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So modern ist Katastrophenschutz

80 000 Euro hat das Fahrzeug gekostet. Es kommt vor allem bei Großveranstaltungen zum Einsatz.

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© Dietmar Thomas

Von Tina Soltysiak

Leisnig. Eric Leitert gewährt einen Blick ins Innere des nagelneuen Krankentransportwagens. Den haben die Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe in Leisnig kürzlich bekommen. In der Stadt hat eine Katastrophenschutz-Einheit ihren Sitz. Genauer gesagt der Einsatzzug 2 des Landkreises Mittelsachsen.

„Das Fahrzeug hat rund 83 000 Euro gekostet. Der Freistaat Sachsen hat das Geld investiert“, erzählt Martin Wagner, Zugführer des Regionalverbandes Meißen/Mittelsachsen. Die Neubeschaffung war dringend notwendig. Denn das alte Fahrzeug ist Baujahr 1992 gewesen. „Es handelte sich um einen Vier-Tragen-Krankentransportwagen. In diesem konnten bis zu vier Verletzte gleichzeitig liegend transportiert werden“, erklärt Martin Wagner. Die Ausstattung des Wagens war nicht mehr zeitgemäß. „Die Liegen waren nicht gepolstert. Das Auto hatte keine wirkliche Federung“, erzählt er. Bei dem neuen Fahrzeug ist vieles anders. „In diesem können jetzt nur noch zwei Personen gleichzeitig transportiert werden“, erklärt Wagner den wohl größten Unterschied zum Vorgängermodell. Die Liegen sind nicht nur bequemer, sondern vor allem funktioneller. „Es gibt jetzt luftgepolsterte Tragen. Die sorgen für einen noch sicheren Transport der Verletzten“, sagt Martin Wagner.

Schnelle Hilfe im Katastrophenfall

Doch auch die Sicherheit der Helfer hat sich nun verbessert. „Der Wagen verfügt über Spurkontrolle. Bei längeren Strecken könnte es ja mal passieren, dass der Fahrer müde wird. Kommt das Auto aus der Spur, gibt es einen Piepton“, erklärt er.

Der Krankentransportwagen sei von der Ausstattung her mit einem Rettungswagen vergleichbar. „Es fehlt zum Beispiel ein EKG-Gerät. Das muss aber nicht sein, denn unser Fahrzeug ist primär für den Katastrophenfall und Sanitätsdienst vorgesehen“, so der Zugführer. Das heißt, im Einsatzfall sollen die Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe Verletzte, die keine intensivmedizinische Betreuung benötigen, schnell vom Unglücksort wegbringen. Oder sie helfen bei der Verlegung von Patienten. So haben die Männer und Frauen beispielsweise einmal die Betreuung von etwa 30 Hilfsbedürftigen beim Brand eines betreuten Wohnens in Hartha übernommen. „Früher sind wir in Leisnig ein reiner Betreuungszug zur Verpflegung der Kräfte gewesen“, erzählt Martin Wagner. Sie waren beispielsweise 2009 bei einem Großbrand in Saalbach und beim Hochwasser 2013 mit im Einsatz.

Doch es gibt auch „angenehmere“ Einsätze. Wenn nicht vorher noch etwas Schlimmes geschieht, wird das neue Fahrzeug am 24. April seinen ersten regulären Einsatz im Sanitätsdienst haben: „Dann sind wir beim City-Marathon in Leipzig“, erzählt Wagner. Wenn die Helfer bei derartigen Veranstaltungen prophylaktisch im Einsatz sind, übernimmt der Veranstalter auch die Kosten. „Im Einsatzfall gilt das Verursacherprinzip“, erklärt Wagner.

Im Katastrophenfall wären sie als schnelle Einsatzgruppe vorrangig für den Altkreis Döbeln zuständig. Dann würde der Landrat beziehungsweise die Rettungsleitelle die Einheit delegieren. Oberste Brandschutz-, Rettungsdienst- und Katastrophenschutzbehörde ist das Sächsische Innenministerium. In Sachsen gibt es insgesamt 30 landeseigenen Katastrophenschutzeinsatzzüge Sanitätswesen und Betreuung – drei davon in Mittelsachsen. Träger der Einsatzzüge sind die privaten Hilfsorganisationen: außer der Johanniter-Unfall-Hilfe sind das die Kreisverbände des Deutschen Roten Kreuzes, des Arbeitersamariterbundes und des Malteser Hilfsdienstes.

„Die schnelle Einsatzgruppe im Sanitätsbereich besteht in der Regel aus zwölf Personen – darunter müssen mindestens ein Sanitätshelfer und ein Rettungssanitäter sein. Das Landratsamt übernimmt die Kosten für die Ausbildung zum Rettungssanitäter“, erzählt Martin Wagner. Und nicht nur für sie. Seit Neuestem gibt es eine Ausbildung zum Notfallsanitäter. Je nachdem, wie lange die Helfer vorher bereits im Rettungsdienst gearbeitet haben, kostet die Weiterbildung den Landkreis zwischen 4 500 und mehr als 30 000 Euro pro Person. Und auch die ehrenamtlichen Helfer bekommen für ihr Engagement eine Aufwandsentschädigung. Die Sätze für die ehrenamtlichen Führungskräfte im Katastrophenschutz hat die Kreisverwaltung kürzlich erst erhöht. Zugführer erhalten jetzt jährlich 200 Euro (DA berichtete). Einen Teil der Kosten wird über Gebühren refinanziert, die für den Einsatz von Fahrzeugen des Rettungsdienstes bei der Notfallrettung erhoben werden. Wer beispielsweise einen Krankentransportwagen anfordert, muss 83,50 Euro zahlen.

Um für dem Ernstfall gerüstet zu sein, und damit jeder Handgriff sitzt, üben die 32 Helfer der Johanniter-Unfall-Hilfe in Leisnig im Zwei-Wochen-Rhythmus den Umgang mit dem Fahrzeug und den Einsatzmitteln üben. „Dazu gehört auch das Fahren mit Blaulicht und in Kolonne“, so Wagner. Am Standort Leisnig gibt es jetzt zwei moderne Fahrzeuge.