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Feuilleton

So war das Konzert der Lords

Eine der dienstältesten Kapellen der Welt begeistert auf ihrer Abschiedstour in Freital.

Die deutsche Beat- und Rockband The Lords mit Lord Leo, Lord Roger und Lord Jupp. © Andreas Weihs

Von Andreas Weihs

Man nennt sie die „deutschen Beatles“, gegründet 1959 und noch immer auf den Konzertbühnen zuhause, sind sie eine der dienstältesten Rockbands der Welt. Doch nun soll Schluss sein: Die legendären The Lords sind auf ihrer „60 Jahre Farewell“ Tour und spielten die besten Hits aller Zeiten am Freitag im Stadtkulturhaus Freital.

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Auch wenn sie sich jetzt verabschieden wollen, der Stimmung im gut gefüllten Saal tut das keinen Abbruch. The Lords ließen es noch einmal richtig krachen. Mit dem Neuzugang Lord Roger Schüller als Sänger und am Bass, der für den erkrankten Bernd Zamulo auf der Bühne stand, und vielen Hits. Aber: Die trauten sich was, begannen mit dem relativ neuen und nur mäßig bekannten „Ain’t Got Love“, doch als sie „Shakin’ All Over“ nachlegten, kochte die Stimmung hoch. Es dauerte nicht lange, da wurde getanzt vor der Bühne, zuerst vereinzelt, später war die Fläche voll.

Einige der live dargebotenen Songs hatten eine ziemliche Portion Drive gegenüber der Studioproduktion zugelegt, wie „And At Night“, ihrem Schweizer Nummer-1-Hit aus dem Jahr 1969. Der wurde schön verrockt und hatte dennoch das Potenzial zum Ohrwurm. Beides galt für fast alle der im Konzert gebotenen Songs. Wenn man in den 1960ern noch Beatmusik dazu sagte, musste der geneigte Zuhörer heute konstatieren, dass The Lords eine waschechte Rockband sind. Der Sound war frisch und voller Energie, die Melodien populär und mitreißend. Das reichte von „Greensleeves“, das nach einem fast schon besinnlich-schönen ersten Vers zum Hardrock tendiert, dem bluesgetränkten „Boom Boom“, über das fröhliche „Have A Drink On Me“, dem ebenso verrockten Doris-Day-Klassiker „Que Sera“, dem mitreißenden „Over in the Gloryland“ bis hin zum grandiosen „Michael Row The Boat Ashore“ mit lautem Publikums-Chor „Hallelujah“.

Einige neuere Lieder des 2015er-Albums wurden eingestreut, fügten sich homogen in das musikalische Gesamtbild ein. „Poor Boy“ war natürlich auch zu Hören, klar! Es ist der größte Erfolg der Band – von 1966.

Dass sich die Musiker selbst nicht so ernst nehmen und Humor besitzen, zeigte sich, als Lord Leo schon mal den falschen Titel ansagte, das aber mit einer Handbewegung lächelnd wegwischte. Oder wenn Schlagzeuger Lord Philippe einzählte und einzählte, aber keiner der Musiker zu spielen anfing. The Lords sind eben keine durchgestylte Retorten-Band, wo alles peinlich genau vorgeplant ist und Fehler schon im Vorhinein eliminiert werden. Hier gibt’s handgemachte Rockmusik, die durchaus auch mal einen schrägen Ton oder eben Stockungen im Ablauf aufweisen kann, ohne gleich einen Shitstorm in Internet auszulösen. Sehr wohltuend! Und schade – bye, bye Lords!