Merken

Skateboarder sammeln Unterschriften für Fußgängertunnel

Die Grünen wollen die Unterführung am Goldenen Reiter zuschütten. Jetzt formiert sich dagegen Widerstand.

Teilen
Folgen
NEU!

Von Ulrike Kirsten

Zum ersten Mal war Stefan Merzdorf im Jahr 2000 im Tunnel. Der damals16-Jährige kam extra aus Leuben, um mit seinen Freunden in der Unterführung das Skatboarden zu lernen. 13 Jahre später droht dem Fußgängertunnel am Goldenen Reiter das Aus. Denn die Stadtratsfraktion der Grünen fordert, die Unterführung vollständig zuzuschütten und einen zweiten oberirdischen Fußweg an der Großen Meißner Straße zu bauen. Stefan Merzdorf und seine Kumpels wie David Raderecht wollen, dass das unterirdischen Bauwerk, ein Treffpunkt der Dresdner Skaterszene, erhalten bleibt. „Da hängen einfach viele Erinnerungen dran“, sagt Merzdorf.

Mit einer Unterschriftensammlung wollen sich die Skater bei der Stadt für die Unterführung einsetzen. Gerade im Winter hat die Gemeinschaft aus 50 bis 75 Skatern den Tunnel als Zufluchtsort genutzt, um dort an Stunts zu feilen und zu trainieren. Doch damit ist vorerst Schluss, seit der Tunnel im Juni nach der Flut gesperrt wurde. „Wir machen das nicht nur aus Eigeninteresse. Unsere Aktion richtet sich an Fußgänger und alle, die den Tunnel weiterhin nutzen wollen“, sagt der 28-jährige Initiator der Unterschriftensammlung.

Im Internet können Unterstützer bereits eine Online-Petition unterzeichnen, die die Skater vor zwei Wochen gestartet haben. „Etwa 1 900 Leute haben dort schon unterschrieben. Auch viele Dresdner sind darunter, die längst nicht mehr hier leben. Die können das gar nicht glauben, dass es den Tunnel, in dem sie früher selbst geskatet sind, nicht mehr geben soll.“

Nun gehen die jungen Männer also nicht mehr nur virtuell auf Unterschriftenjagd. Sondern ganz persönlich, um auch älteren Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Stimme für den Tunnel zu erheben. Unterstützt werden die Skater auch von den Linken. „Wir hängen die Listen selbstverständlich in unseren Bürgerbüros aus“, sagt die Neustädter Ortsbeirätin Kristin Hofmann, die sich ebenfalls für den Tunnel einsetzt. Bereits vor zwei Jahren hatten die Linken eine Unterschriftenaktion für den Erhalt des Tunnels ins Leben gerufen. „Wir wollen, dass die öffentliche Diskussion nicht genauso versickert wie das Elbhochwasser.“ Die Unterführung müsse als Baudenkmal und soziokultureller Raum erhalten werden. „Das ist nicht allein ein Fußgängertunnel, sondern vor allem ein wichtiger Treffpunkt für Jugendliche.“