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Was das 0:0 jetzt für Dynamos Aufstiegschance bedeutet

Die Nullnummer gegen Verl mit dem starken Ex-Dresdner Justin Eilers ist das maximal Mögliche am Dienstagabend, aber: Die Dresdner bleiben Tabellenführer.

Turbulente Szenen im Dynamo-Strafraum. Hier ist Torhüter Kevin Broll vor dem Ex-Dresdner Justin Eilers am Ball, der einen Fallrückzieher versucht.
Turbulente Szenen im Dynamo-Strafraum. Hier ist Torhüter Kevin Broll vor dem Ex-Dresdner Justin Eilers am Ball, der einen Fallrückzieher versucht. © PICTURE POINT

Von Tino Meyer, Paderborn

Es hätte der Abend der Vorentscheidungen im Aufstiegskampf sein können, doch das Gegenteil ist eingetreten. Drei Spieltage vor Schluss ist die Tabellenspitze in der 3. Fußball-Liga noch mal enger zusammengerückt. Weiter vorneweg: Dynamo Dresden. Mit dem 0:0 im Auswärtsspiel gegen den SC Verl verteidigen die Schwarz-Gelben die Tabellenführung – wenn auch mit viel Glück und nur dank eines herausragenden Kevin Broll im Tor.

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1:1 haben sich die Verfolger Rostock, wo schon die Aufstiegsfeier geplant wird, und Ingolstadt im direkten Duell getrennt. Und auch 1860 München punktet unbeirrt weiter, das 3:0 gegen Kaiserslautern ist das neunte ungeschlagene Spiel in Folge für den Aufstiegsgeheimtipp, der sich auf den dritten Platz verbessert hat.

Der Blick auf die Tabelle, so viel steht fest, ist für Dynamo mit Abstand das Beste an diesem stürmischen Dienstag in Paderborn. „Das Gute an dem Tag: Der Punkt kann am Ende Gold wert sein“, meint Trainer Alexander Schmidt danach, spricht von einem sehr schweren Spiel und dass man nicht zufrieden sein könne. „Der Geist war willig, aber die körperliche Fitness kritisch, sehr kritisch“, sagt Schmidt, der zuvor erklärte, auf Verls starke Offensive vorbereitet zu sein und ein gutes Gefühl zu haben.

Stürmisch sind nur Tief Eugen - und der SC Verl

Anders als die Wettervorhersage liegt er damit jedoch daneben. Stürmisch ist außer Verl nur der Wind. Tief Eugen ist ebenfalls zu Gast in Paderborn, wo Verl dieses Heimspiel austrägt – weil die Flutlichtanlage im eigenen Stadion zu schwach ist. „Wir haben es in der Hinrunde schon gesehen: Das Ergebnis war mit 4:1 klar für uns, aber als Aufsteiger spielt Verl mit den besten Fußball“, sagt Dynamos Sportchef Ralf Becker.

Panagiotis Vlachodimos wird im letzten Moment gestoppt. Wie ihm geht es der ganzen Dynamo-Mannschaft. Chancen erspielt sich fast nur Verl. Panagiotis Vlachodimos wird im letzten Moment gestoppt. Wie ihm geht es der ganzen Dynamo-Mannschaft. Chancen erspie
Panagiotis Vlachodimos wird im letzten Moment gestoppt. Wie ihm geht es der ganzen Dynamo-Mannschaft. Chancen erspielt sich fast nur Verl. Panagiotis Vlachodimos wird im letzten Moment gestoppt. Wie ihm geht es der ganzen Dynamo-Mannschaft. Chancen erspie © PICTURE POINT

So wie am 15. Dezember in Dresden ist es wieder: Verl dominiert, und das von der ersten Minute an. Schon nach 60 Sekunden bietet sich den selbstbewusst aufspielenden Gastgebern die erste große Chance, der Schuss von Mael Corboz aus 15 Metern aber ist zu schwach. In der achten Minute folgt die nächste Möglichkeit, diesmal scheitert Justin Eilers aus ähnlicher Lage. Und Dynamos Aufstiegsheld von 2016 hat dann auch nach 18 Minuten das Nachsehen gegen Torwart Kevin Broll, der mit einem unglaublichen Reflex den Kopfball aus Nahdistanz auf das fast schon leere Tor abwehrt. „Böse Zungen behaupten, ich habe immer noch ein Herz für Schwarz-Gelb. Den muss ich machen. Den hält er aber überragend. Da werde ich heute nicht gut schlafen können“, sagt Eilers danach, immer noch sichtlich konsterniert.

Sonderlob des Trainers für den Torhüter

Tatsächlich erwischt Broll einen Sahne-Tag, wie er danach selbst meint und wofür er von seinem Trainer ein Sonderlob erhält. „Die Parade“, meint Schmidt, „war Wahnsinn.“ Und ähnlich spektakulär hält Broll danach den abgefälschten Schuss von Corboz. Dynamo dagegen tut sich schwer, vorne wie hinten. Anderthalb Chancen haben aber auch die Dresdner, jeweils durch Panagiotis Vlachodimos. In der sechsten Minute läuft er allein auf Verls Torwart zu, zögert dann zu lange. Den Freistoß aus verheißungsvoller Position nach knapp einer Viertelstunde schießt er weit über das Tor.

Auch nach Standards kommt Dynamo nicht gefährlich zum Abschluss. Hier ist Verls Torwart Robin Brüseke vor Kevin Ehlers und Tim Knipping (verdeckt) am Ball.
Auch nach Standards kommt Dynamo nicht gefährlich zum Abschluss. Hier ist Verls Torwart Robin Brüseke vor Kevin Ehlers und Tim Knipping (verdeckt) am Ball. © PICTURE POINT

Ansonsten macht allein Verl das Spiel. Immer wieder rennt die Mannschaft von Trainer Guerino Capretti an, mit viel Tempo, mit Spielwitz und großer Variabilität im Angriff. Einen Fixpunkt gibt es dabei: Eilers. Nur ein Tor will weder ihm noch seinen Mitspielern gelingen. So wie in der Hinrunde, als es trotz Verls Überlegenheit zur Pause 1:0 für Dynamo stand. Damals erzielte Julius Kade mit einem Traumtor die Führung. Davon sind die Dresdner diesmal allerdings weit entfernt – nicht nur, weil Kade verletzungsbedingt fehlt. Anders als von Schmidt propagiert, reagiert Dynamo nur, statt selbst die Initiative zu ergreifen. Das ist so nicht zu erwarten gewesen, erst recht nach den guten Eindrücken zuletzt.

Überraschend ist auch Dynamos taktische Aufstellung – das aber zumindest keine Überraschung mehr. Von Schmidt trainierte Mannschaften sind generell schwer ausrechenbar. In seinem ersten Spiel vergangenen Mittwoch ließ der neue Trainer mit Abwehr-Viererkette spielen, drei Tage später verteidigte ein Trio. Diesmal sind es wieder vier. Zumindest die identische Aufstellung wie beim 2:0-Sieg gegen Uerdingen wäre es wohl geblieben, wenn es nicht kurzfristig zwei Ausfälle gegeben hätte (Bemerkung am Rande: Verls Trainer hat gleich acht Positionen neu besetzt).

Kapitän Mai auf Krücken nur als Zuschauer dabei

Während Kade mit einer leichten Blessur für die Partie am Samstag gegen Köln geschont wird, sind die Prognosen bei Sebastian Mai schlechter. Der Abwehrchef hat eine Knieverletzung und erlebt das Spiel an Krücken. Eine Diagnose soll es nach der Untersuchung in Dresden geben. „Die Mannschaft hat schon bewiesen, dass sie ohne ihn gewinnen kann. Dafür ist der Kader stark besetzt“, betont Schmidt.

Eine Hiobsbotschaft vor dem Anpfiff: Sebastian Mai sitzt neben Teammanagerin Marie Jenhardt auf der Bank, die Krücken verheißen nichts Gutes. Der Kapitän fehlt mit einer Knieverletzung, genaue Diagnose offen.
Eine Hiobsbotschaft vor dem Anpfiff: Sebastian Mai sitzt neben Teammanagerin Marie Jenhardt auf der Bank, die Krücken verheißen nichts Gutes. Der Kapitän fehlt mit einer Knieverletzung, genaue Diagnose offen. © PICTURE POINT

In der zweiten Hälfte soll sich zeigen, was er damit meint. Der Zweitliga-erfahrene Niklas Kreuzer und der slowenische U21-Nationalspieler Luka Stor kommen ins Spiel, sie würden wohl Stammkräfte sein bei vielen anderen Drittligisten – in Verl nicht, jedenfalls nach den Eindrücken der ersten Hälfte. Nach dem Seitenwechsel findet Dynamo etwas besser ins Spiel, aber nur für ein paar Minuten. Verl ist weiter hoch überlegen, hat fünf weitere große Chancen, wenn auch nicht von Eilers. Auswechseln lassen will er sich nicht, verrät sein Trainer im Anschluss: „Er hat gesagt, er macht noch ein Tor. Na ja ...“
Bei Dynamo geht nach vorne gar nichts mehr. Die Nullnummer, diese Erkenntnis reift ab der 70., 75. Minute, ist diesmal das maximal Mögliche für den Tabellenführer, der damit weiterhin aus eigener Kraft aufsteigen kann.

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