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Razzia beim Deutschen Fußball-Bund

Ermittler haben in mehreren Bundesländern Geschäftsräume und Wohnungen durchsucht. Es geht um mögliche Steuerhinterziehung.

© Symbolfoto: dpa

Von Ulrike John und Eric Dobias

Frankfurt/Main. Der Deutsche Fußball-Bund steht wieder einmal im Visier von Ermittlungen. Wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in besonders schweren Fällen hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main am Mittwoch die Geschäftsräume des DFB sowie Privatwohnungen von ehemaligen und aktuellen Verbandsfunktionären durchsucht. Dabei geht es um Einnahmen aus der Bandenwerbung von Heimländerspielen der Nationalmannschaft in den Jahren 2014 und 2015.

An den Maßnahmen in Hessen, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz waren insgesamt rund 200 Beamte beteiligt, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt mitteilte.

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"Die wegen des Verdachts der fremdnützigen Hinterziehung von Körperschafts- und Gewerbesteuern in besonders schweren Fällen geführten Ermittlungen richten sich gegen sechs ehemalige bzw. gegenwärtige Verantwortliche des DFB", teilte die Behörde mit. Diesen wird vorgeworfen, "Einnahmen aus der Bandenwerbung von Heimländerspielen der Fußball-Nationalmannschaft aus den Jahren 2014 und 2015 bewusst unrichtig als Einnahmen aus der Vermögensverwaltung erklärt zu haben". Damit sei der DFB einer Besteuerung in Höhe von etwa 4,7 Millionen Euro entgangen.

Bandenwerbung schon länger in Kritik

"Nach den bisherigen Ermittlungen besteht der Verdacht, dass die Beschuldigten von dieser steuerlichen Unrichtigkeit wussten, sie aber bewusst wählten, um dem DFB hierdurch einen Steuervorteil von großem Ausmaß zu ermöglichen", erklärte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen in der Pressemitteilung. Laut Staatsanwaltschaft seien die Einnahmen aus der Verpachtung nicht der steuerfreien Vermögensverwaltung, sondern dem steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zuzuordnen. Die Namen der Verdächtigen nannte die Behörde nicht.

Präsident des größten Sportfachverbandes der Welt war zum damaligen Zeitpunkt Wolfgang Niersbach, der im Herbst 2015 über den immer noch nicht restlos aufgeklärten "Sommermärchen"-Skandal um die WM 2006 stolperte. Als Schatzmeister war Reinhard Grindel tätig, der später als DFB-Boss wegen anderer Verfehlungen hinwarf. Verantwortlicher Generalsekretär war Helmut Sandrock, der sich vom DFB ebenfalls verabschiedet hat. Weitere hauptamtliche Verantwortliche damals waren Stefan Hans als Finanzchef und Denny Strich als Marketing-Chef.

Mit seiner Bandenwerbung, ein wichtiger Teil der Vermarktung des Weltmeisters von 2014, steht der DFB schon länger in der Kritik. Der Verband und seine langjährige Vermarktungsagentur Infront hatten kürzlich ihre Zusammenarbeit nach fast 40 Jahren "einvernehmlich" beendet. Begründet wurde dies mit Ergebnissen einer Untersuchung des Beratungsunternehmens Esecon. Darin waren Vorwürfe gegen Infront erhoben worden. Das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz hatte diese zurückgewiesen und die Kündigung durch den DFB nicht anerkannt.

Konkurrent bot mehr

Die Agentur hatte bis 2018 den Auftrag, Bandenwerbepartner für Spiele der Nationalelf zu beschaffen. Laut dem Ermittlungsbericht von Esecon habe die Firma 2013 vom DFB den Zuschlag für das Geschäft erhalten, obwohl ein Konkurrent bis zu 18 Millionen Euro mehr geboten habe.

Der DFB hat zudem noch immer mit den Nachwehen des "Sommermärchen"-Skandals zu kämpfen. Bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft ist noch ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung anhängig. Die juristischen Nachwehen der WM 2006 drehen sich um eine dubiose und immer noch nicht aufgeklärte Zahlung von 6,7 Millionen Euro. Diese hatte der damalige WM-OK-Chef Franz Beckenbauer 2002 als Darlehen vom inzwischen verstorbenen Unternehmer Robert Louis-Dreyfus erhalten. Der DFB überwies die Summe im April 2005 an den Weltverband FIFA als Beitrag für eine später nie stattgefundene Gala.

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Das Verfahren unter anderem gegen drei ehemalige Top-Funktionäre des DFB in der Schweiz war Ende April wegen der Verjährung eingestellt worden. Auf Antrag des aktuellen DFB-Chefs Fritz Keller will der Verband die damaligen Vorgänge noch einmal eingehend untersuchen lassen. "Es ist höchst unbefriedigend, ja frustrierend, dass wir noch immer kein abschließendes Bild rund um die infrage stehenden Abläufe der WM 2006 haben. Damit will ich mich nicht abfinden", sagte Keller. Nun muss sich der DFB-Präsident mit weiterem Ungemach beschäftigen. (dpa)

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