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Dynamos Bier-Streit: Feldschlößchen zieht zurück

Die Dresdner Brauerei verzichtet nun doch auf eine einstweilige Verfügung, könnte aber eine Hauptverhandlung anstreben. Das ist der neue Stand.

Zu den ersten beiden Heimspiele von Dynamo gegen Ingolstadt sowie Paderborn wurde noch Feldschlößchen ausgeschenkt.
Zu den ersten beiden Heimspiele von Dynamo gegen Ingolstadt sowie Paderborn wurde noch Feldschlößchen ausgeschenkt. © Lutz Hentschel

Dresden. Bei Dynamos Heimspiel gegen Hannover 96 am Samstagabend, 20.30 Uhr, wird im Rudolf-Harbig-Stadion wieder Feldschlößchen ausgeschenkt - allerdings voraussichtlich zum vorerst letzten Mal.

Die Brauerei hat am Mittwoch zu Beginn der Verhandlung zum Aktenzeichen 13 U 1474/21 am Oberlandesgericht in Dresden ihre Berufung zurückgezogen und damit auf eine erneute einstweilige Verfügung verzichtet. Es steht dem Unternehmen offen, Klage einzureichen und ein Hauptsacheverfahren anzustrengen. Das erscheint jedoch eher unwahrscheinlich, nachdem jetzt zwei Richter die Faktenlage pro Dynamo ausgelegt haben.

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Demnach ist der Vertrag zum 30. Juni ausgelaufen, die mit Schreiben vom 18. Mai von Feldschlößchen gezogene Option für zwei weitere Jahre ungültig. Diese sei auf einem falschen Briefbogen erfolgt, also nicht durch die Feldschlößchen Vertriebsgesellschaft, dem Vertragspartner von Dynamo, sondern die Feldschlößchen AG.

"Wir bedauern sehr, dass ein solcher Formfehler mehr wiegen soll als eine jahrzehntelange Unterstützung des Vereins", sagte Vorstand Mike Gärtner dazu nach der Entscheidung am Landgericht Dresden vom 22. Juli.

Dynamos Geschäftsführer: Klare und faire Spielregeln

Aus Dynamo-Sicht stellt es sich allerdings anders dar. "Feldschlößchen war für den Verein über zehn Jahre ein verdienter Partner. Deshalb gab es klare und faire Spielregeln, an die hat sich Dynamo immer gehalten", erklärt Geschäftsführer Jürgen Wehlend. Unabhängig davon sei es die Pflicht des Vereins, ein deutlich besseres Marktangebot zu prüfen. Das hatte Radeberger vorgelegt. "Feldschlößchen war in der Position, in dieses Angebot einzusteigen, hat davon aber keinen Gebrauch gemacht", sagt Wehlend.

Dabei geht es nach seinen Aussagen um einen mittleren sechsstelligen Betrag mehr über vier Jahre, also letztlich bis zu 2,5 Millionen Euro zusätzlich, auf den Dynamo aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht verzichten kann. "Das möchte ich an dieser Stelle klarstellen: Dynamo hat einen langjährigen Partner nicht wegen 100.000 Euro die Tür vor der Nase zugeschlagen", hatte Wehlend bereits zur Mitgliederversammlung deutlich gemacht und in Bezug auf Radeberger von einer "strategischen Partnerschaft" gesprochen.

Anteil am Stadionnamen gibt letztlich den Ausschlag

Radeberger wird nicht nur der neue Biersponsor, sondern erwirbt zudem den Anteil am Namensrecht für das Stadion, der durch den Rückzug des Konsums vakant ist. Seit Dezember 2018 heißt Dynamos Spielstätte wieder Rudolf-Harbig-Stadion. Das war möglich, weil mit den regionalen Unternehmen Drewag und Konsum zwei Partner gefunden wurden, die eine mittlere sechsstellige Summe pro Jahr geben bzw. gaben, aber dafür lediglich mit ihren Logos am und nicht im Stadionnamen präsent sein wollten.

Wenn jetzt Radeberger einsteigt, könnte sich die höhere Summe aus 300.000 Euro für den Stadionnamen sowie 100.000 Euro für das exklusive Recht zum Bierausschank zusammensetzen. Bereits von 2006 bis 2011 war die Brauerei Biersponsor bei Dynamo, nach dem Aufstieg in die zweite Liga kam jedoch kein neuer Vertrag zustande, obwohl damals nach Informationen von Sächsische.de im Aufsichtsrat bereits ein unterschriftsreifes Angebot vorgelegen hatte.

Die Radeberger Gruppe, die mittlerweile in Frankfurt am Main sitzt und eine Tochtergesellschaft der Oetker AG ist, konzentrierte sich später mehr auf exklusives Sponsoring vor allem in der Kulturbranche.

Radeberger erstmals zum Spiel gegen Paderborn

"Wir waren, sind und bleiben Fans des Fußballsports und damit auch von Dynamo Dresden", hatte die Brauerei auf Nachfrage erklärt - nun dürfte das auch bald im Stadion umgesetzt werden. Zum ersten Mal könnte Radeberger beim Heimspiel gegen den SC Paderborn in der zweiten Liga am Sonntag, dem 29. August, 13.30 Uhr ausgeschenkt werden.

Bei aller naheliegenden Verbundenheit zwischen Dynamo und Feldschlößchen, dem bei den Fans beliebten "Feldi", geht es in dieser Sache um wirtschaftliche Dinge. Darauf wies Dr. Dietmar Onusseit, Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht, in seiner Einordung des Verfahrens im Sitzungssaal 2.5 außerhalb des Protokolls ausdrücklich hin. "Es gehört zum Wesen des Profi-Fußballs, dass er finanziert werden muss. Deshalb kommt es auch zu Streitigkeiten über wirtschaftliche Dinge." Oder kurz gesagt: "Es geht schlicht um den schnöden Mammon."

Letztlich für beide Seiten, denn Dynamo ist für einen Bier-Partner ebenso eine attraktive Marke. Nach der Rückkehr in die zweite Liga hatte Feldschlößchen mit Unterstützung des Vereins eine Sonderedition Aufstiegsbier auf den Markt gebracht.

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Richter Onusseit hatte den Anwalt von Feldschlößchen vor Beginn der dann hinfälligen Verhandlung zu sich bestellt, um ihm die Möglichkeit des Rückzugs anzubieten und damit Kosten zu sparen. Er betonte aber auch, dass es in einem Zivilprozess ein diametral entgegengesetztes Ergebnis geben könne, sofern es nun noch zu diesem kommt.

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