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„Stadt Zittau“ wird abgerissen

Wahrscheinlich steht die Faschingshochburg in Hörnitz schon Ende 2016 nicht mehr. Der Hurnzer Fasching bleibt aber.

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© Matthias Weber

Von Holger Gutte

Hörnitz. Nun ist es endgültig. „Stadt Zittau“ wird abgerissen. Die Gemeinde Bertsdorf-Hörnitz verkauft die Faschingshochburg an Thomas Lange, der bereits mit seiner Frau Sylvia 2013 nebenan die alte Schule samt Grundstück von der Gemeinde erworben hatte. Die Schule ist inzwischen abgerissen und nach den Plänen Langes auf dem Standort schon das Richtfest für das vorgesehene Seniorenpflegezentrum gefeiert worden. Der Geschäftsführer der Sozialstation Mittelherwigsdorf wollte „Stadt Zittau“ bereits damals im Paket mit der Schule kaufen. Das ging aber nicht, weil die Gemeinde zu der Zeit noch dem Erhalt des Gebäudes eine Chance geben wollte.

Bis 2014 gab es hier nicht nur eine Gaststätte, sondern auch 32 Jahre super Faschingsveranstaltungen.
Bis 2014 gab es hier nicht nur eine Gaststätte, sondern auch 32 Jahre super Faschingsveranstaltungen. © Verein

Jetzt sieht das anders aus. Mit 7:6 Stimmen haben sich die Gemeinderäte denkbar knapp auf ihrer Sitzung für den Verkauf und damit dem Abriss entschieden. Denn der wird Bedingung im Kaufvertrag sein. In geheimer Wahl haben die Abgeordneten über das Schicksal von „Stadt Zittau“ abgestimmt. „Wir wussten bis zuletzt nicht, wie es ausgeht. Als der vorletzte Stimmzettel geöffnet wurde, stand es 6:6“, erzählt Bürgermeister Günther Ohmann (Freie Wähler). Für ihn ist es die richtige Entscheidung, weil die Gemeinde keinen Investor für „Stadt Zittau“ finden konnte und sie finanziell die nötige Sanierung des Hauses nicht stemmen kann.

Gemeinderat Hartmut Becker (Freie Wähler) gehörte vor der Abstimmung zu denjenigen, die vergebens appellierten, dass Haus nicht abzureißen. „Die Verkehrssicherungspflicht ist für uns noch nicht so schlimm, dass das Gebäude abgerissen werden muss“, sagt er. Das Haus hätte gut und gerne noch drei, vier Jahre so stehen können, ohne einsturzgefährdet zu sein, schildert der Baufachmann. Auf die Gemeinde wären lediglich Kosten wegen Versicherung und Winterdienst zugekommen. „Aber manchmal passiert eben auch ein Wunder. Und die Chance haben wir uns nun verbaut“, sagt Hartmut Becker. Und er vermutet, dass der Investor das Haus ebenso in vier Jahren noch genommen hätte. Auch Jens Albrecht ist sauer. „Es ist sehr schmerzlich und bedauerlich, dass nun neben der Schule auch „Stadt Zittau“ und damit der einstige Dorfmittelpunkt in Hörnitz abgerissen wird“, sagt der Vorsitzende des Hörnitzer Faschingsclubs. Hilfesuchend hatte sich der Verein in den letzten Jahren an das Ministerium und an CDU-Landtagsabgeordneten Stephan Meyer gewandt, aber nichts erreicht. „Wir können als Verein so ein Haus nicht bewirtschaften“, sagt er. Was für die Mitglieder möglich war, haben sie immer wieder getan. Am 11.11. 2014 hatte der Faschingsclub noch gehofft, dass die 33. Saison eine Ausnahme bleibt. Denn erstmals ist damals das altehrwürdige „Stadt Zittau“ nicht zur Faschingshochburg dekoriert worden. Da es im Verein genügend Handwerker gibt, hatten sie 2014 symbolisch zum Faschingsauftakt das Dach des Anbaus mit aufgeschweißten Dachpappbahnen wieder dicht gemacht. Die Materialkosten von 4 000 Euro sind von der Gemeinde bezahlt worden. „Wir haben ja Vorschläge für das Haus gemacht, aber die sind nicht für machbar erklärt worden“, fügt Andreas Vogt vom Vereinsvorstand hinzu. Die Rede ist von einem Dorfgemeinschaftshaus mit Gaststätte und Arztstation gewesen. Aber das ist Geschichte. Mit dem „Jam Dance Base“ in Eichgraben nutzt der Faschingsclub Hörnitz inzwischen ein anderes Quartier, das ihrem alten Domizil ähnelt. Hier gibt es ebenso verwinkelte kleine Ecken.

Und während der Verein schon für das nächste „Uff noch Hurnz“ im JAM arbeitet, werden gleichzeitig die Einzelheiten zum Kaufvertrag für „Stadt Zittau“ ausgearbeitet. Bis der Vertrag unter Dach und Fach ist, könnte es sich aber noch bis Ende September hinziehen, berichtet der Bürgermeister. Unter anderem auch, weil sich die Gemeinde sicherheitshalber an die Rechtsaufsichtsbehörde des Landkreises gewandt hat. Die soll zustimmen, dass „Stadt Zittau“ unter Wert verkauft wird. Der Verkaufspreis beträgt nämlich einen Euro. Ein Verkehrswertgutachten für das Gebäude weist es aber mit 5000Euro aus. Thomas Lange trägt dafür die Kosten für den Abriss, so Günther Ohmann.

In den Neubau nebenan investiert der Geschäftsführer mit seinem Unternehmen 2,8 Millionen Euro. 24 Pflegeplätze auf zwei Etagen, davon eine speziell für Demenzkranke sowie 20 Plätze für Tagespflege und Angebote zum betreuten Wohnen sind im Pflegezentrum geplant. Eine Cafeteria, ein Landmarkt mit einheimischen Produkten sowie Praxisräume für Ergotherapie sollen öffentlich nutzbar sein. Das gilt auch für den Park, der nun auf das Gelände von „Stadt Zittau“ erweitert wird. „Sobald der Vertrag gültig ist, steht der Abrissbagger bereit“, sagt Thomas Lange. Durchaus also noch in diesem Jahr.

Nicht verkaufen will Bertsdorf-Hörnitz auf dem Grundstück von „Stadt Zittau“ aber die Fläche, auf der sich seit Mai die Zisterne für die Löschwasserversorgung befindet. Die Fläche könne aber teilweise als Parkfläche genutzt werden.