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Stadt will Schloss Übigau kaufen

Das Dresdner Denkmal soll gerettet werden, eine Verwendung hat die Verwaltung aber nicht. Deshalb gibt es bereits andere Pläne.

© Sven Ellger

Von Andreas Weller

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Das altehrwürdige Barockschloss in Übigau gammelt seit Jahren vor sich hin. Die über die Jahre unterschiedlichen Besitzer haben nicht mehr als notwendige Sicherungsmaßnahmen vorgenommen, teilweise nicht mal diese. Nun will die Stadtverwaltung nicht länger zuschauen. Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) will das 1724 bis 1726 errichtete Gebäude kaufen. Das geht aus einer noch geheimen Vorlage hervor. Der Wert liege demnach bei etwa 1,3 Millionen Euro – die absolute Obergrenze für Klepsch.

Schloss Übigau in Dresden

Denkmalschützer attestieren dem Ensemble mit Park einen hohen kunst- und kulturgeschichtlichen Wert. Es wurde von Festungsbaumeister Eosander von Göthe für den Grafen Flämmimg errichtet. Noch vor der Fertigstellung kaufte Kurfürst August der Starke es und nutzte es als Lustschloss für pompöse Feierlichkeiten. Später beherbergte das Schloss die Verwaltung und Konstruktionsräume einer Maschinenbauanstalt für Dampfmaschinen und -kessel. Zu DDR-Zeiten war dort der VEB Dampfkesselbau Übigau untergebracht. Nach der Wende wechselten die Besitzer, und mittlerweile droht der Verfall. Eine Sommerwirtschaft funktionierte nur einige Jahre, sie ist längst wieder dicht.

Enteignung rechtlich schwierig

„Die derzeitige Eigentümerin ist nicht in der Lage, über die absolut erforderlichen Sicherungsmaßnahmen hinaus das Kulturdenkmal zu erhalten“, heißt es in der Vorlage von Klepsch. Oberbürgermeister Dirk Hilbert will sich demnächst mit der Eigentümerin Ingrid Schinz treffen. Denn die Stadt fürchtet, wenn Schinz das Schloss verkauft, würden Bereiche des Areals einzeln weiterverkauft, nicht im Sinne des Denkmals saniert oder modernisiert. Für eine kurze Zeit wurde es bereits im Internet zum Kauf angeboten. Die Anzeige ist zwar wieder weg, aber die Gefahr eines Verkaufs besteht weiter. Das Ensemble müsse aus denkmalpflegerischer Sicht unbedingt insgesamt erhalten werden.

Die Stadt hat deshalb mehrere Optionen geprüft: Eine Enteignung ist rechtlich fragwürdig, würde sehr lange dauern, und der Ausgang wäre unklar. Sich das Vorkaufsrecht zu sichern, hängt ebenfalls an rechtlichen Hürden. Deshalb schlägt Klepsch vor, das Schloss samt Park zu kaufen. Ein Maklerbüro hat den Wert des Ensembles im vergangenen Jahr auf 1,3 Millionen Euro festgelegt. Für den Unterhalt werden pro Jahr 50 000 Euro benötigt. Allerdings nur, um einen Substanzverlust zu verhindern. Eine denkmalgerechte Sanierung wäre deutlich teurer, die genauen Kosten dafür sind noch nicht ermittelt.

Die Stadt sehe sich in der Verantwortung, das Schloss als Denkmal insgesamt zu erhalten. Allerdings gibt es aktuell nichts, wofür die Verwaltung es nutzen könnte. Als Schule, Kita, Museum oder andere Kulturstätte sei es ungeeignet. Auch als Depot für Kunstwerke komme es nicht in Betracht, auch wenn Klepsch dringend Platz dafür sucht. Auf dem Areal wären bereits die Betriebskosten enorm. Offiziell äußern wollte sich Klepsch zu dem Thema auf SZ-Anfrage noch nicht, da die Vorlage noch in der Dienstberatung mit OB Hilbert abgestimmt werden müsse.

Nach SZ-Informationen plant die Stadt, Schloss Übigau nach dem Erwerb wieder zu verkaufen. Die Stadt will mit Investoren sprechen, wie das Denkmal erhalten und bestenfalls auch saniert werden kann. Mit einer Konzeptausschreibung könnte ein geeigneter Weg gefunden werden. Allerdings müsse eine Art Liebhaber gefunden werden, der bereit ist, Geld zu investieren. Denn eine Vermarktung wird schwierig.

Für Wohnungen ungeeignet

Wohnungen wie beispielsweise beim Lahmann-Sanatorium, das die Baywobau zum Lahmann-Park umgebaut hat, seien nicht möglich. Denn das Lahmann-Areal trägt sich durch die Neubauten, nur so konnte das alte Ensemble erhalten werden. Beim Schloss Übigau können nicht einfach Gebäude in den Park gesetzt werden, dies zerstöre das Denkmal als Gesamtensemble.

Nun hängt alles vom Treffen zwischen OB Hilbert und der Eigentümerin ab. Wenn sie das Schloss nicht verkauft, schlummert es wohl weiter. Der Stadt sind die Hände gebunden. Sie kann lediglich Sicherungsmaßnahmen anordnen, wenn tatsächlich der Verfall droht. Das scheint bisher noch nicht gegeben zu sein. Käme die Eigentümerin den Anordnungen nicht nach, kann die Stadt diese ausführen lassen, muss sich dann das Geld dafür zurückholen.