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Seniorenteller sind Standard

Während Gaststätten viel für ältere Kunden tun, laufen sie in normalen Läden meist ohne gesonderte Behandlung mit.

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© Anne Hübschmann

Von Susanne Plecher

Zabeltitz. Gleiches Prinzip für alle – das gilt in vielen Geschäften und Gaststätten. Wer sich speziell auf ältere Kundschaft einstellt, etwa indem er behindertengerechte Zugänge schafft oder kleinere Portionen anbietet, gestaltet sein Angebot auch für andere Bevölkerungsschichten attraktiver. Schließlich gibt es junge Rollstuhlfahrer, und nicht jeder unter 60-Jährige vertilgt eine XXL-Portion. Es gibt genügend Singles, die aus gegebenem Anlass eher zur kleinen Abpackung greifen.

„Wir haben sehr viele ältere Kunden, aber wir führen kein speziell auf sie abgestimmtes Sortiment“, bestätigt Ines Pohl. Die Chefin des Zabeltitzer Edeka-Einkaufsmarktes kennt viele von ihnen mit Namen. „Wir sind persönlich vor Ort und helfen bei Fragen jedem weiter“, sagt sie. Traditionell zubereitete Fertigspeisen wie Linsensuppe oder Flecke oder Artikel aus dem Centbereich kaufen auch jüngere Kunden gern. Die Rampe, die rechts vom Treppenaufgang in den Laden führt, wird von allen genutzt. Über sie rumpeln nicht nur die Einkaufswagen, sondern Rollatoren und Rollstühle. Was für Ältere gut ist, schadet den Jüngeren nicht.

Wer indes spezielle Angebote für Senioren bereithält, steigt in ihrer Gunst. John Scheller zum Beispiel. Er hat 2012 seinen Markt der Generationen auf dem Kupferberg eröffnet und hat stetig steigende Kundenzahlen. Die Regalreihen sind extra breit, es gibt Buzzer, um Personal herbeizurufen und einen behindertengerechten Einkaufswagen. Die bereitgestellten Lupen nutzen nicht nur alte Leute zum Entziffern der winzigen Produktbeschreibungen, sondern auch Jüngere. In den Regalen stehen verschiedene Verpackungsgrößen.

Sowohl Familien als auch Singles finden die richtige Menge. „In unserer Schnippelküche werden frische Salate ohne Konservierungsstoffe zubereitet. Wer alleine ist, scheut den Aufwand ja meist“, so Scheller.

Besonders im Gaststättengewerbe sind bauliche Anpassungen an die Einschränkungen gehbehinderter Personen wichtig. So gibt es im beliebten Café Faust auf der Meißner Straße einen Lift zum WC, im Ausflugslokal Kupferberg sind Gastraum, Toiletten und die Austritte in den Biergarten ebenerdig angeordnet. Auf Anfrage wird dort jede Speise als Seniorenportion ausgereicht. „Wir haben viele goldene oder diamantene Hochzeiten“, sagt Andrea Bautz. 90. Geburtstage würden dort häufig gefeiert,  einmal  ist  sogar auch ein 100. dabei gewesen. Auch in der Osteria „Veccie Mura“ sind Seniorenteller selbstverständlich. „Respekt muss immer dabei sein“, sagt Ricci Medicci. Generell sind die Großenhainer und die Menschen aus dem direkten Umland nur mittelmäßig zufrieden mit ihren Gaststätten und Einkaufsmöglichkeiten.

In der großen SZ-Umfrage „Was geht, Alter?!“ attestierten sie ihnen eine 2,33 bzw. 2,5 auf der Zufriedenheitsskala. Durchschnittlich wird im SZ-Verbreitungsgebiet eine 2,1 erreicht.