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Dynamos Stefaniak: „Verstehe die Aufregung nicht“

Kein Platz mehr für den Rückkehrer? Nach einer Verletzung ist der 25-Jährige den Platz in der Startelf vorerst los. Wie er darüber denkt, sagt er im Interview.

Marvin Stefaniak hat in den vergangenen drei Jahren viel gelernt, vor allem, dass er für sich selbst verantwortlich ist.
Marvin Stefaniak hat in den vergangenen drei Jahren viel gelernt, vor allem, dass er für sich selbst verantwortlich ist. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Es ist gerade mal zwei Monate her, seit Marvin Stefaniak zu dem Verein zurückgekehrt ist, bei dem er seine bisher erfolgreichste Zeit erlebt hatte. Mit Dynamo Dresden ist er 2016 aufgestiegen, hat in der 2. Bundesliga gespielt. Nach dem Wechsel zum VfL Wolfsburg stagnierte seine Karriere jedoch, kam er auch in Nürnberg und Greuther Fürth nicht zum Zuge. Nun will er in der Heimat neu starten. Im Interview zieht der 25-Jährige eine erste Bilanz.

Marvin, wie haben Sie sich eingelebt?

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Sehr gut. Es ist ein schönes Gefühl, wieder zu Hause zu sein und für Dynamo zu spielen. Das allein ist für mich etwas Besonderes. Meine Familie ist jetzt auch nachgekommen, wir haben eine schöne Wohnung. Seit dieser Woche ist das Einräumen abgeschlossen, wir fühlen uns sehr wohl.

Der Umzugsstress ist also bewältigt?

Das haben wir gerne auf uns genommen, denn es war nicht einfach, wenn deine Frau und zwei Kinder in Nürnberg warten, obwohl sie auch hierher gehören. Meine Frau ist Dresdnerin, unsere Familien leben hier. Jetzt sind wir alle wieder zusammen, etwas Schöneres gibt es nicht.

Sie hatten bei Dynamo einen vielversprechenden Neustart, standen nach zwei Wochen bereits in der Startelf. Hat Sie das selber überrascht?

Ich habe natürlich nicht damit gerechnet, bin aber froh, dass es so schnell funktioniert hat. Die Jungs haben es mir leicht gemacht, ich bin gut in die Mannschaft reingekommen und habe mein Bestes gegeben, um sie zu pushen. Wir hatten eine schwierige Phase mit den Niederlagen gegen Zwickau und in Ingolstadt, haben aber dann den Aufschwung hinbekommen. Das freut mich und ich denke, dass ich dem Team dabei auch weiterhelfen konnte.

Bis Sie wegen einer Verhärtung im Oberschenkel für das Ost-Duell bei Hansa Rostock ausgefallen sind - eine Verletzung zur Unzeit?

Wann käme eine Verletzung denn zur richtigen Zeit? Es war ein bitterer Moment, klar. Ich hatte vorher lange nicht gespielt, der Körper musste sich an die Belastung erst wieder gewöhnen und hat mir signalisiert: bis hierhin und nicht weiter. Das war natürlich Mist für mich, aber es macht keinen Sinn, über den Schmerz zu gehen und eine schwerere Verletzung zu riskieren.

Seit Sie wieder fit sind, haben sie keinen Stammplatz mehr, wurden zweimal eingewechselt. Wie beurteilen Sie die Situation für sich?

Ich verstehe die Aufregung nicht, ehrlich gesagt. Als ich hier angekommen bin, habe ich deutlich gesagt, dass ich zwar einen hohen Anspruch an mich selbst habe, aber keinerlei Ansprüche an den Trainer oder den Verein stelle. Für mich ist diese Rückkehr zu Dynamo die Chance, alles auf Null zu drehen und von vorne anzufangen. Ich weiß, dass das in der aufgeregten Fußballwelt nicht so einfach ist. Um das klar zu sagen: Es ist mir nicht egal, ob ich von Anfang an spiele oder auf der Bank sitze. Aber ich kann und will der Mannschaft auch weiterhelfen, wenn ich von der Bank komme. Es geht nicht darum, dass ich gut aussehe, sondern dass wir gemeinsam erfolgreich sind.

Standards wie Eckbälle sind eine Stärke von Marvin Stefaniak. In Dynamos Aufstiegssaison 2015/16 hat er 17 Tore vorbereitet und vier selbst erzielt. Daran will er selbst wieder anknüpfen.
Standards wie Eckbälle sind eine Stärke von Marvin Stefaniak. In Dynamos Aufstiegssaison 2015/16 hat er 17 Tore vorbereitet und vier selbst erzielt. Daran will er selbst wieder anknüpfen. ©  dpa/Robert Michael

Haben Sie in den drei Jahren seit Ihrem Wechsel zum VfL Wolfsburg gelernt, mit solchen Situationen besser umzugehen?

Ja, vor allem in der vorigen Saison, als ich zu Greuhter Fürth ausgeliehen war. Die wichtigste Erkenntnis ist: Ich bin alleine für mich verantwortlich. Wenn ich meine Leistung bringe, mich im Training reinhänge, für mich zusätzlich zum Beispiel im Kraftraum arbeite, kann ich in den Spiegel gucken und sagen, alles dafür getan zu haben, um auf dem Platz zu stehen. Die Entscheidung liegt letztlich beim Trainer.

Sie mussten lernen, sich auf sich selbst zu konzentrieren?

Ja, ich glaube, dass mancher junge Fußballer das so nicht gleich verinnerlicht hat: nicht auf andere schauen, sondern ehrlich mit sich selbst sein. Wenn du nicht gut trainierst, kannst du nicht erwarten, dass du am Wochenende spielst. Andersrum kannst du, wenn du dich in jeder Einheit reinhängst, auch etwas bewirken, wenn du in den letzten Minuten reinkommst.

Warum hat das beim 0:0 gegen Uerdingen zuletzt nicht geklappt, als Sie in der Schlussphase eingewechselt worden sind?

Ich hatte mir natürlich vorgenommen, noch einen Impuls zu geben. Leider hat dann Harti (Marco Hartmann/d. Red) unglücklich die Gelb-Rote Karte gesehen. Dann muss man als Mannschaft kompakt auftreten und auch als offensiver Spieler vor allem defensiv arbeiten, damit die Null hinten steht. Das haben wir geschafft.

Sie haben früher Linksaußen gespielt, Trainer Markus Kauczinski sieht sie aber zentral hinter den Spitzen. Welche Position favorisieren Sie?

Ich bin offensiv flexibel einsetzbar. Natürlich habe ich auf der linken Seite schon abgeliefert und fühle mich dort wohl. Trotzdem beharre ich nicht stur auf dieser Position. Meine Stärken kann ich auch in anderen Rolle einbringen und mich weiterentwickeln.

In der Saison 2016/17 bestritt Marvin Stefaniak für Dynamo 26 Spiele in der 2. Bundesliga. Die Fans feierten ihn wie hier nach einem 5:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart.
In der Saison 2016/17 bestritt Marvin Stefaniak für Dynamo 26 Spiele in der 2. Bundesliga. Die Fans feierten ihn wie hier nach einem 5:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart. © Robert Michael

Sie werden an Ihrer Vergangenheit bei Dynamo gemessen, als sie in der Aufstiegssaison 2015/16 mit vier Toren und 17 Vorlagen glänzten. Wie gehen Sie mit der Erwartungshaltung um?

Das will ich wieder zeigen, ganz klar. Ich kann nach wie vor gefährliche Standards spielen, auch wenn bisher kein direkter Assist in der Statistik steht. Ich lasse mich deshalb nicht aus der Ruhe bringen und habe auch schon ein paar gute Bälle gespielt, die letztlich zu Toren führten. Das gibt mir Selbstvertrauen.

Inwiefern hat sich die 3. Liga seitdem verändert?

Es ist nach wie vor viel Kampf, wird oft mit langen Bällen agiert. Trotzdem ist die Qualität noch mal höher, auch weil die Liga extrem ausgeglichen ist. Man sieht bereits jetzt, dass es von Platz eins bis mindestens zehn sehr eng zugeht. Es haben mehrere Vereine die Möglichkeit, nach oben zu gehen, deshalb wird es immer schwieriger. Natürlich wollen wir uns irgendwann absetzen und ein kleines Polster schaffen. Dann kann man auch mal aus Versehen ein Spiel verlieren.

Was bedeutet es, jetzt bereits Spitzenreiter zu sein?

Es ist eine schöne Momentaufnahme, die der Mannschaft und dem Umfeld gut tut. Wenn es etwas wert sein soll, dürfen wir uns darauf nicht ausruhen, sondern müssen genauso weitermachen und Punkte holen.

Wie bewerten Sie den einen Punkt gegen Uerdingen?

Man muss anerkennen, dass Uerdingen dagegengehalten und versucht hat, uns wehzutun. Nach dem Platzverweis können wir froh sein, den einen Punkt mitgenommen zu haben. Natürlich hätten wir zu Hause in unserem Wohnzimmer lieber drei Punkte eingefahren.

Wie fühlt es sich denn an, in einem leeren Wohnzimmer zu spielen?

Das ist nicht der Fußball, wie wir ihn lieben. Es ist schwierig für die Fans, schwierig für uns Spieler, schwierig für alle. Allerdings geht die Gesundheit vor, deshalb müssen wir uns an die Vorgaben halten und das Beste aus der Situation machen. Aber es stimmt schon, das ist wie derzeit bei mir zu Hause. Da steht im Moment nur die Couch, das Drumherum fehlt noch - wie im Stadion die Fans. Dennoch sind wir uns bewusst, dass wir für sie spielen. Wir müssen uns selbst pushen wie im Derby gegen Rostock.

Am Samstag steht das Ost-Duell in Halle an. Wie muss Dynamo das angehen?

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Wieder genauso motivieren und an die Leistungsgrenze gehen. Natürlich geben Zuschauer im Stadion den gewissen Kick, aber auch wenn sie fehlen, wollen wir die drei Punkte mit nach Dresden nehmen.

Das Gespräch führte Sven Geisler.

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