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Wie zwei Brüder die siebte Fußball-Liga erobern wollen

Paul und Franz Seifert trainieren die Fußball-Teams in Radeberg und Kesselsdorf - und treffen jetzt sportlich aufeinander. Auch privat verbindet die Söhne von Ex-Dynamo Gerd Seifert viel.

Von Jens Jahn
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Paul Seifert (links) und Bruder Franz Seifert mit den beiden Trophäen, welche die SG Kesselsdorf im abgelaufenen Spieljahr errungen hat.
Paul Seifert (links) und Bruder Franz Seifert mit den beiden Trophäen, welche die SG Kesselsdorf im abgelaufenen Spieljahr errungen hat. © privat

Radeberg/Kesselsdorf. Am Sonntag, 12 Uhr, kommt es im Radeberger Stadion an der Schillerstraße zu einem brisanten Freundschaftsspiel. Die Gastgeber, in der letzten Saison Tabellenzehnter in der Landesklasse Ost, empfangen dann die SG Kesselsdorf. Die Männer aus dem Wilsdruffer Stadtteil haben im abgelaufenen Spieljahr das Double aus Kreispokalsieg und Kreismeistertitel geschafft.

Die Brisanz dieser Partie geht von den Trainerbänken aus: Coach des RSV ist seit Beginn des Kalenderjahres der 36 Jahre alte Paul Seifert, Trainer der Gäste ist sein vier Jahre jüngerer Bruder Franz. Im Liga-Alltag werden sich beide Mannschaften aus dem Weg gehen: Radeberg spielt in der Oststaffel der siebten Liga, Aufsteiger Kesselsdorf wurde in die Landesklasse Mitte eingestuft.

In der Jugend auch bei Dynamo ausgebildet

Logisch aber, dass sich die Brüder mit ihren Teams wenigstens zu einem Testspielkick verabredet haben. Und nicht nur auf dem Fußballplatz sind die Seiferts eng verbunden. Auch in der Freizeit gibt es so manchen Grillabend mit den Familien. Paul hat zwei eigene Töchter, seine Frau Verena zwei Söhne.

„Wir sind eine richtige Patchwork-Familie“, erklärt Paul, der als Jugendlicher beim Dresdner SC sowie bei Dynamo Dresden seine Laufbahn einläutete. Für den FC Oberlausitz Neugersdorf bestritt er später zwölf Oberligaspiele und kam für Gelb-Weiß Görlitz und den Radebeuler BC 33-mal in der Sachsenliga zum Einsatz und erzielte 14 Tore. Ab und an schnürt er noch heute die Töppen für Kesselsdorf. Im letzten Punktspiel der vergangenen Saison durfte Paul ran und war beim größten Erfolg seines Bruders Franz, dem Aufstieg in die Landesklasse, dabei.

Die gesamte Familie trennen nur wenige Kilometer

Auch Franz war in der Sachsenliga aktiv – zunächst in Bischofswerda, danach gemeinsam mit Paul beim RBC. Er bestritt 24 Pflichtspiele in der sechsten Liga. 2016 kam Franz von Striesen in seinen Wohnort Kesselsdorf und übernahm 2019 das Zepter als Trainer.

Beide Seiferts bekamen den Fußball einst in die Wiege gelegt. Vater Gerd, der in wenigen Tagen seinen 61. Geburtstag feiert, spielte von 1981 bis 1985 bei Dynamo Dresden. Später war der gebürtige Görlitzer auch in Riesa, Erfurt, Bischofswerda und beim DSC aktiv. Der diplomierte Sportlehrer wohnt in Kleinopitz, damit trennen die gesamte Familie nur wenige Kilometer. Klar, dass bei den familiären Grillpartys auch über die große Leidenschaft, den Fußball, zur Genüge gefachsimpelt wird.

Sowohl Pauls Frau Verena als auch Doreen, die Freundin von Franz, bringen sehr viel Verständnis für das Hobby ihrer Männer mit. „Verena ist echt meine Traumfrau. Sie unterstützt mich immer, wenn es um Fußball geht“, sagt Paul. Franz, der bald zweifacher Vater wird, da Doreen Zwillinge erwartet, erklärt ebenfalls: „Ohne die klasse Bereitschaft Doreens würde das alles nicht funktionieren. Es ist toll, dass wir alle als Familie so eng zusammenhalten. Da wird sich oft gegenseitig geholfen, man sieht und hört sich häufig.“

Kesselsdorf will in neuer Spielklasse Fuß fassen

Für Franz geht es in der bevorstehenden Saison darum, als Aufsteiger mit den Kesselsdorfern in der höheren Spielklasse Fuß zu fassen. „Wir sind guter Dinge. Es ist eine junge, sehr willige und ehrgeizige Mannschaft. Viele Spieler kennen sich aus der Jugend. Das Durchschnittsalter beträgt 25 Jahre“, sagt der Spielertrainer der SGK. „Wir legen sehr viel Wert auf spielerische Mittel. Langes Ballschlagen gibt es bei uns nicht. Wir sind offensiv ausgerichtet und jeder Spieler verfügt über ein gutes Zweikampfverhalten.“

Im Aufstiegsjahr landeten Philipp Lotze mit 35 Toren und Niclas Wolf (29) auf Platz zwei und drei der Schützenliste, hinter dem Dohnaer Paul Kiontke (42). Mit einer tollen Aufholjagd konnte Kesselsdorf die Kicker aus Dohna auf der Zielgeraden noch abfangen. Im Kreispokal gab es im Finale ein 4:1 gegen den SSV Neustadt/Sachsen.

Einige Neuverpflichtungen stehen für die nächste Spielzeit fest: Mit Bruno Schneider und Kai Mittag kamen zwei Spieler aus Bannewitz, Florian Dettloff spielte zuletzt bei Wilsdruff II. Nils Taubert wechselt aus dem Nachwuchs des SC Freital nach Kesselsdorf und für den 17 Jahre junge Erik Schiller aus der eigenen Jugend wurde eine Sonder-Spielgenehmigung beantragt.

Radeberg hofft in neuer Saison auf Leistungssteigerung

Für Paul Seifert geht es mit den Radebergern in der neuen Saison um eine weitere Leistungssteigerung seiner Elf. „Aufgrund der Spielklassenreform wird es einige Absteiger mehr geben. Wir wollen die Klasse halten. Darüber hinaus wollen wir die Mannschaft systematisch verjüngen.“ Mit Mike Hirsch, Dirk Gierich, Patrick Schellenberg und Lars Haubold haben vier ältere Spieler ihre Laufbahn beendet. „Sie haben sehr viel für den Fußball in Radeberg getan“, erklärt Paul Seifert.

Mit Moritz Damm, dessen Vater Jacques jahrelang Keeper beim RSV war, Kevin Jerome Ellmer, Philipp Notz sowie Fabian Zinke wurden Youngster ins Team aufgenommen. Auch Luis Kärger aus Königswartha zählt erst 19 Lenze. Dahinter stehen starke Leute wie der 20-jährige Tormann Yannik Hartmann, den Seifert zu den besten Hütern der Liga zählt. „Florian Palme oder Felix Claus sind unverzichtbar im Team, Maurice Hagen hat einen Riesensprung im letzten Spieljahr getan. Auch Christian Noack hat sich toll eingespielt und Henry Hempel ist wieder voll in der Spur“, nennt Seifert einige Leistungsträger.