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Sonnenverwöhnte Scheichs retten Solarworld

Frank Asbeck hat eine Geldquelle für seine verschuldete Firma gefunden. Doch noch ist er die alten Gläubiger nicht los.

© picture-alliance/ dpa

Bonn. Der schwer angeschlagene Solarmodulhersteller Solarworld will sich mit Geld aus dem Emirat Katar retten – und Schulden loswerden. Die dazugehörigen Verträge mit den Banken seien gestern unterzeichnet worden, sagte Firmengründer Frank Asbeck. Anfang August dürfen aber noch Gläubiger und Aktionäre darüber abstimmen, ob sie auf Geld verzichten.

Nach dem Rettungsplan steigt der Investor Qatar Solar mit 35 Millionen Euro ein. Dieses Unternehmen gehört nach früheren Angaben einer Stiftung, die der Emir von Katar gegründet hat – zur Technologieförderung in seinem Emirat. Gemeinsam mit Solarworld hat Qatar Solar in Arabien eine Siliziumfabrik gebaut. Das Emirat ist auch mit 17 Prozent an Volkswagen beteiligt, nur von seinen Anteilen an Porsche hat es sich diese Woche getrennt.

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Die Araber geben Solarworld dem Plan zufolge ein Darlehen von 50 Millionen Euro, Firmengründer Frank Asbeck schießt aus seinem Privatvermögen weitere zehn Millionen Euro zu. Seine beiden Schlösser am Rhein will er nicht verkaufen, sagte er.

55 Prozent der Schulden werden nicht zurückgezahlt, sondern in neue Aktien umgewandelt. Altaktien werden abgewertet, auf nur noch fünf Prozent des Unternehmenswertes. Zu den Verlierern zählt dabei auch Asbeck selbst, dessen Aktienanteil von 28 auf 1,4 Prozent schrumpft. Asbeck kauft aber für seine zehn Millionen Euro nach. Sein Gesamtaktienanteil werde am Ende bei 20,9 Prozent liegen, sagte er.

„Wenn das Konzept so umgesetzt wird, können wir wieder durchstarten“, sagte Asbeck. Er sei fest überzeugt davon, dass Solarworld restrukturierbar sei, und er glaube an den technologischen Vorsprung des Unternehmens. Schon im kommenden Jahr und 2015 seien wieder schwarze Zahlen möglich. Derzeit verdiene das Unternehmen mit seinen beiden Fabriken in Freiberg in Sachsen sowie in den USA allerdings kein Geld. Solarworld beschäftigt noch 2 600 Mitarbeiter, davon rund 1 700 in Deutschland. In Spitzenzeiten waren es insgesamt 3 500. Weiterer Personalabbau sei nicht geplant, sagte Asbeck.

Das einstige Vorzeigeunternehmen war tief in die roten Zahlen gerutscht, als chinesische Konkurrenz die Preise für Solartechnik fallen ließ. Allein 2012 betrug der Verlust fast 480 Millionen Euro. Das Management hofft auf EU-Schutzzölle gegen chinesische Konkurrenzprodukte. Die Zölle betragen 11,8 Prozent und sollen Anfang August auf 47 Prozent angehoben werden. Dann sei wieder ein fairer Wettbewerb möglich, sagte Asbeck: „Dumping darf man nicht tolerieren.“ Die EU und China verhandeln derweil vertraulich über Möglichkeiten, den Handelsstreit beizulegen.

Solarworld mit Firmensitz in Bonn ist mit 931 Millionen Euro verschuldet. Fast 427 Millionen Schulden bleiben auch nach dem „Schnitt“ stehen und sollen in mehreren Schritten in den kommenden Jahren zurückgezahlt werden. Der endgültige Abschluss der Verträge wird zwischen November dieses Jahres und Anfang 2014 erwartet. Für die Abstimmung der Anleihen-Gläubiger ist für den 8. und 9. Juli eine Versammlung geplant. Die Hauptversammlung ist für den 7. August geplant.

Solarworld präsentiert bei der heute beginnenden größten Solarmesse Intersolar in München laut Asbeck ein neues Premiumprodukt. Die Preise für Standardmodule würden ab sofort gesenkt. Auf der Messe ist auch Solarwatt aus Dresden präsent und will neue Akkus vorstellen.

Solarworld sieht sich in Europa und in den USA als Marktführer. Der europäische Markt sei durch Dumping und Förderkürzung geschwächt, sagte Asbeck. Aber auch hier laufe das Geschäft – etwa in Frankreich, Italien und Benelux. Daneben sei das Unternehmen in Afrika und Asien, vor allem in Japan, aktiv. Analysten kritisieren, dass Solarworld für die Absatzmärkte China, Japan und USA noch keine ausreichenden Vertriebsstrukturen habe. (dpa/SZ/mz)