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Staubwolken für unser täglich Brot

Die Getreideernte im Landkreis steckt in den letzten Zügen. Die Landwirte beschäftigt nicht nur der Preis.

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© Kristin Richter

Von Marie-Therese Greiner-Adam

Sächsische Schweiz. Es muss stauben bei der Getreideernte. Wenn die Mähdrescher auf den Feldern in Struppen ihre Kreise ziehen und sich Staubwolken über dem Land erheben, ist es so weit – die Bauern bringen ihr Getreide ein. Doch in diesem Jahr mussten viele Landwirte lange darauf warten. Es war und ist ein unregelmäßiger Sommer, die Ernte wurde sehr oft unterbrochen.

„Der Siebenschläfer hat voll funktioniert“, sagt Uwe Scheumann. Der Landwirt, der die Agrarproduktion „Am Bärenstein“ in Struppen leitet, spricht vom 27. Juni, der oftmals Auskunft über das Wetter der nächsten Wochen gibt. Die Bauernregel besagt: „Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag“ – und so war es dann auch. Weil es in den vergangenen Wochen so oft geregnet hat, mussten viele Bauern spontan sein. Manche waren an trockenen Tagen bis tief in die Nacht hinein dabei, ihre Ähren einzuholen.

Scheumann bezeichnet nun die Ernte als „sehr durchwachsen – vom Wetter und den Erträgen her“. Hinsichtlich der Erntelogistik sei es eine „wahre Herausforderung“ gewesen, sagt der Landwirt.

Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt gab im Juli bekannt, dass der Freistaat die Landwirtschaft bei der Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels unterstützen will. Ein Phänomen der Klimaveränderung ist die gestiegene Jahresmitteltemperatur in Sachsen – es wird heißer und trockener. Dazu kommen vermehrt Wetterextreme wie Hagel und Starkregen.

„Inwieweit der Klimawandel aktuell eine Rolle spielt, kann ich nicht sagen“, schränkt Henryk Schultz ein. „Nasse Jahre hat es früher auch schon gegeben“, meint der Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Für ihn war es einfach „bis jetzt ein sehr, sehr schwieriges Jahr“. Die Erträge seien lange nicht so gut wie im vergangenen Erntejahr. Für ganz Sachsen versprechen sich die Bauern immerhin durchschnittliche bis gute Ergebnisse, gab der Landesbauernverband bekannt.

Was vielen Ackerbauern neben den Wettereskapaden Sorgen bereitet, sind die sinkenden Getreidepreise. Lag der Preis für eine Tonne im Jahr 2015 noch bei etwa 155 Euro, ist er 2016 bereits auf 140 Euro zurückgegangen. Das Getreide, das Scheumann in diesem Jahr erntet, wird zunächst eingelagert und dann im Frühjahr verkauft. Ihn treffen die Folgen der Preisschwankungen also erst 2017. Er sieht die Lage jedoch nicht allzu schwarz, denn die deutschen Bauern könnten durchaus von den Missernten in Frankreich profitieren. „Die tatsächlich geernteten Mengen in Frankreich bleiben hinter den Erwartungen zurück“, sagt Scheumann. Welche Auswirkungen die Erntebilanz unserer Nachbarn haben werden, darüber sind sich aber nicht alle einig.

Sorge um die Qualität

Regionalverbandschef Henryk Schultz indes geht nicht davon aus, dass die Missernte in Frankreich zu einer Preissteigerung führen wird. „Ich glaube nicht, dass wir nach Frankreich schielen sollten“, sagt er. Jetzt gilt es, die eigene Ernte abzuschließen und zu sehen, welche Qualität das eingeholte Getreide hat. Wenn sich die Ernte so lange hinzieht wie in diesem Jahr, sinkt meist auch die Qualität. „Gerade beim Weizen gibt es Qualitätsverluste“, erzählt Schultz. Alles, was die Agrargenossenschaft Oberes Elbtal jetzt erntet, wird vermutlich nur noch als Futterweizen zu gebrauchen sein, weiß der Landwirt. Und der Preis für Futterweizen liegt deutlich unter dem von Brotweizen.

Der Verbraucher bekommt von alledem beim Bäcker wenig mit. Das Mehl, das aus dem Getreide hergestellt wird, macht nur einen geringen Teil der Kosten für das Endprodukt aus. Wie viel ein Brot kostet, ist weniger vom Getreide- oder Mehlpreis, sondern von den Kosten für die Zubereitung und den Verkauf abhängig.

Doch dass einmal Brot aus dem werden soll, was bei der Ernte so viel Staub erzeugt, ist ohnehin nicht jedem klar. „Diese Kette ist den wenigsten vertraut“, meint Uwe Scheumann. Gerade in der Erntezeit kommt den Bauern eine erhöhte Aufmerksamkeit zu. Viele Menschen beschweren sich beispielsweise darüber, dass Erntefahrzeuge die Fahrbahn verschmutzen. Dabei verlieren manche das Wesentliche aus dem Blick. „Wir lieben unsere Arbeit und wissen, warum wir sie tun. Es wäre schön, wenn wir dieses Wissen mit einer breiteren Basis teilen könnten“, wünscht sich Scheumann.