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Speeddating für den Traumberuf

Die Oberschule Stolpen hat Unternehmen zum Ausbildungsparcours eingeladen. Eine Stellensuche mit Hindernissen.

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© Steffen Unger

Von Anja Weber

Stolpen. Haare färben, schneiden, stylen. Das wäre schon was für Vanessa. Deshalb hat sie sich praktische Tipps von den Mitarbeitern der Sebnitzer Friseur und Kosmetik GmbH geben lassen. Das Unternehmen gehörte zu den insgesamt 24 Firmen, die sich in diesem Jahr an dem Ausbildungsparcours der Ludwig-Renn-Oberschule in Stolpen beteiligt haben.

Neben einigen einheimischen Baufirmen, wie Bendl Hoch- und Tiefbau, waren zum Beispiel der Staatsbetrieb Sachsenforst, die Notar-Kammer, Emons Spedition oder das Landratsamt mit vertreten, ebenso Bundespolizei, Bundeswehr und Landespolizei. Aber auch Handwerker wie Orthopädie-Schumachermeister Lietze, Lange Uhren und eben auch die Sebnitzer Friseur und Kosmetik GmbH waren mit dabei. Ihr Ziel ist vor allem: Azubis finden. Denn auf die warten einige Firmen händeringend.

Da abwarten nichts bringt, nutzen eben die Arbeitgeber jede Gelegenheit, sich den Schülern zu präsentieren. Eine davon ist der sogenannte Ausbildungsparcours an der Oberschule Stolpen. Den gibt es bereits zum dritten Mal und er ist für die Siebt- bis Neuntklässler gedacht. Das Interesse der Firmen ist groß und die Jugendlichen müssen sowieso kommen, da es Teil des Unterrichtes ist.

Damit niemand denkt, die Suche nach einem Ausbildungsberuf sei bloß Spaß, wurden gleich am Anfang Handzettel verteilt. Zehn Unternehmen müssen die Schüler an diesem Tag besuchen und sich das quittieren lassen. In den Zimmern sind zudem Buchstaben versteckt, die am Ende ein Lösungswort ergeben. Ihnen wurde empfohlen, auch mal dort hinzugehen, wo die Berufe eher unbekannt sind. Bis zum Mittag müssen die Oberschüler ihren Parcours absolviert haben. Erik Zenker kennt das Prozedere bereits. Er hat es vor zwei Jahren als Schüler an der Oberschule erlebt und kehrt zum Ausbildungsparcours nun als Azubi der Firma Bosch zurück. Er lässt sich dort zum Industriemechaniker ausbilden. Und so kann er den neugierigen ehemaligen Mitschülern viel von seiner Ausbildung bei Bosch erzählen.

Schon Anmeldungen für nächstes Jahr

Vivien Scholz, Robby Geißler und Rico Friese haben den Stand vom Brunnenbau Wilschdorf im Erdgeschoss aufgebaut. Dort warten sie bereits auf die ersten Schüler, die sich für den Beruf eines Brunnenbauers interessieren könnten. Nachwuchs braucht das Unternehmen auf jeden Fall. Brunnenbau Wilschdorf hat mit dem Ausbildungsparcours gute Erfahrungen gemacht. Im vergangenen Jahr war das Unternehmen bereits mit dabei. „Einige der Schüler, vor allem aus Langenwolmsdorf, haben eine Lehre bei uns angefangen. Einige haben sie wieder abgebrochen. Aber es sind auch noch welche dabei“, sagt Robby Geißler.

Er weiß, weshalb. Der Beruf ist vielseitig. Man trage Verantwortung, schließlich gehe es um das Lebenselixier Wasser. Brunnenbauer gelte in erster Linie als Männerberuf. Aber man bilde auch Mädchen aus. Für das Ausbildungsjahr 2016 sucht die Firma zwei Lehrlinge. Ob die aus der Oberschule Stolpen kommen, wird sich bald zeigen. Zumindest zeigten die Jungen Interesse an dem Stand. „Ich glaube, man kommt da auch etwas in der Gegend herum“, sagt einer der Oberschüler. Er ließ sich das vor der Oberschule aufgestellte Bohrgerät erklären. Daneben erläuterte ein Mitarbeiter der Neustädter Firma Capron, wie ein Wohnmobil entsteht.

Das Parcours-Organisatorenteam um Katrin Lattig, der stellvertretenden Schulleiterin, war jedenfalls zufrieden mit dem diesjährigen Ausbildungsparcours. Und für nächstes Jahr gibt es bereits die ersten Anmeldungen von Unternehmen und Handwerksbetrieben, die wieder mit dabei sein wollen.