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Warum Dynamos Trainer die Schnauze voll hat

Markus Kauczinski kommt aus der Corona-Quarantäne und erfährt von der nächsten schweren Verletzung. So reagiert er auf die Hiobsbotschaft.

Dynamos Trainer Markus Kauczinski muss sich zum Start in die Rückrunde nach dem nächsten langfristigen Ausfall Sorgen ums Personal machen.
Dynamos Trainer Markus Kauczinski muss sich zum Start in die Rückrunde nach dem nächsten langfristigen Ausfall Sorgen ums Personal machen. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Am Freitagmorgen hat Markus Kauczinski den Müll runtergebracht. „Das war überfällig“, sagt der 50-Jährige und grinst. Für zehn Tage war Dynamos Trainer nach einem positiven Corona-Test in seiner Wohnung eingesperrt – und hat den Kampf gegen den Bewegungsmangel klar mit 0:2 verloren, wie er erzählt. „Ich bin mal ein paar Schritte um den Tisch gegangen, habe aber kein Workout auf dem Boden oder Balkon gemacht, sondern das verschoben auf bessere Zeiten.“

So ist er nach der Quarantäne, in der er auch am Kader gebastelt hat, frohen Mutes zur Arbeit gefahren, doch dort erreichte ihn die schlechte Nachricht: Saison-Aus für Stammspieler Robin Becker! Die Rückrunde beginnt für die Dresdner am Samstag, 14 Uhr, mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern. Der 24 Jahre alte Rechtsverteidiger hat sich im Training am Donnerstag einen Kreuzbandriss im rechten Knie zugezogen. Das wiederum findet Kauczinski alles andere als lustig: „Wir haben langsam die Schnauze voll von diesen schweren Verletzungen und langen Ausfallzeiten.“

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Außer Becker werden das große Sorgenkind Chris Löwe, Marco Hartmann (beide Knie) und Patrick Weihrauch, der am Sprunggelenk operiert worden ist, noch wochenlang fehlen. Immerhin ist Sebastian Mai nach einer Knieverletzung zurück. Für den Kapitän kam die Corona-Zwangspause sogar gelegen, um an seiner Physis zu arbeiten. Trotzdem mahnt der Trainer: „Er war nicht nur drei Tage raus oder eine Woche, sondern hat schon etwas Substanz verloren.“

Hartmann im Zeitplan, aber nicht vor Comeback

Bereits am 11. Dezember hatte Dynamo mitgeteilt, dass Mai einen Innenbandanriss im rechten Knie erlitten hat. Seitdem fehlt auch Hartmann wieder, eine Muskelansatzverletzung des rechten Knies und ein Knochenmarködem wurden diagnostiziert. An ein Comeback des 32-Jährigen, der noch ein Jahr spielen will, ist derzeit nicht zu denken. Er liege mit dem Heilungsverlauf im Zeitplan, heißt es zwar, wie so oft ist es bei Hartmann aber etwas komplizierter. Er absolviert ein Reha-Programm und wird nicht vor Ende Januar mit dem Aufbautraining beginnen.

In dieser Szene aus dem Spiel gegen Verl greift sich Dynamos Robin Becker an sein rechtes Knie, jetzt hat er sich im Training das Kreuzband gerissen.
In dieser Szene aus dem Spiel gegen Verl greift sich Dynamos Robin Becker an sein rechtes Knie, jetzt hat er sich im Training das Kreuzband gerissen. © Lutz Hentschel

Das absolviert inzwischen Löwe, der sich am 20. Oktober im Spiel gegen Zwickau am linken Knie verletzt hatte. Anfangs gab es so etwas wie Entwarnung: kein Kreuzband-, sondern ein Außenbandriss und eine Knochenprellung. Die Hoffnung des 31-Jährigen, schon Ende des Jahres 2020 wieder auf dem Platz zu stehen, erfüllte sich jedoch nicht.
In dieser Woche hat Dynamo mit Leroy Kwadwo von den Würzburger Kickers deshalb vorsichtshalber einen weiteren Linksverteidiger verpflichtet. Auch für Weihrauch wurde mit Heinz Mörschel aus Uerdingen ein Ersatz geholt. Beide werden für die Partie gegen Kaiserslautern im Kader stehen, verrät Kauczinski.

Weitere Transfers sollte es im Winter eigentlich nicht geben. „Das ist erledigt. Wir glauben absolut an unsere Mannschaft, die Qualität ist zu hoch, als dass wir wild Leute verpflichten würden“, erklärte Kristian Walter, Chefscout und Kaderplaner, dazu in dieser Woche in einem Gespräch mit der SZ.

Doch prompt tut sich die nächste Lücke auf. Becker, der im Sommer aus Braunschweig nach Dresden kam, war nach Muskelfaserriss und Problemen im Oberschenkel zuletzt wieder rechts in der Viererkette gesetzt. Zuvor hatten ihn erst Max Kulke, dann Ransford-Yeboah Königsdörffer und schließlich Kevin Ehlers vertreten. Diese Namen nennt Kauczinski auch jetzt als mögliche Vertreter. Wirklich überzeugt haben sie alle auf der für sie ungewohnten Position jedoch nicht, weshalb der Trainer auf eine Dreierkette in der Abwehr umgestellt hatte – bis eben mit Mai und Hartmann zwei Innenverteidiger ausfielen.

Sein Stoßseufzer ist also durchaus verständlich. „Das tut unheimlich weh – uns, aber vor allem Robin persönlich“, sagte Kauczinski zur neuen Hiobsbotschaft. Dabei wollte Becker nach dem unglücklichen Zweikampf zunächst weitermachen, „weil die Schmerzen nicht so schlimm waren“, wie er in der Mitteilung des Vereins zitiert wird. „Aber es hat nicht lange gedauert, bis ich gemerkt habe, dass irgendetwas mit meinem Knie nicht stimmt.“ Das bestätigte die Untersuchung in der Uniklinik.

Belastung eine Ursache für Verletzungen?

Während er mit den Mannschaftsärzten in den nächsten Tagen die Operation plant, um sich anschließend auf die Reha zu konzentrieren, muss Kauczinski gemeinsam mit Sportgeschäftsführer Ralf Becker und Kaderplaner Walter neu nachdenken. „Es ist alles noch ganz frisch, wir müssen es erst einmal sacken lassen“, meinte der Trainer, sagte aber: „Wir machen uns schon Gedanken, wie wir es kompensieren können und welche Möglichkeiten wir haben, uns noch mal zu verstärken.“

Eine Ursache für die häufigen Verletzungen, die nicht nur Dynamo treffen, könnte das hohe Pensum sein. Nachdem bereits die vorige Saison nach der Corona-Zwangspause im Frühjahr kompakt durchgezogen wurde, bleibt seit August kaum Zeit zur Regeneration. In der 3. Liga gab es in der Hinrunde drei englische Wochen, die nächste steht jetzt an – für Dynamo mit drei Spielen in sechs Tagen gegen Lautern, am Dienstag in Mannheim und Freitag gegen Bayern München II.

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Vielleicht war die Pause durch die coronabedingte Absage der Partie gegen Wiesbaden sogar von Vorteil. „Wir haben das Beste draus gemacht“, so Kauczinski. Er meint die sechs Tage Individualtraining in kleinen Gruppen. „Es war die Gelegenheit, an Grundlagen, Ausdauer und Intensität zu arbeiten.“ Das könnte sich noch auszahlen.

Wir berichten vom Spiel gegen Kaiserslautern ausführlich hier im Liveticker.

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