Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Merken

Pferd in Großgrabe angeschossen

Die Verletzung des Tieres war so schwer, dass es eingeschläfert werden musste. Im Raum steht ein schwerer Verdacht.

Teilen
Folgen
NEU!
© privat

Von Ralf Grunert

Verwaist war die Koppel am Rande des Bernsdorfer Ortsteils Großgrabe am Dienstag. Tags zuvor hatten auf der Wiese noch sechs Pferde gegrast, jedenfalls bis 13 Uhr. Irgendwann anschließend bis zum späten Nachmittag muss der Schuss gefallen sein, der die Stute namens „Summer“ traf. Als Mitarbeiter des Vereins Peritur, dem die Pferde gehören, die Tiere wie jeden Tag um diese Zeit in die Stallungen treiben wollten, entdeckten sie das blutüberströmte Tier. Eine Kugel hatte den Unterschenkel verletzt, schilderte gestern Cornelia Urban mit belegter Stimme und einem Anflug von Tränen in den Augen. Der Knochen war kaputt, das Pferd leider nicht mehr zu retten. Es musste eingeschläfert werden.

Nicht nur Cornelia Urban macht dieser Verlust betroffen. „Da werden unsere Vereinskinder sehr traurig sein“, weiß sie. „Die haben auf «Summer» das Springreiten gelernt.“ 13 Jahre alt war die Stute und ein gutes Springpferd, was sie bei vielen Wettkämpfen in der Gegend gezeigt hat.

Auf etwa 15 000 Euro beziffert Cornelia Urban, die ein Peritur-Vorstandsmitglied ist, den finanziellen Verlust. „Der emotionale Schaden lässt sich nicht beziffern.“

Querschläger kommt nicht infrage

Wie es zu der Schussverletzung gekommen ist, darüber lässt sich im Moment nur spekulieren. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen, wie es gestern im Polizeibericht hieß. Dass es sich um einen Querschläger und damit um ein tragisches Versehen – etwa bei der Wildschweinjagd – gehandelt hat, daran mag Cornelia Urban nicht glauben. Angrenzend an die Koppel befindet sich Hunderte Meter weit freies Feld, nirgendwo Mais, in dem sich Wildschweine gern aufhalten.

Ein Verdacht liegt für die Peritur-Mitglieder auf der Hand. Bei dem Schuss auf das Pferd könnte es sich um eine Fortsetzung der Ereignisse des vergangenen Jahres handeln. Im März waren fünf historische Kutschen des Vereins für Pferde und Landwirtschaft, der auch das Rittergut Großgrabe bewirtschaftet, in Dresden ganz offensichtlich von Brandstiftern angezündet worden. Ende April war dann das Rittergut selbst betroffen. Ein gerade erst fertiggestellter Stall wurde das Opfer von Flammen. Mehrere Pferde wurden verletzt, zum Glück keines getötet. An einer Brandstiftung gibt es kaum Zweifel, hieß es seinerzeit kurz nach dem Vorfall. Ein Brandmittelspürhund hatte in der Ruine angeschlagen. Zwar hatte der Verein daraufhin Belohnungen von insgesamt 7 000 Euro für Hinweise ausgelobt, die zur Ergreifung der Täter führen. Immerhin summierte sich der Sachschaden allein durch den Brand auf dem Rittergut auf rund 150 000 Euro. Solche Hinweise blieben aber aus, ebenso wie Ermittlungserfolge der Polizei, die den Rittergut-Brand im Herbst schließlich an die Staatsanwaltschaft abgegeben hat.

Der Wiederaufbau der Stallanlagen wird noch Jahre dauern, befürchtet Cornelia Urban, die allerdings hofft, einen oder mehrere Förderer zu gewinnen. „Das ist eine Investition in die Zukunft und unseren Nachwuchs“, rührt sie die Werbetrommel.

Der Verlust von „Summer“ wiegt sicherlich schwer. Reitsport kann vom Verein aber weiter betrieben werden. Um die 30 Pferde sind auf dem Rittergut zu Hause.