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Sind die Bomber nicht zu fassen?

Seit Januar haben Unbekannte zwölf Automaten und zwei Blitzer gesprengt. Ein Fluchtwagen soll gefunden worden sein.

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© Dietmar Thomas

Von Tina Soltysiak

Lang war es ruhig, doch am Wochenende haben die Automatensprenger wieder zugeschlagen: In Westewitz flog ein Zigarettenautomat in die Luft. „Es sind mehrere Tausend Euro Schaden entstanden“, sagte Daniela Koenig, Sprecherin der Polizeidirektion Chemnitz, am Montag auf DA-Nachfrage. Eine Anwohnerin hatte am Sonntagmorgen einen lauten Knall gehört, verdächtige Personen beobachtet und die Polizei verständigt.

Werner Wittig wohnt etwa 30 Meter entfernt. Hat ab und zu Zigaretten dort gekauft. „Gehört habe ich nichts in der Nacht. Gegen 3.50 Uhr soll es passiert sein. Heute Mittag war die Polizei noch mal da und hat die Nachbarn befragt. Meine Frau auch“, erzählte der 69-Jährige. Der Automat ist komplett zerstört. „Er war erst voriges Jahr erneuert worden“, so Wittig. Betrieben habe ihn die Firma Wolf Tabakwaren mit Stammsitz im fränkischen Gerolzhofen. „Wir äußern uns zu den Vorfällen nicht“, sagte Diana Langenhan, die in der sächsischen Niederlassung in Klipphausen arbeitet.

Serie begann am 11. Januar

Beim Eintreffen der Beamten in Westewitz waren das Geldfach leer und der Großteil der Zigarettenschachteln verschwunden. Es ist ein Anblick, der sich seit Jahresbeginn im Altkreis häuft. Es ist der elfte Zigarettenautomat, der von bislang unbekannten Personen in die Luft gejagt worden ist. Angefangen hat die vermutliche Serie in der Nacht des 11. Januars in Dobernitz bei Leisnig. Eine Zeugin sah laut Polizei noch, wie sich zwei Personen vom Tatort entfernten. Reichlich 24 Stunden später gelang der nächste Coup an der Badischen Straße in Döbeln und an der Kirchstraße in Roßwein. An beiden Orten war nach einem lauten Knall ein dunkler Audi gesehen worden. Ein 25 Jahre alter schwarzer Audi 80 war am 11. Januar an der Grimmaischen Straße in Döbeln gestohlen worden. Deshalb hatte die Polizei geprüft, ob zwischen den Taten – Autoklau und Automatensprengung – ein Zusammenhang besteht.

Wie der DA aus zuverlässiger Quelle erfahren hat, soll dieses Fahrzeug mittlerweile gefunden worden sein. Es sei von Mitarbeitern des Landeskriminalamtes untersucht worden. Ein Spürhund habe dabei auf Sprengstoffrückstände beziehungsweise -geruch angeschlagen. Ob dieser Sachverhalt zutrifft, wann der Wagen wo gefunden wurde und wie die Polizisten auf seine Spur gekommen sind, dazu will sich die Pressestelle der Polizei nicht äußern: „Zu den gesprengten Automaten in Döbeln kann ich aufgrund der andauernden Ermittlungen keine näheren Angaben machen“, teilte Sprecher Rafael Scholz auf Anfrage mit. Nur so viel: „Mögliche Zusammenhänge zwischen den Taten werden im Rahmen derer geprüft“, ergänzte er.

Drei Sprengungen an einem Tag

Insgesamt dreimal hatten Unbekannte am Dienstag, 12. Januar, zugeschlagen: nach Döbeln und Roßwein auch noch auf dem Markt in Leisnig. Angebracht war er an den Geschäften Eiscafé am Markt und der Filiale der Bäckerei Liebsch. An diesen entstand kein nennenswerter Schaden. Lediglich eine Dachrinne war aufgrund der Detonation beschädigt worden. Auf welche Art und Weise der Zigarettenautomat in Leisnig gesprengt worden ist – Gas, Böller oder mit einem selbstgebauten Sprengsatz – ist derzeit nicht bekannt. Die Polizei hält sich mit Aussagen zurück, da es sich um sogenanntes Täterwissen handelt. Dasselbe gilt für die weiteren Taten (siehe Kasten).

Nicht nur Zigarettenautomaten flogen im Altkreis in die Luft. Am 4. Februar waren die beiden Blitzer an der Bundesstraße 169 in Neudorf vermutlich mit Pyrotechnik komplett zerstört worden. Dabei entstand Sachschaden in Höhe von einigen zehntausend Euro. Auch am Fahrkartenautomaten am Waldheimer Bahnhof ist ein Totalschaden zu beklagen. Er wurde ebenfalls vermutlich mit illegaler Pyrotechnik in die Luft gejagt. Stehlschaden entstand keiner. Das Geld war beim Eintreffen der Polizei noch da.