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Sitzpolster aus Görlitz gehen ins ganze Land

Der Raumausstatter Streibel liefert auch nach Berlin und Wuppertal. Sein Betrieb hat eine lange Familientradition.

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© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Sabrina Winter

Die Eckbänke sind mit blauem Stoff überspannt. Sie wirken ganz neu und unberührt. In ein paar Monaten wird das nicht mehr so sein. Dann stehen sie in einem Studentenwohnheim in Berlin und müssen wahrscheinlich die eine oder andere Party über sich ergehen lassen.

18 Sitzbänke haben Frank-Michael Streibel und sein Team gepolstert. Wer in den Laden kommt, sieht sie direkt im Ausstellungsraum stehen. Für Streibels Betrieb war das ein größerer Auftrag. Diesen hat er von der Tischlerei Drogoin aus Krauschwitz bekommen. Durch die Zusammenarbeit kommen Möbel, die in Görlitz gepolstert werden, nach ganz Deutschland. So zum Beispiel nach Wuppertal. Dort hat er für eine Klinik die Sitzbänke im Wartebereich gepolstert. Neben den großen Aufrägen arbeitet Streibel vor allem für Privatkunden aus der Region und polstert alte Sessel und Couchgarnituren wieder auf.

Er ist nicht nur Polsterer, sondern auch Dekorateurmeister. Darum setzt sich sein Betrieb namens „Design im Raum“ aus drei Teilen zusammen: Polster, Fußböden und Dekoration. Im Gegensatz zu vielen anderen Handwerkern sieht Frank-Michael Streibel sein Gewerbe nicht aussterben. Er sagt: „Die Leute brauchen immer etwas zum Sitzen, einen Fußboden oder einen Sonnenschutz vorm Fenster.“ Streibels Betrieb hat eine lange Familientradition. Er ist in der vierten Generation Polsterer. 1990 hat er den Betrieb von seinem Vater übernommen, der auch Tapeziermeister war. Sein Opa war Polsterer und Sattler. Er hatte vor allem Lederartikel vertrieben, unter anderem Schulranzen. Streibels Uropa war Schuhmachermeister. „Wir kommen aus der Lederbranche“, sagt der Polsterer.

An einer Wand in seinem Laden hängt ein Bild seines Großvaters, wie er vor seinem Betrieb in Piensk steht. Damals hieß die Stadt im heutigen Polen noch Penzig. Im Zweiten Weltkrieg musste der Urgroßvater fliehen. Neben dem Bild seines Uropas hängt Frank-Michael Streibels Meisterbrief. Polster und Dekoration stellt er selbst her.

Hinter seinem Laden liegt gleich die Werkstatt. Zurzeit unterstützt ihn ein Team von vier Mitarbeitern. Azubis nimmt er keine, denn mit der Größe seines Betriebes ist Streibel zufrieden. Die Eckbänke stehen noch bis Montag im Laden. Dann werden sie abgeholt und nach Berlin geliefert.