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Eine große Kulisse bei Dynamos Spiel auf Schalke

Die Dresdner spielen zum ersten Mal in der Arena in Gelsenkirchen – und mehr als 4.000 Dynamo-Fans dürfen dabei sein. Die Hintergründe vor dem Top-Spiel.

Von Sven Geisler
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Noch ist sie leer, aber am Samstagabend ist in der Arena auf Schalke mit der lautesten Kulisse seit Monaten zu rechnen. Dann ist Dynamo zu Gast.
Noch ist sie leer, aber am Samstagabend ist in der Arena auf Schalke mit der lautesten Kulisse seit Monaten zu rechnen. Dann ist Dynamo zu Gast. © Foto: Picture Point/Roger Petzsche

Dresden/Gelsenkirchen. Es ist ewig her, und das Ergebnis sollte vielleicht besser nicht erwähnt werden. Als Dynamo zum bislang letzten Mal im Gelsenkirchener Stadtteil Schalke antrat, spielten beide Vereine in der Fußball-Bundesliga. An jenem kühlen Freitagabend im November 1994 waren 23.900 Zuschauer im alten Parkstadion, in das sich mit zunehmender Spielzeit dichte Nebelschwaden senkten, wie die SZ berichtete. Seitdem gab es kein Duell mehr um Punkte.

Schalke war dreimal in Dresden: 2007 zu einem Spiel unter dem Motto „Gib Gas gegen Gewalt“ (1:1), 2009 zur Eröffnung des neuen Stadions (1:2) und zuletzt 2014 im DFB-Pokal, als Dynamo als Drittligist den Champions-League-Teilnehmer aus dem Ruhrpott sensationell mit 2:1 bezwang. Nun begegnen sie sich auf Augenhöhe zum Top-Spiel des elften Spieltages in der zweiten Liga am Samstagabend, 20.30 Uhr. Allerdings wird nicht an gleicher Stelle wie damals gespielt, sondern ein paar Hundert Meter weiter in der vor der WM 2006 errichteten Arena.

Das ist für Dynamo-Fans ein neuer „Ground“, wie es in der Szene heißt. Es ist also nicht nur der sportliche Reiz dieses besonderen Spieles, weshalb die 4.317 Karten für Gäste-Fans ruckzuck weg waren, die meisten gingen an Vereinsmitglieder und frühere Jahreskarteninhaber, die ein Vorkaufsrecht besitzen, nur rund 400 Tickets blieben für den freien Verkauf. „Wir freuen uns sehr über diesen großen Zuspruch und über die Unterstützung bei diesem Auswärtsspiel“, sagt Geschäftsführer Jürgen Wehlend.

Ultras Dynamo sind auf Schalke dabei

Es ist davon auszugehen, dass auch die Ultras Dynamo dabei sein werden. Das Auswärtsspiel beim FC St. Pauli hatten sie noch boykottiert, weil der Kiez-Klub auf die 2G-Regel setzt, also nur geimpfte oder vom Coronavirus genesene Zuschauer ins Millerntor-Stadion lässt, nicht aber getestete. Lediglich etwa 150 Dynamo-Anhänger widersetzten sich dem Aufruf aus dem K-Block.

Das Zeichen gegen Gewalt: Am 18. Juli 2007 bestritt Schalke 04 ein Benifizspiel gegen Dynamo im alten Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion unter dem Motto "Gib Gas gegen Gewalt". Die Partie endete 1:1, den Treffer für Dynamo erzielte Pavel David.
Das Zeichen gegen Gewalt: Am 18. Juli 2007 bestritt Schalke 04 ein Benifizspiel gegen Dynamo im alten Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion unter dem Motto "Gib Gas gegen Gewalt". Die Partie endete 1:1, den Treffer für Dynamo erzielte Pavel David. © Archivfoto: Robert Michael

Diesmal gibt es keinen Protest, was wesentlich daran liegt, dass in Nordrhein-Westfalen eine andere Coronaschutzverordnung gilt. Demnach dürfen auf Schalke die Sitzplätze wieder komplett besetzt werden, zudem sind wieder die Hälfte der Stehplätze erlaubt. Insgesamt könnten bis zu 56.617 Fans dabei sein. Schalke schaltet die 40.000 Dauerkarten frei.

Wegen dieser Öffnung wollen laut Medienberichten auch die Ultras Gelsenkirchen in die Arena zurückkehren. Die Sitzschalen, die während der Pandemie auf den Treppenstufen hinter einem Tor angebracht waren, wurden demontiert. Schalke-Profi Timo Becker postete ein Bild davon bei Instagram, das mit blauen Herzen und Emojis mit Herzaugen kommentiert wurde.

In Dresden waren einige Ultras zu Saisonbeginn zunächst auf die Dixie-Dörner-Tribüne gegenüber des K-Blocks gezogen, um für Stimmung zu sorgen. Mit der Freigabe für die Hälfte der Stehplätze durch das Gesundheitsamt, nahmen sie beim Heimspiel gegen Paderborn Ende August erstmals seit dem 2:1-Sieg im Sachsenderby gegen Erzgebirge Aue am 8. März 2020, dem letzten Spiel vor Corona, ihre angestammten Plätze ein. Allerdings gibt es für viele eine neue Hürde: die Kosten für den Corona-Test. Ein solcher Nachweis ist für nicht geimpfte oder genesene Fans auch für den Zugang auf Schalke erforderlich.

So laut wie beim Start eines Düsenjets

Es dürfte die lauteste Kulisse in der Arena seit Langem werden. Beim zweiten Heimspiel der „Königsblauen“ in dem 191-Millionen Euro teuren Bau, einem 3:1-Sieg gegen Hansa Rostock im August 2001, zeigte ein Schallmessgerät beim Torjubel 122 Dezibel an – das ist fast so viel Lärm wie beim Start eines Flugzeuges. Hinzu kommt die sowieso immer wieder besondere Atmosphäre unter Flutlicht.

Die emotionale Stadion-Eröffnung: Mit einer Pyro-Show wurde das neue Dresdner Stadion am 15. September 2009 feierlich eingeweiht. Als Gegner war der FC Schalke 04 zu Gast. Kevin Kuranyi erzielte vor 32.000 Zuschauern das erste Tor, für Dynamo traf beim 1:
Die emotionale Stadion-Eröffnung: Mit einer Pyro-Show wurde das neue Dresdner Stadion am 15. September 2009 feierlich eingeweiht. Als Gegner war der FC Schalke 04 zu Gast. Kevin Kuranyi erzielte vor 32.000 Zuschauern das erste Tor, für Dynamo traf beim 1: © Archivfoto: Robert Michael

Einerseits. Andererseits wurde die Partie als ein Hochrisikospiel eingestuft. Polizei und Vereine stimmen sich intensiv über Sicherheitsmaßnahmen ab. „Die Zusammenarbeit mit Schalke 04 und den jeweils zuständigen Behörden verläuft auf allen Ebenen sehr angenehm und sehr professionell – alle Beteiligten haben das Ziel, dass die Begegnung ein tolles Fußballfest wird“, betont Dynamo-Manager Wehlend.

Die Sensation im DFB-Pokal: Justin Eilers jubelt nach seinem Tor zum 1:0 per Elfmeter am 18. August 2014, Den zweiten Treffer beim 2:1-Sieg für Dynamo erzielt Nils Teixeira.
Die Sensation im DFB-Pokal: Justin Eilers jubelt nach seinem Tor zum 1:0 per Elfmeter am 18. August 2014, Den zweiten Treffer beim 2:1-Sieg für Dynamo erzielt Nils Teixeira. © Archivfoto: Robert Michael

In der Vergangenheit kam es bei solchen Höhepunkt-Spielen von Dynamo wiederholt zu Ausschreitungen wie zum DFB-Pokalspiel bei Borussia Dortmund vor zehn Jahren, das vor dem Abbruch stand, weil massiv Pyrotechnik gezündet und zum Teil auf den Rasen gefeuert worden war. Den daraufhin durch das Sportgericht verhängten Pokalausschluss für die nächste Saison, konnte der Verein abwenden – nach ähnlichen Vorfällen im Jahr darauf beim Spiel in Hannover nicht mehr. Im Oktober 2019 spielte Dynamo im Berliner Olympiastadion gegen Hertha BSC, erneut im DFB-Pokal, mehr als 30.000 Fans der Schwarz-Gelben sorgten für Stimmung, aber auch wieder für viel Feuer und Rauch – 89.900 Euro Geldstrafe.

Aber auch unter den Schalke-Anhängern gibt es gewaltsuchende und -bereite Fans. So kam es erst Ende September um das Spiel von S04 in Rostock zu Auseinandersetzungen, bei denen nach offiziellen Angaben acht Polizisten verletzt wurden, ein Einsatzwagen wurde in Brand gesetzt. Die Polizei war mit einem Großaufgebot von 1.200 Beamten im Einsatz.Es war das erste Ligaspiel zwischen Hansa und Schalke seit 13 Jahren, bei Dynamo ist es fast 27 Jahre her. Das Ergebnis? Sollte sich aus Dresdner Sicht besser nicht wiederholen.