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Regionalliga will bis wenige Stunden vorm Fest spielen

Der November-Lockdown bringt die Vereine der Fußball-Regionalliga in Not. Der Ausweg gefällt nicht allen. Gerade in Bischofswerda ist man nicht begeistert.

Ende September konnten sich die Spieler des Bischofswerdaer FV 08 noch freuen, gegen die zweite Mannschaft des Bundesligisten Hertha BSC gab es einen Punkt. Doch seither wird der Viertligist besonders von der Corona-Pandemie gebeutelt.
Ende September konnten sich die Spieler des Bischofswerdaer FV 08 noch freuen, gegen die zweite Mannschaft des Bundesligisten Hertha BSC gab es einen Punkt. Doch seither wird der Viertligist besonders von der Corona-Pandemie gebeutelt. © Steffen Unger

Leipzig. Die Meisterschaft in den drei höchsten Fußball-Spielklassen wird fortgesetzt, im Amateurbereich hat der Lockdown zum sportlichen Stillstand geführt. Dagegen stellt sich in den fünf Staffeln der viertklassigen Regionalliga die Frage: Handelt es sich um Amateur-Kicker oder Profi-Fußballer?

Pauschal lässt sich das nicht beantworten. In Sachsen wurden die Regionalligisten in der Kategorie Profi/Semiprofi eingestuft, da es sich um Vertragsspieler handelt und die einen wesentlichen Teil ihres Einkommens mit dem Fußball erzielen. Derzeit pausiert die Staffel Nordost, in der die fünf sächsischen Vertreter spielen. Bis spätestens 16. November sollen alle Teams aber wieder das Mannschaftstraining aufgenommen haben.

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Bischofswerda im Lockdown, Leipzig trainiert

Die Regionalliga West hatte sich bereits in der Vorwoche zum Weitermachen entschieden. Der Westdeutsche Fußballverband begründete das mit den professionellen Strukturen seiner Viertliga-Vereine und dem Einkommen der Spieler. Doch auch in der Regionalliga Nordost regte sich Widerstand gegen die ungeplante Spielpause. Nach einer Videokonferenz mit Vertretern der 20 Vereine stand die Rückkehr in den Trainingsprozess fest – aber längst nicht bei allen Klubs. 

So bleibt der Tabellenletzte Bischofswerdaer FV trotz Trainingsfreigabe in Sachsen im Lockdown, da die sehr hohen Corona-Infektionszahlen im Landkreis Bautzen ein Training aus Sicht der Vereinsführung nicht zulassen. „Ich kann kein Datum benennen, wann wir wieder einsteigen dürfen“, sagt Trainer Erik Schmidt.

Dagegen befindet sich beispielsweise Chemie Leipzig seit Freitag wieder im Training. Der Chemnitzer FC und der 1. FC Lok Leipzig begannen noch früher, wobei deren Spieler als Profis gelten und sich derzeit in Kurzarbeit befinden. Daher wird nur in zeitlich begrenztem Maß trainiert, um die Fitness der Fußballer zu gewährleisten.

"Die Krankheit kommt näher"

Bischofswerdas Präsident Jürgen Neumann glaubt nicht an eine zeitnahe Rückkehr zur Normalität: „Unser Landkreis ist Spitzenreiter bei den Infektionszahlen, eine Position, die der BFV schon lange nicht mehr innehatte. Ich persönlich glaube nicht an eine schnelle Ausnahmegenehmigung.“ 

Ähnlich sieht es sein Kollege Thomas Löwe vom 1. FC Lok Leipzig: „Gemessen an den steigenden Zahlen finde ich es unvernünftig. Die Krankheit kommt näher, Spiele fallen aus.“ Am Wochenende forderte Löwe nun, bis Weihnachten zu pausieren. Wann angesichts der gegebenen Umstände wieder gespielt wird, scheint offener denn je. „Die ungleichen Trainingsbedingungen sorgen für eine Wettbewerbsverzerrung“, stellt Schmidt klar.

Winterpause soll verkürzt werden

Der Plan ist ein anderer: Demnach soll die Meisterschaft in der Regionalliga Nordost spätestens am 25. November fortgesetzt werden. Um die jetzt nicht stattfindenden Spiele nachzuholen, könnte am 23. Dezember ein regulärer Spieltag angesetzt werden, eventuell sogar am 27. Dezember. Die Zusage der meisten Vereine dafür liegt bereits vor. Zudem soll die Winterpause verkürzt werden und die Punktspiele womöglich schon am 9. Januar 2021 weitergehen.

Die Option, Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit auszutragen, wurde von den Vereinen während der Videokonferenz zwar mehrheitlich akzeptiert, allerdings nur als zeitlich begrenzter Kompromiss. Debattiert wurde auch darüber, welche Szenarien denkbar wären, sollte sich das Verbot über den November hinaus verlängern. Fakt ist: Ohne die Unterstützung von Bund und der Länder geht es nicht.

Nordrhein-Westfalen gibt 15 Millionen Euro

So spielt die Regionalliga West ohne Zuschauer weiter, aber Nordrhein-Westfalen stellt der Liga bis zu 15 Millionen Euro zur Verfügung. Im nordostdeutschen Fußballbereich stellt sich die Situation schwieriger dar, denn die 20 Vereine verteilen sich auf fünf Bundesländer mit zum Teil unterschiedlichen Festlegungen. So war Germania Halberstadt (Sachsen-Anhalt) bis zum Sonntag der einzige Klub, der noch keine Trainingsfreigabe in seinem Bundesland erhalten hatte.

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Die Präsidenten der Regional- und Landesverbände im Deutschen Fußball-Bund haben sich indes nachdrücklich dafür ausgesprochen, bundesweit den Trainingsbetrieb im Amateursport wieder zuzulassen. Der an die Politik gerichtete Appell bezieht sich in erster Linie auf die Möglichkeit des organisierten Sporttreibens für Kinder und Jugendliche unter freiem Himmel und schließt dabei ausdrücklich nicht nur den Fußball ein. „Es gibt Kompromisse wie in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern oder Thüringen, wo der Amateursport noch beziehungsweise schon wieder stattfinden darf“, sagt Hermann Winkler, Präsident des sächsischen Verbandes.

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