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So feiert Leisnig

Wer über gestellte Fotos stöhnt, hat auf Burg Mildenstein keinen Grund dazu. Dort werden jetzt Momentaufnahmen gezeigt: Das Beste vom Altstadtfest(e).

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© André Braun

Von Heike Heisig

Leisnig. Wenn Altbürgermeister Heiner Stephan in einer Rüstung steckt und die ehemalige Vize-Schulleiterin Petra Jäger in mittelalterlicher Kleidung im Kochtopf rührt, ist Altstadtfest in Leisnig. In kaum einer anderen Stadt sind die Einheimischen mit so viel Herzblut als Programmgestalter dabei, werden für drei Tage zum Wachmann, zum Mönch oder zum Marktweib mit Bauchladen. Der Spaß an diesem Rollen- und Zeitenwechsel ist sowohl den Machern als auch dem Publikum anzusehen. In all den Jahren sind eindrucksvolle Fotos entstanden. Keine gestellten, sondern Momentaufnahmen. Sie zeigen Besucher wie Programmgestalter in ausgelassenen und stillen Momenten.

Die Bilder dokumentieren aber auch, dass die Männer und Frauen der Gruppen wie Handwerkerstraße, Stiefelwacht oder die CCL-Mimen älter geworden sind. Wolfgang Rölles blonde Locken und Ralf Herrmanns dunkle Mähne (beide auf dem großen Foto links zu sehen) sind grau geworden. Die Programmgestalter sind älter und alt geworden. Manche haben angekündigt, nach diesem Fest aussteigen zu wollen. Einige werden es wohl wahr machen. Doch so genau will Petra Müller das im Moment noch gar nicht wissen. Sie ist die Hauptorganisatorin des Altstadtfestes und froh, dass die Leisniger über die Jahre so toll mitgezogen haben. „Jetzt gehen wir erst einmal das 20. Fest an. Das war für viele nochmal so ein Ziel, auf das sie hingearbeitet haben, das uns alle motiviert hat“, sagt die Frau vom Kulturamt. Sie schließt nicht aus, dass das 20. Altstadtfest das letzte in der bisher bekannten Form sein wird.

Auch schon anders gefeiert

Aber: Leisnig hat seit der Wende immer gefeiert, auch schon anders. Das erste Burgfest gab es 1992 nur auf dem Burghof. Danach wurde auch das Burglehn mit einbezogen. „Als auf der Burg gebaut wurde, haben wir auf dem Markt- und auf dem Kirchplatz gefeiert“, erzählt Petra Müller. Sie erinnert sich noch an das Fest 1995, wo eine Torgische Wagenburg aufgebaut war. Das Programm war ein selbst erstelltes.

Seit 1996 und der 950-Jahrfeier Leisnigs erstreckt sich das Festgelände vom unteren Markt über die Kirchstraße, den Kirchplatz und den Burglehn bis in den Burghof hinein. „Nach dem Jubiläum im Juni gründeten sich die Stadtwache, die Stiefelwacht und auch die Handwerkerstraße des Burg-lehns“, sagt Petra Müller. Den ursprünglichen Eingangsbereich bezeichnet sie noch als sehr ärmlich. Doch der mit Sackleinen zugehängte Pavillon konnte relativ rasch durch das immer noch genutzte, stattliche Stadttor ersetzt werden. Das wurde von einem Team der Arbeiterwohlfahrt (Awo) gebaut.

Auch eine Reihe weiterer Traditionen haben sich entwickelt. Seit 1997 wird auf dem Burglehn eine Erinnerungsmedaille geprägt. Eine solche gab es auch im Jahr 2002 – obwohl das Altstadtfest wegen des Hochwassers im August dieses Jahres ausgefallen ist. Die Leisniger wollten oben auf dem Berg nicht feiern, während einige Anwohner unten an der Mulde vor zerstörten Wohnungen und Häusern standen.

Seit 1999 führen die Leisniger Karnevalisten extra fürs Altstadtfest geschriebene Stücke mit historischem Hintergrund auf. Das erst drehte sich um den Heringsstreit. Seitdem wird einer der Darsteller mit einem Oscar geehrt. Anderen Mitwirkenden winkt seit 2004 die Goldene Maske.

Kostenloses Internet zum Altstadtfest

Der Gewerbeverein hat es geschafft: „Zum Altstadtfest steht vom Markt bis zum Burglehn freies Wlan zur Verfügung“, erzählt Mitglied Mathias Voigtländer. Ausgangspunkt ist das Reisebüro „Zur Alten Bäckerei“ am Markt, von da aus verläuft die Verbindung unter anderem übers Gästeamt bis zum Gasthof „Zum Stiefel“ an der Burg. Für die Anschaffung der Technik hat der Verein rund 400 Euro ausgegeben. Ziel sei, die Funkstrecke auszubauen, um das weitere Stadtgebiet mit kostenlosem Internet zu versorgen. Am Freitag wird außerdem die angekündigte Webcam installiert. (sol)