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Kirsten: Deshalb ist Broll jetzt so wichtig für Dynamo

Benjamin Kirsten ist 2011 mit Dresden aufgestiegen und weiß, welcher Druck auf einem Torwart lastet. Er verrät, wie er die jetzige Nummer eins sieht.

Kevin Broll ist Dynamos starker Rückhalt. Gegen Verl verhinderte er eine Niederlage.
Kevin Broll ist Dynamos starker Rückhalt. Gegen Verl verhinderte er eine Niederlage. © Foto: dpa-Zentralbild/Robert Michael

Dresden. Der Torwart hat eine Schlüsselposition. Einerseits kann er retten, was andere vor ihm verbockt haben, andererseits ist ihm kaum noch zu helfen, wenn er patzt. Deshalb sind es oft besondere Typen, die sich das zumuten, die diesen Kick aushalten – und gerade dann zu außergewöhnlichen Leistungen imstande sind, wenn es extrem knifflig wird. So einer ist Kevin Broll, Dynamos starker Rückhalt.

Der 25 Jahre alte Schlussmann ist keinesfalls fehlerfrei geblieben, erst nach dem 1:0-Sieg gegen Duisburg hatte ihn der neue Trainer öffentlich gerügt für zwei haarsträubende Fehlpässe im Spielaufbau. „Da gibt es keinen Schönheitspreis zu gewinnen, sondern man muss den Ball einfach mal raushauen“, sagte Alexander Schmidt. Broll hatte Glück gehabt, erst rettete ihn der Pfosten, dann bügelte er die Scharte mit einer starken Parade selbst aus.

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Beim torlosen Unentschieden in Paderborn gegen den SC Verl am Dienstagabend jedoch leistete er sich keinen Schnitzer, vielmehr bewahrte er die Schwarz-Gelben mehrmals vor einem Gegentreffer, am spektakulärsten mit einem Reflex nach dem Kopfball von Ex-Dynamo Justin Eilers. „Die Parade war Wahnsinn“, lobt der Chefcoach diesmal, während Broll seine Glanzleistung zufrieden-ironisch kommentiert: „Dass ich so einen guten Tag erwische, ist super für uns und blöd für die.“

In 16 von 35 Spielen hat er die Null gehalten, jetzt das dritte Mal in Folge. Das ist die Quote eines Aufstiegstorwarts. Ignjac Kresic kam 2003/04 auf 15 Zu-Null-Spiele von 33, Benjamin Kirsten – in der Rückrunde der Saison 2010/11 zur Nummer eins aufgestiegen – blieb in neun von 17 Partien ohne Gegentreffer. Das ist natürlich immer auch das Ergebnis der Defensivarbeit aller, für den Torwart aber auch ein zahlenmäßiger Beleg für die eigene Stärke.

"Punkt gegen Verl kann am Ende viel wert sein"

Diese Statistik allein bedeute jedoch „gar nichts“, meint Kirsten – und er verdeutlicht das: „Wenn du bei einer 4:0-Führung einen Elfmeter hältst, ist das fürs Team nichts wert, aber beim Stand von 0:0 oder 1:0 – das sind die wichtigen Momente, in denen du da sein musst.“ Ein solcher sei eben die Szene von Broll gegen Eilers gewesen. „Dadurch hat Dynamo gegen eine bessere Mannschaft, für mich die fußballerisch beste in der 3. Liga, einen Punkt geholt, der am Ende viel wert sein kann.“

Kirsten erinnert sich an 2011, als Dynamo in Babelsberg nur 1:1 spielte, aber die Konkurrenz danach strauchelte. Mit einer Niederlage gegen Verl hätten die Dresdner zwar nur einen Punkt weniger und würden hinter Hansa Rostock weiter auf einem direkten Aufstiegsplatz stehen, aber psychologisch wäre es eine andere Situation. „Deshalb ist es so wichtig, dass ein Torwart genau in solchen Phasen eines Spieles und einer Saison mit seiner Präsenz und seiner Reaktionsfähigkeit, mal einen Hundertprozentigen zu halten, die größtmögliche Sicherheit ausstrahlt – gerade, wenn die Mannschaft wie in Verl Schwächen zeigt.“

Als Retter in der Not muss ein Keeper besonders stressresistent sein, eine Eigenschaft, die Broll mitbringt. „Er hat eine gewisse Ruhe und selbst in Drucksituationen ein kleines Grinsen im Gesicht, das macht ihn aus“, meint Kirsten, der nach einer Meniskus-Transplantation weiter in der Reha arbeitet. Vom Spielstil war er einst ähnlich wie Broll, der mit dem Ball am Fuß kein Risiko scheut und mit spektakulären Torvereitelungen auf der Linie oder im Eins-gegen-Eins glänzt. „Ich war vielleicht verbissener, auf jeden Fall verkopfter. Ich habe mir mehr Gedanken gemacht über Fehler, die hakt er schneller ab“, meint der 33 Jahre alte Kirsten.

Benjamin Kirsten (l.) weiß, worauf es für einen Aufstiegstorwart ankommt. 2011 war er Dynamos Nummer eins – und feierte nach dem 3:1-Sieg in der Relegation beim VfL Osnabrück.
Benjamin Kirsten (l.) weiß, worauf es für einen Aufstiegstorwart ankommt. 2011 war er Dynamos Nummer eins – und feierte nach dem 3:1-Sieg in der Relegation beim VfL Osnabrück. © Foto: Archiv/Frank Dehlis

Für ihn war es allerdings eine besondere Herausforderung, bei dem Verein im Tor zu stehen, bei dem sein Vater Ulf als Stürmer zu einer Legende geworden war. „Ich hatte wenig Vorschusslorbeeren, viele haben es mir nicht zugetraut“, erinnert er sich, aber: „Ich habe hart gearbeitet und mir die Wachablösung verdient.“ Nach einem 2:3 in Saarbrücken entschied sich der damalige Chefcoach Matthias Maucksch zum Torwart-Wechsel von Axel Keller zu Kirsten. „Ich wusste um den Druck, um die Verantwortung.“

Broll ist dagegen auch in seinem zweiten Dynamo-Jahr als Nummer eins unumstritten, zumal Patrick Wiegers als erster Ersatzmann nach einem Kreuzbandriss fehlt. „Er kommt nicht aus einem Leistungszentrum, solche Spieler zeichnen sich häufig durch einen starken Charakter und großen Ehrgeiz aus“, sagt Kirsten über Broll. Das zeigte sich auch nach der 0:3-Klatsche gegen Halle, die zur Trennung von Trainer Markus Kauczinski führte. Broll geißelte die Leistung der Mannschaft öffentlich als „bodenlos“: „Du darfst nicht solche Schlaftabletten sein wie wir!“

Ein Weckruf. Nach dem 0:0 in Verl gibt sich der Torwart dagegen entspannt. „Wir müssen unsere Hausaufgaben machen und das gut“, meint Broll zur Aufstiegschance. Er hat das Spiel und seine Leistung vom Dienstagabend abgehakt und denkt an die nächste Aufgabe am Samstag zu Hause gegen Viktoria Köln. „Das wird kein Affentheater, sondern wieder richtiger Kampf“, meint er. „Da müssen wir vollen Mutes und hoffentlich mit frischen Wind rangehen.“

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Deshalb ist es gut zu wissen, einen wie ihn hinten drin zu haben. Die Gefahr, beim nächsten Mal doch der Depp zu sein, schreckt einen wie Broll jedenfalls nicht. „Wir haben uns die Position ja ausgesucht. Kevin weiß ganz genau, was es bedeutet, im Tor zu stehen. Das ist Fluch und Segen zugleich“, meint Benny Kirsten.

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