene Medaille von einem Turnfest und ein Anstecker vom Grenadiertag 1909 sind in den Bestand des Museums aufgenommen worden.
Diese gut erhaltene Medaille von einem Turnfest und ein Anstecker vom Grenadiertag 1909 sind in den Bestand des Museums aufgenommen worden. © André Braun
Die beiden Druckplatten mit einer Ansicht des Rathauses und dem Stadtwappen wurden bis 1990 für Werbezwecke genutzt.
Die beiden Druckplatten mit einer Ansicht des Rathauses und dem Stadtwappen wurden bis 1990 für Werbezwecke genutzt. © André Braun

„Ein Sammler aus Nordrhein-Westfalen hat uns das Objekt angeboten“, sagte Kathrin Fuchs vom Stadtmuseum. Er hatte es aus einem Nachlass in einem ganzen Konvolut ähnlicher Objekte der Postgeschichte übernommen – und es passte nicht in seine Sammlung. Deshalb hat er es dem Museum kostenlos überlassen. „Wir haben uns schon bedankt und ihn nach Döbeln eingeladen“, sagte Kathrin Fuchs.

Der Posteinlieferungsschein ist fast perfekt erhalten. Und er soll es auch bleiben. „Der Schein wird in unsere Datenbank aufgenommen. Und weil er aus Papier ist, verschwindet er danach im Dunklen“, sagte Kathrin Fuchs. Vieles ist über ihn nicht bekannt. Etwa, wer Rudolf Richter war und wo sich die Post-Niederlassung in Döbeln damals befand. „Es gibt keine Adressbücher aus dieser Zeit“, sagte Kathrin Fuchs. Mit etwas Recherche ließe sich dazu aber vielleicht noch etwas herausbekommen. Ein Problem war allerdings schon, die handschriftlichen Notizen auf dem Zettel zu entziffern. „Dabei hat uns Ute Wiesner vom Stadtarchiv geholfen.“

Schenkungen erreichen das Museum immer wieder. Und sie werden auch dann gern genommen, wenn es sich um weniger seltene Objekte handelt. Eine Familie aus Mochau hatte dem Museum ein ganzes Konvolut an Medaillen und Ansteckern aus einem Nachlass angeboten. Sie spiegeln das rege Vereins- und Wirtschaftsleben in der Zeit vor mehr als 100 Jahren wider. Das älteste Objekt ist eine Medaille zur 6. Gewerbeausstellung in Döbeln im Jahr 1877. Andere wurde zum Turngaufest 1909 und zum Mitteldeutschen Bundesschießen in Döbeln im Jahr 1905 herausgegeben. „Das ist eine sehr schöne Schenkung, weil man mehrere Stadtgeschichten in einem Karton findet“, sagte Kathrin Fuchs. „Ich kann mir vorstellen, dass das eine oder andere Objekt in der Dauerausstellung erscheint.“ In den nächsten Jahren sei die Überarbeitung der Ausstellung zur sogenannten Gründerzeit in Döbeln geplant, sagte Kathrin Fuchs.

Das Museum hat rund 3600 Objekte in seinem Besitz. Ein großer Teil davon ist inventarisiert, andere Objekte noch nicht. Was im Depot im Rathaus landet, ist sicher davor, irgendwann in alle Winde zerstreut oder gar entsorgt zu werden, sagte Kathrin Fuchs. Es müssen nicht unbedingt uralte Stücke sein, die die Geschichte widerspiegel. Eine ehemalige Mitarbeiterin der HO-Werbeabteilung hat dem Museum Druckplatten mit historischen Stadtansichten überlassen. Mit ihnen wurden Briefköpfe und Anzeigen gedruckt. Als die Abteilung 1990 aufgelöst wurde, nahm die Mitarbeiterin die Objekte mit und rettete sie vor der Vernichtung.

Auch ganz große Objekte werden dem Museum angeboten, wie ein Klavier aus der Döbelner Pianofortefabrik F. W. Müller. Die existierte seit 1845 fast 100 Jahre lang an der Schillerstraße und ist heute noch vielen bekannt, weil der Schriftzug immer noch an der Fassade des Hauses zu lesen ist. Das Piano funktioniert und muss nur gestimmt werden. Es soll das Klavier ersetzen, das in der Kleinen Galerie steht und bei Veranstaltungen verwendet wird. „Ich denke, dass das Klavier aus den 1920er und 1930er Jahren stammt. So ein Exponat haben wir noch nicht“, sagte Kathrin Fuchs.

Auch Spielzeug kann Zeitgeschichte dokumentieren. Dazu gehören zwei Teddys aus Familienbesitz, die vielleicht in Notjahren für Kinder gebastelt wurden. „Sie sind sehr laienhaft aus einfachem Jutestoff zusammengenäht worden“, sagte Kathrin Fuchs. „Wir haben eine kleine Sammlung von Spielzeug nur von Döbelner Familien. Auch das Soziale gehört zur Geschichte.“