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Soziales boomt, Handwerk schwächelt

An der Berufsschule ist die Interessenverschiebung in der Berufswelt spürbar. Immer öfter sind Schüler auch überfordert.

© Dietmar Thomas

Von Jens Hoyer

Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Döbeln. Autoschlosser war mal der Traumberuf vieler Jungs. Beim Tag der offenen Tür im Beruflichen Schulzentrum ist der Wandel in der Berufswelt zu spüren. Gewusel im Haus A, wo sich die sozialen Berufe präsentieren. Geradezu gespenstische Leere und Stille in der Autowerkstatt, wo es unter geöffneten Motorhauben für technikaffine Leute eine Menge zu sehen gibt. Ausbilder Uwe Hofmann hält die Stellung. Die Zeiten, in denen die Ausbildungsbetriebe ganze Stapel von Bewerbungen bekamen, sind lange vorbei, sagt er. „Heute will sich niemand mehr die Hände schmutzig machen.“ In Beruflichen Schulzentrum Döbeln bekommen alle angehenden KFZ-Mechatroniker der Region ihre Grundausbildung, bevor sie je nach Spezialisierung an andere Schulen gehen. Döbeln selbst bildet PKW-Mechatroniker aus und hat durch die Kontakte zu großen Autoherstellern eine Menge moderner Fahrzeuge in seinen Hallen stehen. Die Ausbildung ist sehr anspruchsvoll. Die Azubis können immer öfter mit diesen Anforderungen nicht mithalten. „Es fehlt ihnen an Vorbildung. Woran das liegt, kann man nicht sagen“, so Hofmann.

Frank Bumke, Fachlehrer für die Elektroniker, hat sich seine Zuhörer gleich eingeladen. Um den Tisch im Fachkabinett sitzen etwa zehn junge Männer, Lehrlinge im dritten Lehrjahr. „Sie sind alle freiwillig hier. Wir steigen heute in die Gebäudeautomatisierung ein“, sagte Bumke. Er hat ähnliche Erfahrungen wie sein Kollege gemacht. „Es ist nicht so, dass es keinen Nachwuchs gibt. Wir haben immer eine Klasse mit 25 Schülern im ersten Lehrjahr. Aber die Anforderungen werden von den Azubis unterschätzt. Der Technikwandel macht vor dem Handwerk nicht halt. Selbst ein Ofenbauer hat heute mit elektronischen Steuerungen zu tun.“

Fast ein Drittel der rund 600 Schüler macht heute eine Ausbildung auf dem sozialen Sektor, sagt Michael Winkler, stellvertretender Schulleiter. „Wir sind mittlerweile eine Sozialschule“. Die Fachschule Sozialwesen, die Fachoberschule Sozialwesen und die Berufsfachschule Sozialwesen lehren unter einem Dach. Die jungen Leute können sich zu Sozialassistenten ausbilden lassen, zu Erziehern, oder mit dem Fachabitur die Schule verlassen.

Auch auf der Schiene Wirtschaft und Verwaltung bietet die Schule das Fachabitur an. Neu aufgelegt wurde eine Möglichkeit, schneller zum Abschluss zu kommen. Leute mit Berufsausbildung können die Fachhochschulreife in nur einem statt zwei Jahren erwerben. „Es gab dazu schon einige Anfragen, aber das muss sich erst herumsprechen“, sagt Winkler.

Auch die Ausbildung zum Erzieher nutzen Frauen und Männer, um beruflich umzuschwenken. Stephan Schröter ist 39 Jahre alt und im zweiten Ausbildungsjahr zum Erzieher. „Das Lernen fällt in dem Alter manchmal nicht leicht, aber das Soziale ist einfacher, weil man schon Lebenserfahrung mitbringt“, sagt er. Nach einem Arbeitsunfall konnte er nicht mehr als Zimmermann und Tischler arbeiten. „Die Erfahrungen aus diesen Berufen kann ich aber gut in die Arbeit mit Kindern einbringen“, sagt Schröter. Einen anderen Weg geht Michelle Heßler. Sie hatte erst die Ausbildung zum Sozialassistenten absolviert und dann die dreijährige Erzieherausbildung drangehängt.

Vergleichsweise ruhig geht es an diesem Tag bei Stefan Teichert zu. Vor zwei Jahren, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle, sei das Interesse deutlich größer gewesen, sagt er. Teichert unterrichtet „Deutsch als Zweitsprache“. Im vergangenen Jahr hatte es noch drei Klassen gegeben. Jetzt ist es eine, in der zwölf junge Leute lernen – Eritreer, Äthiopier, Afghanen, Somalier, aber auch ein griechischer Schüler. „Das ist ja keine Flüchtlingsklasse. Bei uns lernen auch EU-Bürger Deutsch“, sagt Teichert. Später machen manche mit einem Berufsvorbereitungsjahr weiter, das mit seinen verschiedenen Ausrichtungen wie Farbe, Holz und Metall zum Angebot der Schule gehört und das von weniger leistungsfähigen Schülern besucht wird. „Wer sich dahinterklemmt, kann den Hauptschulabschluss bekommen. Für viele ist das die letzte Chance“, sagte Michael Winkler.