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Doppelt Gelb: So geht das neue deutsche Biathlon-Märchen

Deutschlands Biathletinnen und Biathleten starten überragend in den Winter. In Schweden gibt es nicht nur so Podestplätze wie nie, sondern auch Gelbe Trikots. Geht es so weiter?

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Nach ihrem Sprintrennen über 7,5 km konnte sich Franziska Preuss das Gelbe Trikot der Weltcupführenden überstreifen.
Nach ihrem Sprintrennen über 7,5 km konnte sich Franziska Preuss das Gelbe Trikot der Weltcupführenden überstreifen. © Pontus Lundahl/TT News Agency/AP/dpa

Östersund. Die Gesamtweltcupführende Franziska Preuß lächelte gemeinsam mit Vanessa Voigt in die Kameras, der „Gelbe“ Philipp Nawrath ballte gleich doppelt die Jubelfaust: Die schier unaufhaltsamen deutschen Biathleten haben im Gefrierschrank von Östersund ihre nächsten Erfolge gesammelt. Einen Tag nach dem sensationellen Premierensieg von Nawrath kamen Preuß und Voigt in einer hochspannenden Verfolgung der Frauen auf die Plätze zwei und drei.

Nur zwei Stunden später verteidigte auch Nawrath mit Rang zwei sein Gelbes Trikot erfolgreich.In bislang sechs Einzelrennen holten die deutschen Biathleten und Biathletinnen bereits acht Podestplätze - nach einem Weltcup fehlen nur noch zwei Top-Drei-Ränge zur Bilanz des gesamten Vorwinters. Dazu bleiben beide Gelbe Trikots in deutscher Hand. „Richtig, richtig gut“, schwärmte Frauen-Trainer Sverre Olsbu-Röiseland nach dem nächsten Coup im ZDF.

Dabei verpasste Preuß bei minus 12 Grad nur um Haaresbreite ihren zweiten Weltcupsieg.Die 29-Jährige verlor nach 10 Kilometern auch wegen eines kleinen Haklers den Zielsprint gegen die Sprintsiegerin Lou Jeanmonnot aus Frankreich. „Die Schlussspritzigkeit hat etwas gefehlt“, haderte Preuß: „Irgendwann wird das Finish auf meiner Seite sein. Ich gebe nicht auf.“

"Was sie geleistet hat, ist außergewöhnlich“

Die als Vierte gestartete Bayerin war als erste Deutsche seit Laura Dahlmeier im März 2017 im Gelben Trikot unterwegs. „Das war sehr cool, hat sehr Spaß gemacht.“ Und sie verteidigte es nach ihrer von Krankheiten und Verletzungen zerstörten Vorsaison mit nur einem Fehler bravourös. „Es ist ein Traum. Es ist noch spezieller nach ihrem letzten Jahr“, sagte Olsbu Röiseland: „Sie verdient das so sehr. Was sie geleistet hat, ist außergewöhnlich.“

Auch Voigt setzt sich nach der Ära von Denise Herrmann-Wick in der Weltspitze fest. Mit nur einem Fehler und 18,5 Sekunden Rückstand holte die Thüringerin im Jagdrennen ihren zweiten Podestplatz des Winters und setzte sich auf Rang drei der Gesamtwertung. Ein „optimales Rennen“, so Voigt. Nur beim letzten Stehendschießen habe sie in Führung liegend „nicht so richtig die Nerven bewahrt“.

Der in der Sommervorbereitung mit einem Fußbruch lange ausgefallene Nawrath hatte am Samstag im Sprint über 10 Kilometer nach fehlerfreiem Schießen seinen ersten Weltcupsieg gefeiert. „Es ist unglaublich. Das war für mich ganz weit weg“, erzählte der Bayer danach: „Es ist richtig schön.“ Der neue Bundestrainer Uros Velepec verpasste ihm kurzerhand den Spitznamen „Phil the Power“.

Drei Deutsche vorn - für einen Tag

Für einen Tag lagen in der Weltcup-Gesamtwertung mit Nawrath, Justus Strelow und Roman Rees gleich drei Deutsche vorne. „Ein historischer Moment“ schwärmte der neue Cheftrainer Uros Velepec: „Wir sollten das genießen.“ Er glaube aber „nicht, dass wir lang da bleiben“. Damit sollte er am Sonntag recht behalten – zumindest teilweise.

Nur Nawrath konnte sich in der Verfolgung an der Spitze der Gesamtwertung behaupten, ein Zähler Vorsprung bleibt ihm vor Tagessieger Sebastian Samuelsson. 5,1 Sekunden fehlten nach zwei Strafrunden und einer dramatischen Schlussrunde auf den mit drei Strafrunden belasteten Heimsieger. Der Schmiedeberger Strelow liegt nach den Plätzen 15 und 14 im Gesamtklassement nun auf Rang vier.

„Das Märchen geht weiter“, schwärmte ZDF-Expertin Laura Dahlmeier und warnte zugleich: „Man sollte jetzt nicht total ausflippen, sondern ruhig bleiben. Das ist nur der Anfang einer langen Saison, da kann viel passieren.“ Nach der anstrengenden ersten Weltcupwoche bekommen die Biathleten nun eine viertägige Pause. Am Freitag geht es in Hochfilzen weiter. (sid)