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Stall in Ludwigsdorf fällt in sich zusammen

Der Besitzer des Gebäudes erhält von der Stadt eine Frist.

© nikolaischmidt.de

Von Ingo Kramer

Für die Mitarbeiter des Ludwigsdorfer Lebenshofes in der Neißetalstraße kam es nicht überraschend. „Schon vor zwölf Jahren hieß es, der alte Stall bei uns gegenüber wird abgerissen“, sagt einer von ihnen. Das sei aber nicht passiert. Stattdessen sei der Zustand mit der Zeit immer bedenklicher geworden. Und an diesem Dienstag ist es dann passiert: Ein Abschnitt des Dachstuhles ist eingestürzt – und dabei teilweise auch auf den Rand der Straße gefallen.

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Ortsvorsteher Karsten Günther-Töpert erhielt deshalb am Abend einen Anruf von einer Ortschaftsrätin und informierte die Stadt. Die veranlasste am Mittwoch eine provisorische Absperrung und am Donnerstag eine weitreichendere, sodass nun die Neißetalstraße voll gesperrt ist. Nur Fußgänger und Radfahrer kommen noch durch. „Wir haben den Eigentümer aufgefordert, bis Anfang Mai seinen Pflichten nachzukommen und das Gebäude zu sichern“, sagt Stadtsprecherin Sylvia Otto. Mache er das nicht, müsse die Stadt nach Ablauf der Frist als Ersatzvornahme die Bauteile, von denen eine Gefahr ausgeht, sichern. Das sind Teile des Daches, aber auch des frei stehenden Giebels. Was der Eigentümer vorhat, um das Gebäude zu sichern, oder was die Stadt notfalls bei der Ersatzvornahme zu tun hat, müsse in den nächsten Tagen abgestimmt werden.

Wie lange die Sicherung dauert, sei noch nicht absehbar, auch nicht ungefähr. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. „Deshalb muss bei dem, was getan wird, möglichst substanzschonend vorgegangen werden“, erklärt Sylvia Otto. Die Stadt könne die Straßensperrung anschließend erst aufheben, wenn die öffentliche Sicherheit hergestellt ist. Bis dahin erreichen alle Anlieger über ausgeschilderte Umleitungen ihre Grundstücke. Auch der Durchgangsverkehr wird umgeleitet.

Dem Ortschaftsrat ist das Gebäude, das zum alten Demisch-Gut gehört, schon lange ein Ärgernis. „Meines Wissens sind vier Parteien Eigentümer, darunter drei auswärtige“, sagt Günther-Töpert. Auch der eingestürzte Teil gehöre Auswärtigen, vermutlich aus Süddeutschland. Namen weiß der Ortsvorsteher keine. Die Stadt kennt sie, teilt sie aber aus Datenschutzgründen nicht mit. Beim Lebenshof heißt es, die jetzt maroden Häuser seien wohl schon in den 1990er Jahren an Käufer aus den alten Bundesländern gegangen. Diese hätten seither nichts an den Gebäuden gemacht. Vergangenen Herbst habe sich der Besitzer erstmals blicken lassen. Damals fanden notdürftige Sicherungen statt: An der Fassade wurden einige Bäume und Sträucher abgeholzt, das jetzt eingestürzte Dach erhielt ein Schneefanggitter. Mitarbeiter des Lebenshofes berichten, dass auch in dieser Woche Vertreter des Eigentümers vor Ort waren und sogar auf die Ruine geklettert sind, um lose Teile nach unten zu werfen.

Dem Ortschaftsrat sind in solchen Fällen die Hände gebunden: „Solange sich der Eigentümer nicht bewegt, können wir auf- und abspringen“, sagt Günther-Töpert. Erst wenn Gebäude zu einer Gefahr werden, sei ein Eingreifen der Stadt möglich. Die Zusammenarbeit mit dieser lobt der Ortsvorsteher: „Wir stoßen dort auf offene Ohren.“ Beide Seiten hätten ein Interesse daran, dass Brachen verschwinden.

Doch Günther-Töpert hat noch andere Sorgen. Zwar sei die Straße nun abgesperrt, aber spielende Kinder kämen weiter problemlos in den Stall, auch von der Seite oder von hinten. Allein schon, um das zu verhindern, müsse dringend etwas passieren. Und das nicht nur bei diesem Objekt. In Ober-Neundorf habe der Ortsteil sein zweites Sorgenkind. Zwar sei das Schloss mittlerweile verkauft und in guten Händen, aber in dessen Umfeld gebe es weitere Gebäude, von denen eine Gefahr ausgeht. Und die das Ortsbild verschandeln: „Bei uns hat sich in den vergangenen Jahren so vieles zum Guten entwickelt, dass diese Ruinen nun umso mehr ins Auge fallen.“