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Spuk am Schmetterholz

SZ-Adventskalender, Türchen 1: Sagen aus der Sächsischen Schweiz – Wie ein graues Männlein Wanderer an der Landstraße erschreckt.

Von Christian Eißner
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Thor (9) aus Pirna als „Das graue Männlein“.
Thor (9) aus Pirna als „Das graue Männlein“. © Foto: Marko Förster

Zwischen den Dörfern Fischbach und Schmiedefeld bei Stolpen dehnt sich ein großer Wald aus. Den bezeichnet der Volksmund als Schmetterholz. Mitten hindurch führt die Bautzner Landstraße, welche den Wald in eine nördliche und eine südliche Hälfte teilt. Auf der südlichen Seite steht hart neben der Landstraße, nur wenige Schritte von der Stelle, wo der Wald von Schmiedefeld her beginnt, ein verwitterter Stein. Er trägt die Zeichen G.S.F. und die Jahreszahl 1793.

Dieser Stein erinnert den Wanderer an eine schaurige Tat, die man sich so erzählt: Es war ein Fleischer aus Schmiedefeld, der eines Tags zum Viehmarkte zog. Kaum hatte er auf der Landstraße den tiefen Wald erreicht, wurde er meuchlings ermordet und seiner Barschaft beraubt.

Da die Mörder unerkannt blieben und die schreckliche Tat ungesühnt, wacht nun ein Geist über den Ort im Walde. Hier wird der Wanderer, der etwa nachts die einsame Landstraße dahin zieht, vielfach geängstigt und erschreckt. Aus dem Wald heraus vernimmt er lautes Hundegekläff, Pferdegetrappel und Hussaschreien, das allmählich in der Ferne verstummt. Auch Schellengeläute hört er hinter sich; es klingt, als wenn ihm ein Schlitten nachgejagt käme. Oftmals sieht er auch über die Landstraße vor sich her ein kleines, graubärtiges Männchen schweben, das aus der südlichen Waldseite tritt, die Landstraße kreuzt und in der nördlichen Waldseite verschwindet. Schon so manchem nächtlichen Wanderer ist dieses gespenstige Männchen an jener Stelle erschienen.

Man nennt es allgemein „das graue Männchen“. Selbst solche Personen haben es wiederholt gesehen, die nicht gerade zu den Furchtsamen und Abergläubischen gehören. Forstleute, Waldarbeiter und Fuhrleute sind im Schmetterholze manchmal von dem Männlein erschreckt worden. Gott sei Dank scheint das graue Männchen aber harmloser Natur zu sein; man hat noch nichts gehört, dass es jemandem ein Leid zugefügt hätte.

Im SZ-Adventskalender erscheint jeden Tag eine Sage aus der Sächsischen Schweiz. Den meisten liegt eine Überlieferung aus dem „Sagenbuch des Königreiches Sachsen“ von Alfred Meiche zugrunde. Gelesen werden die Sagen täglich, 17 Uhr, auf dem Canalettomarkt Pirna vom Weihnachtsmann, auch das Kalenderkind ist mit auf der Bühne.