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Sorgenkind Kreischaer Oberschule

Die wenigen Anmeldungen könnten den Ausbau der Schule infrage stellen. Eine Initiative will das verhindern.

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© Karl-Ludwig Oberthür

Von Andrea Schawe

Kreischa. Nur elf Kinder aus Kreischa wechselten zu Beginn dieses Schuljahres an die örtliche Oberschule. Insgesamt gehen nun 26 Kinder in die fünfte Klasse – sie kommen auch aus Dresden, Heidenau und Glashütte. Schon 2014 konnte nur eine Klasse in der eigentlich zweizügigen Schule gebildet werden. Im vergangenen Schuljahr kamen von den 44 Fünftklässlern nur 15 Kinder aus Kreischa. Zahlen, die Kreischaer Eltern alarmieren. „Der Schulstandort könnte ernsthaft gefährdet sein“, schreibt die Elterninitiative der Kreischaer Schulen in einem Brief.

Die Eltern hatten sich im April 2016 zusammengeschlossen, um den geplanten An- und Ausbau der Schule zu begleiten. Nun befürchten sie, dass sich in Anbetracht der aktuellen Anmeldezahlen die geplanten Investitionen in das Schulhaus am Kirchweg nicht lohnen könnten, sagt Mandy Hauck, die Elternratsvorsitzende der Oberschule ist und in der Initiative mitarbeitet.

Die Gemeinde will das Schulhaus an der West- und Ostseite erweitern. Entstehen sollen mehrere Klassenzimmer, ein neuer Speisesaal, eine Aula und die Garderobe. Es wird mit Kosten in Höhe von insgesamt 2,1 Millionen Euro gerechnet, etwa 847 000 Euro davon sollen als Fördermittel fließen. Momentan entscheidet die Sächsische Aufbaubank erneut über die Fördermittel. Die Investitionen sind für den Kreischaer Haushalt eine enorme Herausforderung, die Gemeinde würde sich auf Jahre nur dem Schulhausbau konzentrieren, so Bürgermeister Frank Schöning (FBK) in einem Brief an die Eltern.

Vor allem die Novellierung des sächsischen Schulgesetzes könnte für Kreischa problematisch werden. „Der erste Entwurf eines neuen Schulgesetzes für den Freistaat Sachsen wäre für den Standort Kreischa nicht günstig gewesen“, so Schöning. Der zweite Entwurf liegt noch nicht öffentlich vor. Entscheidend ist, wie das Gebiet der Gemeinde eingeordnet wird. Zählt Kreischa – wie im ersten Entwurf – zum sogenannten ländlich verdichteten Raum, braucht die Oberschule mindestens 40 Kinder je Schuljahrgang. Das wurde im vergangenen Jahr mit 44 Anmeldungen nur knapp erreicht, 2016/17 fehlen 14 Kinder. Das Kultusministerium könnte die Notwendigkeit der Oberschule erneut infrage stellen – die Kreischaer Schule hatte schon 2011 wegen geringer Anmeldezahlen um den Erhalt der Schule kämpfen müssen. Sollte Kreischa im neuen Schulgesetz zum ländlichen Raum zählen, könnte die Schule einzügig betrieben werden – mit mindesten 25 Schülern. Der Bedarf wäre dann zwar zum Großteil, aber nicht allein durch die Kreischaer Kinder gedeckt. Die Gemeinde schätzt, dass maximal 10 bis 20 Schüler aus dem eigenen Gebiet zur Verfügung stehen – die restlichen müssten aus dem Umland kommen.

Schülerzahlen für Grundschule steigen

Bleibt die Oberschule dauerhaft einzügig, braucht sie aber auch nicht mehr so viel Platz – die Pläne für den Ausbau sind auf etwa 50 Schüler in Real- und Hauptschule ausgelegt. „Mit einer generellen Einzügigkeit würden zunächst schon einmal sechs Klassenzimmer nicht mehr benötigt werden“, so der Bürgermeister. Die könnte die Grundschule nutzen, denn die platzt aus allen Nähten. Die Schülerzahlen steigen. Die Gemeinde plant für das Jahr 2018/19 mit 53 Schülern – die Grundschule könnte sogar dreizügig laufen.

„Wir brauchen definitiv mehr Anmeldungen in Klassenstufe fünf an unserer Schule“, sagt Mandy Hauck. Vor allem die Kreischaer müssten zu ihrer Schule stehen. „Einige der örtlichen Grundschüler, die eine Empfehlung für die Oberschule erhalten, bleiben nicht in Kreischa. Warum?“ Die Aktivitäten der Schule werden in der Öffentlichkeit zu wenig wahrgenommen, sagt auch Enrico Jutzies von der Elterninitiative. „Das muss sich ändern.“

Denn die Schule habe einiges zu bieten, so die Eltern. Das Kollegium hat sich in den vergangenen Jahren verjüngt, „die Lehrer sind sehr engagiert und hochmotiviert“, sagt Jutzies. Die Schule liege außerdem zentral mitten im Ort. „Warum sollten die Kinder mit dem Bus irgendwo anders hinfahren, wenn sie zur Kreischaer Schule radeln können?“, fragt Mandy Hauck. Die Nähe zwischen Grund- und Oberschule könne auch vorteilhaft sein. Das soziale Miteinander könne so über einen langen Zeitraum von der Kita bis zum Schulabschluss gemeinsam gelebt werden.

Natürliche gebe es auch Probleme, die gelöst werden müssen, um die Schule attraktiver zu machen, heißt es im Brief der Elterninitiative. Sie hat deswegen Gesprächskreise organisiert, an denen die Lehrer von Grund- und Oberschule sowie Hort sich austauschen können. Die Gemeinde arbeitet am Brandschutz, die Sportanlagen sollen erneuert werden. „Es fehlt auch an Technik und modernen Unterrichtsmaterialien“, sagt Mandy Hauck. „Diese Investitionen sind wichtig. Es ist die richtige Entscheidung, in unsere Kinder nachhaltig zu investieren.“