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So startet Sachsen in das neue Schuljahr

Mehr Schüler, fehlende Lehrer, gekürzter Unterricht: Der Kultusminister rechnet mit einem schwierigen Schuljahr.

© Funke Foto/Ingo Otto

Von Andrea Schawe

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Eine schnelle Lösung gebe es beim Thema Lehrermangel nicht, es werde „ohne Zweifel ein schwieriges Schuljahr“, kündigt Kultusminister Christian Piwarz (CDU) am Donnerstag an. Die SZ erklärt die wichtigsten Punkte zum Schulbeginn.

So viele Schüler in Sachsen wie lange nicht

Ab Montag lernen in Sachsen rund 476 200 Kinder – das sind etwa 6 300 Schüler mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl der Schulen hat sich um zehn auf 1 764 erhöht. Neben neuen Schulen in den Großstädten, die ans Netz gehen, wurde mit der Oberschule in Klingenthal erstmals auch im ländlichen Raum eine neue Schule eröffnet. „Das ist ein wichtiges Signal“, sagt Piwarz. „Die Zeit der Schulschließungen ist vorbei.“

Neue Schulordnungen in allen Schularten

Zum neuen Schuljahr treten mehrere Neuerungen an den Schulen in Kraft. Auf Grundlage des neuen Schulgesetzes wurden die Schulordnungen überarbeitet. In der Grundschule wird der Anfangsunterricht gestärkt, es soll mehr Raum für individuelle Förderung geben. In 17 Grundschulen startet außerdem die Testphase des Modellprojekts zum Wegfall der Diagnostik in der ersten Klasse. An 62 Oberschulen können die Kinder lernzieldifferent unterrichtet werden. Außerdem gibt es nun an jeder Oberschule einen Praxisberater. Gymnasiasten haben künftig von der 7. bis zur 10. Klasse Informatikunterricht. Bisher wurde das Fach nur in den Klassenstufen 9 und 10 als Profilunterricht angeboten.

An Förder- und Oberschulen fehlen besonders viele Lehrer

Der Lehrermangel an den Förderschulen setzt sich fort. „Wir suchen schon seit Langem händeringend Sonderpädagogen“, sagt Piwarz. In diesem Jahr konnten nur 74 Förderschullehrer eingestellt werden, 117 Stellen waren sachsenweit geplant. Auch an den Oberschulen fehlen etliche Lehrer. Das gilt auch für die eigentlich beliebten Großstädte: In Dresden konnten nur 24 von 48 Stellen besetzt werden, in Leipzig sind es 66 von 111. An den Grundschulen hat sich die Situation etwas entspannt. Die Lücke ist mit 55 fehlenden Lehrern kleiner als in den Vorjahren. Für die Stellen an den Gymnasien gibt es genügend Bewerber, Sachsen stellt mittlerweile über dem Bedarf ein. Allerdings wollen nur wenige zeitweise an eine Oberschule wechseln: 57 Lehrer unterrichten schulartfremd. „Weniger als wir erwartet haben“, sagt Piwarz.

Bautzen und Chemnitz bleiben Mangelregionen

Schulen in Bautzen und Chemnitz werden wohl nicht an Unterrichtskürzungen vorbeikommen. Schon die Bewerberlage war katastrophal. Das spiegelt sich nun in den Einstellungszahlen wider. In Bautzen konnten 64 Stellen nicht besetzt werden, nur an Gymnasien und Berufsschulen ist der Bedarf gedeckt. In der Region Chemnitz fehlen insgesamt 54 Lehrer – besonders an den Oberschulen. Die SPD schlägt deswegen vor, die Lehramtsausbildung in Chemnitz nicht nur für die Grundschule, sondern auch für die Oberschule anzubieten. „Wenn die Heimatverbundenheit der Chemnitzer Studierenden dazu führt, den Bedarf in der Region besser zu decken, dann sind wir auf dem richtigen Weg“, sagt Bildungspolitikerin Sabine Friedel.

Beamte aus anderen Bundesländern kommen nach Sachsen

Insgesamt 71 Beamte aus anderen Ländern wollten zum Schuljahr 2018/19 nach Sachsen wechseln. 34 davon kommen im Lehrertauschverfahren, dafür muss Sachsen 19 Lehrer gehen lassen. Die Übrigen haben nach Angaben des Kultusministers eine Freigabe ihres Dienstherren erhalten, um nach Sachsen zu ziehen. Dabei werden auch in den Nachbarländern Lehrer dringend gesucht. In Berlin fehlen zum Schuljahresstart noch etwa 1 250 Lehrer – so viele wie nie zuvor. In Sachsen-Anhalt sind etwa 200 Stellen unbesetzt. Nur Brandburg konnte fast alle benötigten Lehrer einstellen. Das Land verbeamtet in Zukunft auch Gymnasiallehrer, die vorwiegend an Grundschulen unterrichten. Zudem sollen die Gehälter für Grundschullehrer vom kommenden Jahr an angehoben werden.

Mehr Lehrer kommen aus dem Ausland

Derzeit sind nach Angaben des Kultusministeriums 264 Lehrer aus dem Ausland in Sachsen tätig. Ein Großteil kommt aus Tschechien und Polen. Allerdings ist das Verfahren zur Anerkennung der Abschlüsse kompliziert. Das Ministerium will nun die Zulassungsvoraussetzungen lockern, um mehr engagierte Lehrer aus den Nachbarländern zu gewinnen. Grundlage sei allerdings der nahezu fehlerfreie Erwerb der deutschen Sprache, machte Piwarz deutlich. „Wir haben festgestellt, dass auch das Niveau C1 nicht ausreicht, um an einer Grundschule zu unterrichten.“ (mit dpa)