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Dynamo gegen Meppen? Da war doch mal was

Es ist eine Premiere - in der Liga. Im Pokal musste Dynamo schon mal ins Emsland. Matthias Maucksch erinnert sich und sagt, wieso es auch jetzt ein harter Kampf wird.

Matthias Maucksch hat 1994 mit Dynamo im DFB-Pokal in Meppen gespielt - und 1:0 gewonnen. Die Spielweise des Gegners sei immer noch die robust und körperbetont.
Matthias Maucksch hat 1994 mit Dynamo im DFB-Pokal in Meppen gespielt - und 1:0 gewonnen. Die Spielweise des Gegners sei immer noch die robust und körperbetont. © Robert Michael

Dresden. Dynamo treffe auf vier neue Gegner, hieß es vor dieser Saison. Das stimmt so jedoch nur für zwei, nämlich Türkgücü München und Viktoria Köln. Schon das Heimspiel gegen Waldhof Mannheim war streng genommen keine Premiere. Bereits am 27. Mai 1985, also vor dem Mauerfall, standen sich die Mannschaften beider Vereine im Dresdner Stadion in einem "internationalen Fußballvergleich" gegenüber, ein Freundschaftsspiel zwischen Ost und West durfte es im Kalten Krieg offiziell natürlich nicht geben.

Die Schwarz-Gelben gewannen mit 3:1 gegen den damaligen Bundesligisten. Torsten Gütschow per Kopf, Reinhard Häfner nach einem Solo und Hans-Jürgen "Dixie" Dörner mit einem straffen Schuss aus 18 Metern erzielten die Tore. Ein gutes Jahr vorher, am 10. April 1984, endete das Hinspiel in Mannheim 0:0.

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Am Sonnabend gibt es nun wieder ein erstes Mal, zumindest in einer gemeinsamen Liga. Denn auch mit dem SV Meppen hat Dynamo bereits einen heißen Kampf geliefert, wie sich Matthias Mauchsch an den knappen 1:0-Sieg in der ersten Runde des DFB-Pokals am 14. August 1994 erinnert. "Die haben immer engagiert gespielt", sagt der 51-Jährige, seinerzeit Stammspieler bei den Dresdnern in der Bundesliga. Meppen, eine 35.000-Einwohner-Stadt in Niedersachsen nahe der niederländischen Grenze, war einst der Inbegriff für ungeliebte Auswärtsfahrten in der 2. Bundesliga.

"Sie haben mit ihrer rustikalen Spielweise die Gegner beeindruckt und meist souverän den Klassenerhalt geschafft", meint Maucksch. Von 1987 bis 1998 behauptete sich der Sportverein gegen die teils namhafte Konkurrenz. Auch Dynamo tat sich schwer im Emsland, wie der Spielbericht in der Sächsischen Zeitung bestätigt: "Der Meppener Zweitliga-Mannschaft, die aus Verletzungsgründen auf drei Leistungsträger verzichten musste, gelang es immer wieder, die Kombinationsversuche der Schwarz-Gelben schon im Ansatz zu stören."

Dynamos Torschütze sollte nach Chemnitz

Kurios: Dynamos Torschütze Werner Rank hatte vorher schon zur Probe beim Chemnitzer FC gespielt - in einem Test gegen Dynamo. Der Vertrag mit dem CFC war de facto fix, plötzlich hatten die Dresdner aber im Angriff einen personellen Engpass. Also musste Rank in Meppen noch mal einspringen. „Danach hat Präsident Rolf-Jürgen Otto sein Veto eingelegt; ich musste bleiben“, erzählt er für das Buch "Dynamos vergessene Helden" über die Bundesliga-Zeit.

So berichtete die Sächsische Zeitung am 15. August 1994 von Dynamos 1:0-Sieg in der ersten Runde des DFB-Pokals beim SV Meppen.
So berichtete die Sächsische Zeitung am 15. August 1994 von Dynamos 1:0-Sieg in der ersten Runde des DFB-Pokals beim SV Meppen. © Repro: SZ

Den Durchbruch, wie es Rank nach seinem Pokaltreffer angekündigt hatte, schafft der Stürmer in zwei Jahren nicht, kommt in der Bundesliga lediglich zwölfmal zum Einsatz. Erst später wird er zu einem Weltrekordler. Maucksch ist dagegen mit 118 Partien Dynamos Rekordspieler im gesamtdeutschen Oberhaus. Aus dem Pokalspiel von einst zieht er durchaus Parallelen für das Duell in der 3. Liga am Samstag, 14 Uhr: "Sie standen immer für Aggressivität und Kompaktheit und haben jetzt mit Torsten Frings einen Trainer, der einst selbst auf dem Platz die Drecksarbeit gemacht hat."

Der Meppener Chefcoach wurde zwar vom Sportgericht wegen unsportlichen Verhaltens gesperrt und darf die Mannschaft in Dresden nicht von der Seitenlinie aus betreuen. Das, meint er, sei aber sowieso nicht entscheidend. "Wenn man auf der Bank sitzt, kann man eh nicht mehr so viel Einfluss nehmen. Das müssen die Jungs dann selbst regeln", sagte Frings der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Das sieht Maucksch ähnlich. Er hat bei Dynamo ab 2007 erst die zweite Mannschaft betreut und 2008 zum Sachsenpokalsieg geführt, dann ab 2009 die Profis trainiert und mindestens die Grundlage für den Aufstieg 2011 gelegt. Jetzt ist er zum zweiten Mal Chefcoach bei Union Fürstenwalde in der Regionalliga, vorige Saison haben sie durch einen 2:1-Erfolg im Finale gegen Babelsberg zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den Pokal in Brandenburg gewonnen und sich die Teilnahme am DFB-Pokal gesichert.

Maucksch: Es reicht nicht, der Favorit zu sein

Für die erste Runde zog Fürstenwalde ein großes Los: den VfL Wolfsburg, zu dem Maucksch als Spieler nach dem Zwangsabstieg mit Dynamo 1995 gewechselt war. Doch wegen der geforderten Auflagen in der Corona-Pandemie verzichtete Union auf das Heimrecht. "Vielleicht hätten wir zu Hause als Außenseiter eine Chance von zehn Prozent gehabt", meint Maucksch. Für seine Jungs sei es ein Erlebnis gewesen, im großen, wenngleich leeren Wolfsburger Stadion zu spielen, "aber so ging der Charakter des Pokals leider verloren".  Und auch das Spiel für sein Team mit 1:4.

Maucksch verfolgt Dynamo nach wie vor. "Dresden ist meine Heimat, es ist mein Heimatverein." Er kann nachvollziehen, dass sich die neue Mannschaft in der 3. Liga noch schwertut. "Es reicht nicht, der Favorit zu sein, das musst du jede Woche neu untermauern. Du bist der Gejagte, erst recht als namhafter Traditionsverein wie Dynamo", sagt er - und erinnert sich: "Das habe ich als Trainer damals auch erlebt. Wir mussten selbst auswärts das Spiel machen, das ist nicht ganz so einfach."

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Für das Spiel gegen Meppen hat er einen simplen Rat: "Es hoch konzentriert angehen und gegen eine kämpferische Mannschaft, die über die körperliche Präsenz kommt, erst dagegenhalten und dann die fußballerische Überlegenheit ausspielen." So oder so ähnlich hat es ja damals geklappt beim hart erarbeiteten Sieg im DFB-Pokal in Meppen.

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