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Der stille neue Star des DSC

2012 war ihre Karriere fast vorbei, trotzdem wurde Jennifer Janiska zu einer der besten deutschen Volleyballerinnen. Dass sie nun in Dresden spielt, gilt als Sensation.

Für das Fotoshooting des neuen DSC-Kalenders waren auch von Jennifer Janiska Emotionen gefragt.
Für das Fotoshooting des neuen DSC-Kalenders waren auch von Jennifer Janiska Emotionen gefragt. © Christian Juppe

Dresden. Unter ihresgleichen wirkt sie fast ein bisschen normal. Unauffällig. Zumindest außerhalb des Spielfeldes. Jennifer Janiska schminkt sich, wenn überhaupt, nur leicht. Die blonden Haare bändigt die 26-Jährige meist zu einem Pferdeschwanz. Eine ganz normale Frau also?

Für ihren neuen Verein kommt die Volleyball-Nationalspielerin einem Hauptgewinn im Lotto gleich. Die gebürtige Nordhornerin reifte bei ihrem Ex-Klub, dem Schweriner SC, zur Weltklasseangreiferin. Fünf Jahre spielte sie dort – und gegen den Dresdner SC meist besonders effizient.

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Im Vorjahr wagte sie den Schritt zum italienischen Spitzenverein Conegliano, mit dem sie gleich mal den Titel des Klubweltmeisters holte. Sie ist damit neben der Dresdnerin Christiane Fürst (35) die einzige deutsche Volleyballerin, die diesen wichtigen Titel errang. Mit Conegliano war sie in der starken italienischen Liga bis zum corona-bedingten Saisonabbruch Spitzenreiter. Aufgrund der Unwägbarkeiten um die Pandemie löste sie ihren Vertrag jedoch auf und war plötzlich auf dem Markt.

Lobeshymnen sind Janiska peinlich

Der DSC nutzte die Möglichkeit und verpflichtete sie für zwei Jahre. „Ich hätte es mir nicht träumen lassen, dass wir mit einer Spielerin, die auf so einem Niveau agiert, einen Vertrag abschließen können“, sagt Trainer Alexander Waibl, der sonst eher sparsam mit Superlativen umgeht. „Ich hätte mir niemanden Besseren wünschen können. Manchmal ist es so, dass man das Optimale findet, das haben wir tatsächlich hinbekommen“, findet der 52-Jährige. Gut möglich – oder sogar sehr wahrscheinlich –, dass Janiska angesichts ihrer Vita und ihres Leistungsvermögens die Bestverdienerin im DSC-Kader ist.

Der Hochgelobten sind solche Lobeshymnen fast peinlich. „Wenn ich etwas von Königstransfer lese, denke ich: Okay“, sagt sie und zieht das letzte Wort künstlich in die Länge. Janiska macht sich nicht viel aus solchen Wertungen. Wichtig sei, dass sie sich einschätzen könne – und ihr Trainer. Aus dem Mädchen, das in Emlichheim, sechs Kilometer vor der Grenze zu den Niederlanden, aufwuchs, ist ein Top-Star im Volleyball geworden.

Und der hat sich für einen ungewöhnlichen Weg entschieden. Von Schwerin – über den Umweg Conegliano – nach Dresden. Wechsel zwischen den beiden seit vielen Jahren besten Vereinen in Deutschland sind selten. Vorher kamen nur Barbara Makowska, Beatrice Dömeland (beide 1998) und Jana Müller (2004) von Schwerin nach Dresden. „Jenni ist für uns ein Hauptgewinn“, findet Dömeland, die heute im Marketingbereich des DSC arbeitet.

Auch bei der Bildauswahl ist Jennifer Janiska dabei.
Auch bei der Bildauswahl ist Jennifer Janiska dabei. © Christian Juppe

Am Sonntag treffen die beiden Rivalen im Supercup erstmals in der neuen Saison aufeinander – mit Janiska auf ungewohnter Seite. Die 1,86 Meter große Außenangreiferin, die vor ihrer Hochzeit am 1. August unter ihrem Mädchennamen Geerties bekannt geworden ist, will zum stets spannenden Duell eigentlich nichts sagen. „Ich möchte das Feuer aus der Sache haben, will nicht der Brennpunkt sein. Ich habe mich für den DSC entschieden“, betont die Vize-Europameisterin von 2013. 

Der Supercup, bei dem der Pokalsieger Dresden den Meister aus Schwerin empfängt, braucht keine zusätzliche Brisanz. „Ich glaube, dass wir eine Generation sind, in der das auch eine Art Business ist. Natürlich kenne ich viele Leute auf der anderen Seite, aber das ist alles freundschaftlich. Das muss man für drei, vier Stunden ausblenden, das ist unser Job. Punkt.“

Auf die Frage, weshalb sie nicht zurück zum Schweriner SC gegangen ist, antwortet Janiska ausweichend. „Dass ich wieder nach Deutschland will, hat sich während der Coronapause herausgeschält. Klar, Italien war megageil, aber mir ist klar geworden: Ich möchte zurück“, erzählt sie. „Und da kommen drei Vereine infrage.“ Schwerin, Dresden und Stuttgart. Ihr Mann Daniel arbeitet in Schwerin als Bankkaufmann und kickt für einen Fußball-Landesligisten in Mecklenburg-Vorpommern.

Nun führen beide weiterhin eine Fernbeziehung, die jetzt auch eine Fernehe ist. „Eine Volleyballsaison ist ja endlich. Da Daniel auch sehr sportbegeistert ist, bringt er viel Verständnis auf“, sagt Janiska. Ihr Mann wird aller drei, vier Wochen zu Besuch kommen, dazwischen überbrücken sie die Entfernung mit Telefonaten.

Autofahren ging nicht mehr

Ohnehin ist sie eine Athletin, die mit Unwägbarkeiten souverän umgeht. Als 18-Jährige schien ihre Karriere bereits beendet, ohne dass sie richtig Fahrt aufgenommen hätte. Bei Janiska wurde damals eine Vorwölbung der Bandscheibe diagnostiziert, die konservative Behandlung schlug nicht an. „Ich konnte nicht Auto fahren, nicht sitzen, habe meine Abiturprüfungen im Stehen geschrieben. Ich hatte Schmerzen bis in den kleinen Zeh, auch wenn ich nichts gemacht habe“, erzählt sie. 

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Vielleicht kann Jennifer Janiska das eines Tages auch über ihre Entscheidung für den DSC sagen.

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