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Sind die Wölfe auf dem Vormarsch?

In den letzten Wochen häufen sich die Hinweise auf Wölfe in der Region Sebnitz/Hohnstein. Auch vor einem Kaninchenstall wurden die Räuber gesehen.

© Dirk Zschiedrich

Von Anja Weber

Ulbersdorf. Bei Frank Röllig in Ulbersdorf gehen seit den letzten Wochen zahlreiche Bilder von Wildtierkameras mit Wölfen ein, zudem Hinweise auf Wolfssichtungen. Er ist Hegeringleiter für das Gebiet oberes Sebnitztal und weiß um die Sorgen und Diskussionen zum Thema Wolf.

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Die Beobachtungen lassen den Schluss zu, dass entweder die Wölfe aus dem Stolpener Rudel die Gegend erobert haben oder dass sich vielleicht ein neues Rudel gebildet haben könnte. Gesicherte Erkenntnisse gibt es noch nicht. „Wir wollen die Situation hier weiter beobachten. Aus diesem Grund benötigen wir aber auch weitere Hinweise zu Wolfssichtungen oder Wolfsrissen und Ähnlichem“, sagt Frank Röllig. Denn wenn keiner seine Erkenntnisse melden würde, könne man die Wolfsbewegungen auch nicht beobachten, um daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. Die jetzigen Hinweise hat er bereits der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt mitgeteilt und er steht in engem Kontakt mit der Nationalparkverwaltung und dem Staatsbetrieb Sachsenforst.

An die Menschen gewöhnt?

Wichtig ist aus seiner Sicht, dass man sich Gehör verschaffen müsse. Denn offenbar haben sich einige der hier gesichteten Wölfe in ihrem Verhalten weiter angepasst. So hat Frank Röllig zum Beispiel einen Wolf direkt vor dem Kaninchenstall in seinem Hof stehen sehen. Außerdem gibt es Beobachtungen, wie mehrere junge Wölfe abends durch Ulbersdorf spazieren. Der Wolf habe seine Existenzberechtigung. Doch aus seiner Sicht sei es unnatürlich, dass er so nah an Wohngrundstücke käme und den Kontakt mit Menschen suche. Das bereite ihm Sorgen, sagt Röllig.

Er hat die ihm gemeldeten Wolfssichtungen mit Ort, Datum und Beweis dokumentiert. Und daraus ist ersichtlich, dass seit Oktober vergangenen Jahres Wölfe mehrmals nahe Sebnitz unterwegs waren. Es könnte eine Gruppe junger Wölfe sein. Es gibt Hinweise aus Ottendorf, dem Knechtsbachtal bei Lichtenhain, aus Schönbach, aus der Nähe des Klärwerkes Sebnitz, vom Radweg in Krumhermsdorf. In Ulbersdorf wurde zudem ein Lamm gerissen, und ein Einwohner hatte zwei abgetrennte Lamm-Beine auf der Hinteren Dorfstraße gefunden. Auch an Pferdekoppeln in Ehrenberg und Krumhermsdorf haben Wölfe für Aufregung gesorgt.

Im Gegenzug würden sich kaum noch Hasen, Rehe oder Wildschweine aus der Deckung wagen, sagt Röllig. Ihr angeborener Schutzmechanismus würde in Gang gesetzt. Und das wiederum erschwert Jägern die Arbeit. Er wolle keine Angst zu schüren, stellt Frank Röllig klar. „Aber wir sehen jetzt erhöhten Handlungsbedarf. Deshalb wollen wir unsere Zuarbeiten leisten und diese noch intensivieren.“ Sollte sich bei Sebnitz ein neues Rudel gebildet haben oder würden sich im Raum Sebnitz/Hohnstein die Wölfe zumindest heimisch fühlen, müssten Tierhalter verstärkt Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.