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Fußball forciert schnelle Rückkehr der Fans in Stadien

Dafür nimmt die Liga vorerst einen Flickenteppich in Kauf. Spitzenpolitiker warnen vor Sonderwegen und einer Wettbewerbsverzerrung.

Der Fußball kämpft um Zuschauer in Stadien.
Der Fußball kämpft um Zuschauer in Stadien. © dpa/Martin Meissner

Von Christian Hollmann, Marco Hadem und Christoph Trost

Berlin. Für das Warten auf eine gesamtdeutsche Regelung zur Rückkehr von Zuschauern fehlt dem Profifußball die Geduld. Mit der Zulassung von bis zu 4.500 Fans setzt der Bundesligist 1. FC Union Berlin am Samstag beim Test gegen den 1. FC Nürnberg das nächste Signal für den wachsenden Willen der Branche, die Geisterspiele zu beenden. "Die Liga muss überlegen, ob sie jetzt einen Flickenteppich will", sagt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder stellvertretend für viele Warner aus der Politik. Die Antwort des Fußballs ist klar: lieber Flickenteppich als keine Fans.

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"Wir müssen aufpassen, dass dieses Land nicht in Schreckstarre gelähmt wird", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert nach der Außerordentlichen Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga. Bis zu 8.500 Zuschauer beim Bundesligaanfang in Leipzig, etwa 4.000 Fans beim ersten Hertha-Heimspiel und eine Reihe von Zuschauer-Experimenten auch im DFB-Pokal - mit Zustimmung der örtlichen Ämter testen die ersten Klubs die Grenzen der regionalen Corona-Verordnungen aus.

Christian Seifert führt die Geschäfte der Deutsche Fußball-Liga und vertritt die Interessen von 36 Klubs.
Christian Seifert führt die Geschäfte der Deutsche Fußball-Liga und vertritt die Interessen von 36 Klubs. © dpa/Boris Roessler

Für Söder ist das "ein falsches Signal", sagte er am Freitag. "Es gibt in der Bevölkerung keine breite Mehrheit für Fußballspiele mit vollen Stadien." Der CSU-Chef bekräftigte seinen Zeitplan: "Unser Ziel ist, nach dem Oktober eine Perspektive für Spiele mit Zuschauern zu haben."

Doch auch im Freistaat hofft der FC Bayern, bald die Stadiontore wieder öffnen zu dürfen. Die Münchner bestätigten am Freitag ein Hygienekonzept, das eine Maximalzahl von rund 24.000 Fans in der Allianz-Arena vorsieht, falls die Behörden zustimmen. Der Fußball könne "ein Beispiel dafür geben, wie wir in unserer Gesellschaft die nächsten Schritte in dieser herausfordernden Zeit angehen", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge sieht in der Rückkehr von Fans in die Stadien ein "Beispiel dafür, wie wir in unserer Gesellschaft die nächsten Schritte in dieser herausfordernden Zeit angehen".
Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge sieht in der Rückkehr von Fans in die Stadien ein "Beispiel dafür, wie wir in unserer Gesellschaft die nächsten Schritte in dieser herausfordernden Zeit angehen". © dpa/Roland Weihrauch

Auch vom Dauerrivalen Borussia Dortmund gab es Unterstützung für die Pläne zur Fan-Rückkehr. "Wir fordern ja nicht ausverkaufte Stadien. Ich denke, ein sukzessiver Start tut der Branche gut. Ich würde mir wünschen, dass diese Tests, die bei einigen Vereinen anlaufen, positiv ausgehen", sagte BVB-Lizenzspielerchef Sebastian Kehl.

RB-Trainer Julian Nagelsmann verteidigte das heftig diskutierte Leipziger Modell. "Das ist keine Entscheidung aus dem Bauch heraus, sondern wissenschaftlich begründet", sagte er.

RB-Trainer Julian Nagelsmann verteidigt das Leipziger Modell als "wissenschaftlich begründet".
RB-Trainer Julian Nagelsmann verteidigt das Leipziger Modell als "wissenschaftlich begründet". © dpa/Miguel A. Lopes

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet sieht in Sachsen dagegen einen unfairen Sonderweg. "Natürlich ist das eine Wettbewerbsverzerrung, wenn in einem Stadion 8.000 Zuschauer sind und man einen Heimvorteil hat, und in einem anderen spielt man vor leeren Rängen", sagte der CDU-Spitzenpolitiker. "Man braucht in Deutschland vergleichbare Regeln." Die DFL habe nun die Aufgabe, faire Lösungen für alle 18 Bundesligisten zu erarbeiten. "Es ist jetzt schon ungut, dass eine Stadt es anders machen will", kritisierte Laschet.

Die DFL signalisierte zwar, in der von Bund und Ländern vereinbarten Arbeitsgruppe mitarbeiten zu wollen, die bis Ende Oktober bundeseinheitliche Bestimmungen für die Wiederzulassung von Zuschauern im Sport festlegen soll. Der Beschluss von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten zum bis Jahresende weiter geltenden Verbot von Großveranstaltungen sei aber für die DFL "nicht eine generelle Absage gewesen an Bundesliga-Spiele mit Zuschauern", betonte Seifert.

Auf Sitzen stehen Schilder mit Namen von Fans. Sie sollen bald in die Stadion zurückkehren.
Auf Sitzen stehen Schilder mit Namen von Fans. Sie sollen bald in die Stadion zurückkehren. © dpa/Uwe Anspach

Schließlich hätten alle 36 Klubs der 1. und 2. Liga wie gefordert ein Hygienekonzept vorgelegt, das auch eine Kontaktverfolgung vorsieht. Daher sei es auch nicht an der DFL, einzelnen Vereinen trotz lokal entspannter Infektionslagen die Rückkehr der Fans zu verwehren. Der Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, Michael Meeske, sieht darin sogar wichtige Pilotprojekte. "Das kann auch ein Leuchtturmthema sein für andere Sportarten, für die der Kartenverkauf durchaus noch relevanter sein kann und natürlich auch für andere Kultureinrichtungen", sagte er.

Söder sprach sich indes gegen Insellösungen aus: "Einheitliche Regeln im Sport sind besonders wichtig." Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte, das Vorgehen in der Fan-Frage solle "bundesweit abgestimmt" sein. Ähnlich sieht es Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl. "Es geht um unsere Gesundheit, ja, am Ende sogar um unser Leben", sagte der CDU-Politiker.

Spiele ohne Zuschauer sind auch für Bundestrainer Joachim Löw "nicht das, was man als Trainer oder Spieler möchte".
Spiele ohne Zuschauer sind auch für Bundestrainer Joachim Löw "nicht das, was man als Trainer oder Spieler möchte". © dpa/Christian Charisius

In Baden-Württemberg sind derzeit nur 500 Besucher in Stadien erlaubt. Die Fußball-Nationalmannschaft spielte wegen Vorgaben der Uefa am Donnerstag in Stuttgart sogar vor gänzlich leeren Rängen in der Nations League gegen Spanien. Das sei "nicht das, was man als Trainer oder Spieler möchte", sagte Bundestrainer Joachim Löw.

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Zusätzlichen Rückenwind erhoffen sich die Liga-Macher von mehreren Studien, die die DFL finanziell unterstützt. Untersucht werden sollen Ansteckungsgefahren diverser Zuschauer-Konzepte, die Fanbewegungen inner- und außerhalb der Stadien sowie die Verteilung von Aerosolen in Catering- und Sanitärbereichen. "Wir teilen die Ergebnisse mit allen Interessierten, auch mit der Politik", sagte Seifert. Mit dieser wissenschaftlichen Basis sollen offenbar weitere Zugeständnisse ermöglicht werden. (dpa)

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