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Siliziumforschung mit Kratzern im Glanz

In Forschungsprojekten der Dresdner Mikroelektronik ist Qimonda dabei. Dort stellt sich dieZukunftsfrage.

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Von Stephan Schön

Es gibt zwar viele Institute in Dresden, die sich mit Mikroelektronik beschäftigen, aber nur ganz wenige, die wirklich den Fokus darauf haben. Peter Kücher leitet ein solches Institut. Seine Forschungseinrichtung für Nanoelektronik (CNT) soll die Grundlagen für die künftigen Chips schaffen.

Es ist eine von drei Einrichtungen, die erst in den letzten Jahren gegründet wurden, um die Elektronik der Zukunft im Blick zu haben. Diese Forschung ist wie eine Lebensversicherung für Dresden als Chipstandort. Viel zu spät wurde sie abgeschlossen.

Das von der Fraunhofer-Gesellschaft gegründete CNT sollte Dresden nach vorn bringen. Neben dem amerikanischen Chiphersteller AMD in Dresden ist Qimonda die zweite Säule dieser Forschungseinrichtung. Fällt die weg, bekommt das Zentrum für Nanoelektronik ein riesiges Problem. Es nutzt nämlich für seine Forschung die Reinräume des angeschlagenen Chipherstellers Qimonda. „Dann müssen wir überlegen, was technisch machbar ist“, sagt Institutschef Kücher dazu und meint wohl den Umzug oder den Ausbau der Labors mit eigener Technik. „Wir müssen dann sehen, was von den Kosten her machbar ist“, setzt er hinzu. Was wohl heißt, ob solch ein Umzug überhaupt bezahlbar wäre.

In das CNT, die Nanoelektronikschmiede Dresdens, haben Bund und Land 80 Millionen Euro investiert. Für 170Millionen Euro wollten Qimonda (damals noch Infineon) und AMD forschen. Die Verträge dazu gehen bis 2011.

Falle nun einer der beiden Partner aus, so bedeute das ja nicht zwangsläufig das Ende der Forschungseinrichtung, sagt Kücher. Der Vertrag zum Zentrum für Nanoelektronik allerdings sagt da etwas anderes. „Bei einer möglichen Insolvenz von Qimonda endet rein rechtlich gesehen der bisherige Kooperationsvertrag“, erklärt Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. In dem Fall wolle die Fraunhofer-Gesellschaft aber mit dem verbleibenden Partner AMD Gespräche führen, sagt Bullinger. Ziel sei es, das Forschungszentrum zu erhalten.

Inwieweit damit aber die besten Forscher gehalten werden könnten, und ob nicht Qimonda im Falle einer Insolvenz seine Spitzenforscher generell aus Dresden abziehen würde, ist derzeit unklar.

Projekte bereits gestoppt

Gewissheit indes sind bereits Probleme im Namlab, dem gemeinsamen Unternehmen von Qimonda und der TU Dresden. „Eine Reihe von Projekten steht derzeit in Wartestellung“, sagt TU-Kanzler Wolf-Eckhard Wormser. „Wir mussten jetzt die Ausbauplanungen stoppen. Und eigentlich wollten wir weiteres Personal einstellen.“ Die TU Dresden allein könnte das Namlab nicht am Leben halten. „Wenn Qimonda ausfällt, hat das ernsthafte Konsequenzen für Namlab.“ Dann fehlen mindestens acht Millionen Euro in der Kasse, so viel war für die Projekte dort vorgesehen, teilte Qimonda mit.

Am Maskenentwicklungszentrum AMTC, das ebenfalls die Voraussetzungen für künftige Chipgenerationen schafft, ist Qimonda zu einem Drittel beteiligt. Auch hier könnte die gesamte Finanzierung aus den Fugen geraten. Was das für die 150 Forscher dort bedeutet, dazu schweigt das Unternehmen – kein gutes Zeichen.