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Eislöwen-Trainer verspricht: „Wollen Fans begeistern“

Vor dem Saisonstart spricht Andreas Brockmann über seine Fernbeziehung, den Umbruch in der Mannschaft und die Rückkehr der Zuschauer.

Andreas Brockmann ist seit Ende 2020 Cheftrainer bei den Eislöwen, jetzt kann der 54 Jahre alte Bayer mit den Dresdnern den Neuanfang starten. Dafür erwartet er Geduld – auch von sich selbst.
Andreas Brockmann ist seit Ende 2020 Cheftrainer bei den Eislöwen, jetzt kann der 54 Jahre alte Bayer mit den Dresdnern den Neuanfang starten. Dafür erwartet er Geduld – auch von sich selbst. © Matthias Rietschel

Dresden. Der Umbruch ist vollzogen. 18 Spieler haben die Dresdner Eislöwen ausgetauscht, darunter die vier ausländischen Profis. Für die neue und jüngere Mannschaft wird gleich der Start in diese Saison der Deutschen Eishockey-Liga 2 zu einer ersten Standortbestimmung: mit dem Sachsenderby in Weißwasser am Freitag, 19.30 Uhr, und der Partie in Bayreuth am Sonntag, 16 Uhr.

Cheftrainer Andreas Brockmann, 54 Jahre, spricht im Interview mit sächsische.de über Anspruch und die Ziele.

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Herr Brockmann, Sie sind seit dem 28. Dezember 2020 Trainer bei den Eislöwen. Welche Erwartungen an Dresden haben sich erfüllt, welche nicht?

Die vorige Saison war wegen der Umstände durch Corona sehr dubios, das habe ich abgehakt. Wir wollen etwas Neues aufbauen, dafür ist das knappe Jahr keine lange Zeit. Seit fünf Wochen arbeite ich mit der neuen Mannschaft, wir wollen uns Schritt für Schritt verbessern. Das ist eine sehr interessante Aufgabe, aber dafür braucht man Geduld, auch ich selber.

Und auf die Stadt Dresden bezogen – sind Sie angekommen?

In den ersten Monaten hatte ich drei Anlaufpunkte: das Eisstadion, mein Appartement-Hotel und den Supermarkt. Ich gehe aber gerne spazieren an der Elbe, auch im Umland. Vor zwei Wochen waren meine Frau und unsere beiden Söhne (vier und elf Jahre/Anm. d. Red.) da. Ihnen hat es sehr gut gefallen, sie kommen gerne wieder.

Ihre Familie lebt aber weiter in Lenggries bei Bad Tölz in Bayern. Wie organisieren Sie aus der Ferne?

Gute Frage, aber das müsste meine Frau beantworten. Sie muss das vor Ort alleine händeln, zum Glück haben wir Freunde, die sie unterstützen. Natürlich ist das keine einfache Situation auch für die Kinder, das merke ich. Ich versuche, ab und zu für einen Tag nach Hause zu fahren, und wir telefonieren sehr viel per Video. Aber das bringt der Job mit sich, wir haben es so besprochen.

Ein Umzug nach Dresden kommt nicht infrage, weil man als Trainer nie weiß, wie lange man im Amt bleibt?

Das ist auch ein Grund. Der wichtigere aber, dass unsere Kinder zu Hause aufwachsen. Wir sind sehr heimatverbunden und stolz auf unsere Heimat. Dort passt das Umfeld für meine Frau und die Jungs, deshalb sollen sie dort bleiben. Das ist acht, neun Monate eine sehr harte Zeit, dafür bin ich im Sommer länger am Stück zu Hause.

Sie haben die Eislöwen auf Platz 13 übernommen – und auf Platz 13 die vorige Saison beendet. Gab es trotzdem eine Entwicklung?

Wir waren zwischenzeitlich auf einem richtigen Weg und dran am achten Platz, dann hatten sich einige Leistungsträger verletzt. Es war einfach eine komische Saison unter den Corona-Bedingungen und ohne Zuschauer. Als es dann hieß, es gibt keinen Absteiger, war auch die Luft raus.

Jetzt gab es den personellen Umbruch. Worauf haben Sie bei den Neuzugängen besonders geachtet?

Die Mannschaft hat unser Sportdirektor Matthias Roos in Abstimmung mit mir zusammengestellt. Ich arbeite sehr gerne mit jungen Spielern. Wir haben jetzt auch einige, die zwar schon drei Jahre in der DEL gespielt haben, aber kaum Einsatzzeiten hatten. Die Jungs können nicht mit einem Fingerschnippen voll da sein. Sie müssen sich entwickeln dürfen. Das meine ich mit Geduld, da ertappe ich mich selbst auch.

Sie sind ungeduldig?

Ich behaupte, ich sei geduldig, aber im Inneren sieht es manchmal doch anders aus. Ich muss mich dann selber etwas bremsen.

Von wem erwarten Sie eine Führungsrolle im Team?

Jordan Knackstedt als Kapitän, das ist keine Frage. Die ausländischen Spieler, die neu dabei sind, müssen natürlich eine Führungsrolle einnehmen, genauso wie Vladislav Filin und Arturs Kruminsch. Ich will den Schritt aber auch bei Spielern mit 23, 24 Jahren sehen wie Timo Walther. Man kann allerdings nicht sagen, du übernimmst jetzt eine tragende Rolle, und dann klappt das. In die muss man reinwachsen durch Erfahrungen.

Die vier Stellen für ausländische Profis wurden mit Schweden besetzt nicht wie oft mit Kanadiern. Was verändert sich dadurch fürs Team und das Spiel?

Das habe ich auch zum ersten Mal, aber ehrlich: Es ist mir egal, woher die Spieler kommen, entscheidend ist, dass sie zu meiner Vorstellung passen, wie wir Eishockey spielen wollen, und wir sie als Mannschaft einbinden. Natürlich müssen sie liefern, das ist wichtig.

Befürchten Sie Grüppchenbildung?

Nein. Die Sprache in der Kabine ist Englisch, dadurch sind alle eingebunden. Eine gewisse Grüppchenbildung hat man in einem so großen Kader immer, das ist ganz normal. Aber ich sehe darin kein Problem, habe auch bisher nicht festgestellt, dass die vier immer zusammenhängen. Die Schweden sind sowieso sehr soziale Menschen.

Welchen Spielstil favorisieren Sie?

Ich will immer Druck machen, damit wir möglichst wenig in unserem eigenen Drittel sind. Das hört sich jetzt wahrscheinlich nach einem offensiven Feuerwerk an, muss es aber nicht unbedingt immer sein. Wenn ich Erfolg haben will, muss ich defensiv sehr gut spielen, aber das geht in der Offensive los. Es gehört sehr viel Disziplin dazu. Ich bevorzuge ein sehr schnelles Spiel, wir wollen immer Tempo machen.

Wie lautet das Saisonziel?

Ganz klipp und klar, dafür gehe ich in jede Saison: Wir wollen die Play-offs erreichen. Das wird schwer genug, weil die Liga sehr ausgeglichen ist, auch wenn es vom Kader her vier klare Favoriten gibt.

Die wären?

Frankfurt, Kassel, Ravensburg und Landshut. Auch Bad Nauheim und Bayreuth haben sich gut verstärkt. Aber ich denke nicht, was nach zehn Spielen oder bis Weihnachten sein könnte, sondern nur an die nächste Aufgabe. Und die steht für uns am Freitagabend in Weißwasser an.

Die Eislöwen haben die letzten Testspiele gegen die ersten Gegnerin der Meisterschaft bestritten. Was war der Sinn?

Da gibt es keinen Sinn. Wir hatten die Spiele ausgemacht, bevor die Ansetzungen von der Liga gekommen sind. Aber die Spiele von voriger Woche zählen nicht, es geht ab Freitag bei Null los. Da zählt das 5:1 in Weißwasser genauso wenig, als wenn wir 1:5 verloren hätten. Das Ergebnis müssen wir aus den Köpfen streichen, sonst werden wir Probleme bekommen.

Fehlt möglicherweise etwas an Motivation, weil die Eislöwen – Stand jetzt – nicht aufsteigen dürften?

Wenn mir einer erzählt, er braucht es zur Motivation, dass er aufsteigen kann, dann wäre der fehl am Platze. Die Motivation muss sein, jede Woche seine bestmögliche Leistung abzurufen, um mit dem Team so gut wie möglich abzuschneiden. Ob man am Schluss aufsteigen kann, den Gedanken hat jetzt keiner im Kopf.

Aber die Chance hätten Sie gern?

Die Möglichkeit sollte es immer geben, aber das liegt nicht an uns. Außerdem müssten wir Meister werden, damit würden wir uns schon wieder selbst zum Favoritenkreis zählen. Da läuft noch viel Wasser die Elbe runter, ehe wir darüber reden würden. Wir müssen erst einmal die 52 Spiele in der Hauptrunde bestreiten und dann sehen wir, wo wir stehen.

Was erwarten Sie für die Rückkehr der Zuschauer?

Ich habe leider, seit ich in Dresden bin, kaum Zuschauer in der Halle erlebt. Deshalb freue ich mich besonders auf die Atmosphäre. Wir wollen versuchen, die Zuschauer zu begeistern, damit möglichst viele gerne hierherkommen.

Wie gehen Sie intern mit dem Thema Corona um, wie ist der Impfstatus?

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Die Frage ist sehr intim, aber ich kann sagen, dass fast alle geimpft sind. Wir sind jetzt in der Zeit, in der mit dem Wetterumschwung vermutlich auch die Infektionszahlen wieder steigen. Das können wir nicht beeinflussen, werden uns aber vernünftig verhalten.

Das Gespräch führte Sven Geisler.

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