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Große Ernüchterung: Deutschland verliert in Leipzig

Weltmeister? So? Niemals! Die deutschen Fußballer kassieren unter Hansi Flick die erste Niederlage. Die sportlichen Zweifel an der Titelmission in Katar werden größer.

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Joshua Kimmich (l.), Jonas Hofmann (M.) und Thomas Müller haben Redebedarf - und die Ungarn allen Grund zum Feiern.
Joshua Kimmich (l.), Jonas Hofmann (M.) und Thomas Müller haben Redebedarf - und die Ungarn allen Grund zum Feiern. © dpa/Christian Charisius

Leipzig. Hansi Flick stapfte nach seiner ersten Niederlage als Bundestrainer völlig bedient in die Kabine. Zwei Monate vor der WM in Katar stehen plötzlich riesige Zweifel hinter der Mission fünfter Stern der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Nach dem ernüchternden 0:1 (0:1) gegen Ungarn im 14. Länderspiel unter Flick ist das Etappenziel Finalturnier in der Nations League außer Reichweite geraten.

„Gerade in der ersten Halbzeit haben wir nicht stattgefunden und alles vermissen lassen, waren im Passspiel viel zu langsam und haben viel zu viele Fehler gemacht“, sagte Wortführer Joshua Kimmich. „Der Gruppensieg in der Nations League war das klare Ziel, auch wenn man es in der ersten Halbzeit nicht gemerkt hat.“

Ein Traumtor per Hacke von Kapitän Adam Szalai in der 17. Minute sicherte den Gästen in Leipzig die Tabellenführung. Die DFB-Elf spielte eine furchtbare erste Halbzeit ohne Feuer und Kreativität. „Richtig Scheiße“ fand Jonas Hofmann das. Trotz der Leistungssteigerung nach der Pause war die erste Pleite im neunten Länderspiel in Leipzig nicht mehr zu verhindern.

Bis Katar bleiben Flick zwei Spiele, um den vierfachen Weltmeister doch noch in Turnierform zu bringen. Letzter Gegner in der Nationenliga ist am Montag in Wembley EM-Finalist England. Die WM-Generalprobe steigt am 16. November im Oman.

Deutschlands Torhüter Marc-Andre ter Stegen kann das Tor zum 0:1 durch Ungarns Adam Szalai (links) nicht verhindern.
Deutschlands Torhüter Marc-Andre ter Stegen kann das Tor zum 0:1 durch Ungarns Adam Szalai (links) nicht verhindern. © dpa/Robert Michael

Besonders besorgniserregend: Die 39.513 Zuschauer in der ausverkauften Arena bekamen mit Ausnahme der Corona-Ausfälle Manuel Neuer und Leon Goretzka eine Elf zu sehen, die so auch beim WM-Auftakt am 23. November gegen Japan denkbar erscheint. „Das kann man in der Form nicht sagen“, betonte Flick aber und verwies auf „viel Qualität und Potenzial“ in seinem Kader sowie Start-Kandidaten wie Jamal Musiala oder Kai Havertz.

Letzterem zog er im Sturmzentrum Timo Werner vor, von dem er „Tiefenläufe“ hinter die dicht gestaffelte ungarische Abwehr sehen wollte. Doch der RB-Profi blieb bei seinem Heimspiel vieles schuldig. Überhaupt fand die Offensive um Ersatzkapitän Thomas Müller, der die neue „One Love“-Binde trug, gegen gut sortierte Gäste kein Mittel. Auch die Passwege auf Organisator Kimmich wurden konsequent zugestellt. Goretzka-Ersatz Ilkay Gündogan brachte als Spielauslöser keine Gefahr. Die Abwehr um Boss Antonio Rüdiger und Nebenmann Niklas Süle wirkte unsicher. Neuers „ewiger“ Stellvertreter Marc-Andre ter Stegen musste bereits bei der ersten ungarischen Chance hinter sich greifen. Nach einer Ecke kam Müller gegen Szalai zu spät.

Mit Wiederbeginn nahm Flick mit Serge Gnabry einen der vier Krisen-Bayern in seiner Anfangsformation raus. Hinspiel-Torschütze Hofmann rückte nach vorn. Der eingewechselte Thilo Kehrer übernahm rechts in der Viererkette. Leroy Sane (51.) hatte den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte aber an Torwart Peter Gulacsi, neben Willi Orban und Dominik Szoboszlai einem von drei Leipzigern bei Ungarn. Die deutsche Elf zeigte nun ein deutlich intensiveres Pressing, stand in Ballbesitz höher, spielte wacher, aktiver – und plötzlich dominant. Endlich fanden Bälle in die gefährlichen Zonen, kamen die Gastgeber zu Chancen, aber zu keinem Treffer. (sid)