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„Sie hat ihr Ding durchgezogen“

Robin Szolkowy kann sich über das Gold für seine Ex-Partnerin freuen – und über einiges ärgern.

© dpa

Katarina Witt kommen vor Freude die Tränen, und auch Robin Szolkowy gratuliert Aljona Savchenko herzlich. Dabei ist es für ihren früheren Eiskunstlauf-Partner kein guter Tag in Südkorea. Als Trainer der russischen Mitfavoriten steht er ohne Medaille da. Dennoch findet der 38-Jährige ein paar Stunden später große Worte.

Nur keine Socken

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Herr Szolkowy, Ihre Ex holt Gold – und Sie mit ihrem russischen Duo Blech. Wie groß ist die Enttäuschung?

Sehr groß. Wenn man vor der Kür auf Platz zwei liegt, knapp am ersten dran ist und dann auf den vierten abrutscht – das will keiner erleben. Für Sportler ist das sehr schlimm. Das Problem ist, dass Winterspiele nur alle vier Jahre sind. Man muss die Chance nutzen, wenn sie sich bietet.

War Ihr Paar nach der Weltrekord-Kür der Deutschen vielleicht zu nervös?

Es ist nicht einfach, als Letzte in die Kür zu gehen, nachdem Aljona Savchenko und Bruno Massot super vorgelegt und verdient so viele Punkte bekommen haben. Da ist es unwahrscheinlich schwierig, die Nerven zu behalten und abzuliefern.

Was empfinden Sie für Ihre frühere Partnerin?

Ich freue mich, dass Aljona Olympiasiegerin geworden ist, genauso für Bruno. Sie hat vieles auf sich genommen, hat unwahrscheinlich viel einstecken müssen, auf dem Weg, sich ihre Träume zu erfüllen. Am Ende wurde sie dafür belohnt. Es schließt sich der Kreis. Sie kommt aus einer sportlichen Familie, ist als Jugendliche ohne Sprachkenntnisse nach Deutschland gekommen. Dann waren wir lange sehr erfolgreich.

Aber nie zusammen Olympiasieger.

Ja, leider. Als sie den Partner gewechselt hat, wurde sie dafür von vielen belächelt. Sie hat ihr Ding durchgezogen, das muss man hoch anerkennen, vor dieser Beharrlichkeit den Hut ziehen. In der Kür waren sie definitiv die Besten. Alle wurden fair bewertet. Die anderen Paare haben das Nervenflattern bekommen, Fehler eingebaut.

Kam dennoch etwas Wehmut auf?

Nein, ich habe meinen Frieden damit gefunden und gemerkt, dass wir für Zuschauer und Fans auch ohne Gold sehr wertvoll waren. Das bekommt man aber erst so richtig mit, wenn man mit Leistungssport aufhört und sich der realen Welt öffnet.

Wie erleben Sie Ihre ersten Spiele als Trainer?

Das olympische Gefühl ist genauso schön. Aber als Trainer bist du irgendwann machtlos. In der Kür sind mir viele Gedanken durch den Kopf gegangen. Ich habe gemerkt, dass die beiden nervös sind. Ich hätte gewusst, wie ich auf dem Eis in so einer Situation reagiere.

Ist die Aufregung als Sportler oder als Trainer größer?

Als Läufer war ich nicht so nervös. Ich stand 30 Jahre auf dem Eis. Man gewöhnt sich daran, dass man abliefern muss, wenn die Musik losgeht. Als Trainer bin ich erst in meinem vierten Jahr, habe quasi gerade erst meine Lehre abgeschlossen und muss noch dazulernen. Ich bin ja auch nicht im Nachwuchsbereich, sondern gleich auf olympischem Niveau eingestiegen.

Das Gespräch führte Michaela Widder.