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Eine Fernsehfrau drückt Dynamo die Daumen

TV-Reporterin Anett Sattler erklärt, warum sie bei frechen Fragen am liebsten lächelt, die 3. Liga spannender ist als Bundesliga und sie sich mehr Kritik wünscht.

Nett lächeln und frech fragen – Anett Sattler gibt den Fußballübertragungen von Magenta Sport ein Gesicht.
Nett lächeln und frech fragen – Anett Sattler gibt den Fußballübertragungen von Magenta Sport ein Gesicht. © Fotostand

Dresden. Eine Frau hinter dem Mikro am Spielfeldrand – für Anett Sattler ist das nichts Außergewöhnliches. 14 Jahre war sie bei Sport1, seit 2017 berichtet die gebürtige Potsdamerin für den Bezahlsender Magenta von den Spielen der 3. Fußball-Liga – oft aus Dresden. Im Interview erzählt die 37-Jährige, die auch Galas moderiert und eine Produktionsfirma leitet, wie sich ihre Arbeit unter Corona verändert hat und wieviele Zuschauer bei Dynamo einschalten.

Frau Sattler, warum steigt Dynamo am Saisonende auf?

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Weil sich die Mannschaft gefunden hat. In der Hinrunde war ich noch nicht so sicher, dass es funktionieren wird, aber man sieht nun, dass alle die Philosophie von Trainer Markus Kauczinski verinnerlicht haben. Dynamo tritt sehr souverän auf und stellt die beste Defensive der Liga, obwohl zwischenzeitlich viele Verteidiger gefehlt hatten. Solche Ausfälle kompensieren zu können, ist ein ganz wichtiger Punkt.

Dynamo hat wahrscheinlich das dickste Vereinskonto aller Drittligisten, kann sich so den besten Kader leisten und hat deshalb die meisten Punkte – ist der Erfolg also nicht zwangsläufig?

So einfach ist es nicht. Es gab in der Vergangenheit genügend Beispiele, wo das dicke Konto nicht zwangsläufig zum Aufstieg führte, wenn ich an den KFC Uerdingen in den ersten beiden Spielzeiten in der 3. Liga denke. Auf der anderen Seite haben Klubs wie der VfL Osnabrück gezeigt, dass man auch mit weniger Geld nach oben kommen kann. Natürlich ist es einfacher, wenn man Profis mit Zweitliga-Erfahrung im Kader hat, als wenn man ausschließlich auf U19-Talente und ehemalige Regionalliga-Spieler setzen muss. Dass es dennoch funktionieren kann, zeigen gerade die Aufsteiger Verl und Saarbrücken.

Rechnen Sie wie im Vorjahr mit Teams, die sich im letzten Saisondrittel aus dem Mittelfeld kommend noch auf die Aufstiegsplätze vorarbeiten?

Nein. Ich denke, es wird sich unter vier, fünf Teams entscheiden. Neben Dynamo sehe ich Hansa Rostock, den FC Ingolstadt, 1860 München und womöglich den SV Wehen Wiesbaden.

Ist die 3. Liga spannender als die 1. und 2. Bundesligen?

Sie ist ausgeglichener – und demzufolge spannender. Für die Fans und Zuschauer ist sie aber auch deshalb so interessant, weil die Typen andere sind. Für mich als Journalistin ist es ein großes Glück, dass die Spieler noch nicht so abgestumpft und nicht so geprägt sind von den Vorgaben der Presseabteilungen. Sie sind etwas unbedarfter, hauen schon mal einen raus, machen mal etwas Ungewöhnliches.

Könnte die Ausgeglichenheit auch an den TV-Geldern liegen? In der 3. Liga bekommt jeder Verein rund eine Million Euro, in den Ligen darüber ist das Gefälle dagegen riesig.

Ich kann die Summe nicht bestätigen. Mehr Geld schützt nicht vor Fehlern im Management. Die Ausgeglichenheit hat sicher damit zu tun, dass alle Klubs in der 3. Liga ihren Handlungsspielraum sehr effizient ausreizen müssen – sportlich und finanziell. Deshalb kann der Spitzenreiter nicht nur theoretisch beim Schlusslicht stolpern.

Steigt Dynamo auf, würden Sie wegen der Übertragungsrechte nicht mehr von den Spielen der Dresdner berichten können.

Warten wir’s mal ab. Aber da wäre tatsächlich ein lachendes und ein weinendes Auge dabei. Ich kenne und begleite den Verein seit einigen Jahren, würde natürlich gerne weiter dort arbeiten und mich freuen, wenn ich da in der neuen Saison wieder in einem vollen Stadion stehen könnte. Aber für Dynamo wäre der Aufstieg unheimlich wichtig – gerade aus finanzieller Sicht. Deshalb drücke ich uneigennützig die Daumen, dass es klappt.

Ist Dynamo für Magenta Sport ein Quotenbringer?

Klar hat Dynamo mit so vielen Fans mehr Aufmerksamkeit. Es gibt mehrere Vereine, da wissen wir, dass bei deren Spielen mehr Leute zuschauen als bei anderen. Und in diesen Zeiten, in denen die Fans nicht ins Stadion dürfen, sind es noch einmal mehr.

Werden nicht nur die 3. Liga und Champions League, sondern auch die Bundesligen und die Nationalmannschaft früher oder später bei Bezahlsendern wie Magenta Sport, Sky, DAZN und Amazon Prime landen?

Das ist eine Vermutung, die nahe liegt. Im Gegensatz zur Nationalmannschaft ist die Bundesliga nicht Teil des Rundfunkstaatsvertrages, von daher gibt es da auch keine rechtlichen Beschränkungen. Auf der anderen Seite glaube ich, dass die Ligen und Vereine weiterhin ein Interesse daran haben, zumindest einen Teil im Free-TV auszustrahlen. Vorbild könnte die Handball-Bundesliga sein, wo Sky hinter der Bezahlschranke sämtliche Spiele live zeigt und die öffentlich-rechtlichen Sender pro Saison bis zu zwölf. Klar ist aber auch: Sky, DAZN und die anderen zahlen den Klubs mehr für die TV-Rechte als beispielsweise die öffentlich-rechtlichen Sender.

Sie waren vor Magenta 14 Jahre im Free-TV bei Sport1. Wie unterscheidet sich die Arbeit bei den beiden Sendern?

Kaum. Für Sport1 war ich vor allem in der Handball-Bundesliga unterwegs, habe aber auch im Fußball die 2. Bundesliga, die Nationalmannschaft oder den VfL Wolfsburg in der Champions League begleitet. Im Vergleich dazu geht es in der 3. Liga deutlich entspannter zu. Anderswo wäre es undenkbar, einen Spieler oder Co-Trainer direkt nach der ersten Halbzeit auf dem Weg in die Kabine für ein Interview zu bekommen. Wir sind deutlich näher dran – wenn nicht gerade Corona ist.

Wie hat sich Ihre Arbeit in der Pandemie verändert?

Sie ist ein Stück weit unpersönlicher geworden. Man steht sich zwar gegenüber, das aber mit sehr viel Abstand. Ich trage die Maske, manchmal auch der Gesprächspartner. Da geht auf zwischenmenschlicher Ebene ganz viel verloren. Das ändert auch die Herangehensweise, zum Beispiel kann ich eine provokante oder freche Frage leichter stellen, wenn ich dabei lächle oder das mit einem Augenzwinkern verbinde. Die Mimik geht hinter der Maske total verloren.

Ist es im Jahr 2021 noch etwas Besonderes, Fußballreporterin zu sein?

Das ist in meinen Augen kein Thema mehr. Ich habe das auch bei meinen Anfängen vor nunmehr 20 Jahren, als der Anteil der Frauen noch viel geringer war als jetzt, nicht als Problem empfunden und deshalb nie überlegt, ob ich es als Frau anders machen muss als all die männlichen Kollegen.

Ihre Kollegin Claudia Neumann vom ZDF musste nach ihren Live-Spielen aber teilweise Kommentare verkraften, die weit unter die Gürtellinie gingen und die sie als Frau angegriffen haben.

Im Bereich Kommentar ist es schon noch ein Unterschied, weil es im Fußball kaum Frauen gibt. Und was da zum Teil über Frau Neumann geschrieben wurde, ging gar nicht. Natürlich wurde ich auch schon kritisiert, aber nie in meiner Rolle als Frau, sondern immer fachlich. Diese Sprüche hätte ich wahrscheinlich auch bekommen, wenn ich ein Mann wäre.

Gibt es von Trainern oder Spielern manchmal Manöverkritik, wenn die Kameras aus sind?

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Leider nur sehr selten. Ich würde mir öfter ein direktes Feedback wünschen. Wie sonst soll man auf bestimmte Befindlichkeiten Rücksicht nehmen, wenn es einem niemand sagt? Oft spüre ich es dann beim nächsten Interview, wenn der Gesprächspartner nicht mehr ganz so offen oder entspannt ist.

Das Interview führte Daniel Klein.

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